Die enormen Preise für Gas sind für viele Menschen in Vorpommern nicht zu stemmen, glaubt Nordkurier-Reporter Ralph
Die enormen Preise für Gas sind für viele Menschen in Vorpommern nicht zu stemmen, glaubt Nordkurier-Reporter Ralph Sommer. Stephan Jansen
Kommentar

Gaspreis in Vorpommern verachtfacht – Berlin muss endlich handeln

Wie teuer der Winter werden wird, hat unser Autor gerade am eigenen Leib erfahren. Die Wutwelle rollt, trifft aber oft die falschen, schreibt er.
Anklam

Vor wenigen Tagen flatterte auch bei uns daheim ein Schreiben in den Briefkasten. Darin teilte unser Energieversorger mit, dass sich der Gasverbraucherpreis von bisher etwa 7 Cent auf über 54 Cent pro Kilowattstunde erhöhen wird. Fast eine Verachtfachung! Und wir sind nicht die einzigen Privathaushalte, die es derart trifft, wie ich im Bekanntenkreis erfuhr.

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Eine Wutwelle rollt an

Das ist krass und schlicht nicht mehr zu stemmen. Aber noch heftiger dürfte der Schock bei klein- und mittelständischen Unternehmen sein, denen angesichts explodierender Energiekosten gar nichts übrig bleiben wird, als die Produktion zu stoppen, Insolvenz anzumelden und Beschäftigten zu kündigen.

Da rollt nicht nur eine Wirtschaftskrise, sondern auch eine Wutwelle der Bürger auf die Politik zu. Daher ist es richtig, dass sich der Kreistag Vorpommern-Greifswald mit klaren Worten und großer Geschlossenheit zu einem kritischen Hilferuf an die Bundespolitik entschlossen hat.

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Politik wirkt hilflos

Was da beschlossen wurde, ist ein Signal, das man in Berlin hören sollte. Konsequenzen wie Energiekostendeckel, ideologiefreies Krisenmanagement und Fehlerkorrekturen wie bei der Gasumlage und der Schuldenbremse sind geboten, um den Frieden gerade in Vorpommern zu sichern. Denn die gestiegenen Energiepreise treffen die Menschen hier mehr als zum Beispiel viele Bayern am Starnberger See, wie der SPD-Bundestagsabgeordnete Erik von Malottki im Kreistag zu Recht sagte.

Längst rumort es in der Bevölkerung, wie die ersten Demonstrationen zeigen. Die Politik vor Ort, die immer öfter hilflos und mit klammen Kassen Beschlüsse umsetzen muss, für die sie eigentlich gar nicht zuständig ist, wäre die erste Adresse, die der Unmut trifft. Allein deshalb muss die Bundesregierung alles tun, um parteipolitische Befindlichkeiten zu überwinden und den befürchteten Wutherbst einzudämmen.

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Denn die Rechten, die Reichsbürger, die Prepper-Szene und Co., die Russlands verbrecherischen Angriff auf die Ukraine ausblenden, stattdessen die USA als Kriegstreiber und Waffenprofiteur anklagen und nicht müde werden, die Situation mit den Anfängen der Nazi-Diktatur zu vergleichen, werden etwaige Unruhen für ihre Absichten nutzen. Auch das haben einige Redebeiträge im Kreistag deutlich gezeigt.

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