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Am 12. April veröffentlichte der Landkreis Vorpommern-Greifswald zum letzten Mal im Internet seine „Corona-Update“-Karte mit den Sieben-Tages-Inzidenzen in den einzelnen Ämtern. Seit dem verzichtet der Kreis auf eine Veröffentlichung. NK-Montage/Karte: Kreis-VG
Corona-Pandemie

Verschleiert Landkreis Corona-Zahlen jetzt erst recht?

Verschleierungstaktik oder eine berechtigte Reaktion auf die anhaltende Kritik? So oder so, durch die neue Informationspolitik des Kreises werden die Bürger von nun an seltener informiert.
Anklam

Anklam galt lange Wochen als ein Hotspot mit den höchsten Corona-Infektionszahlen im gesamten Landkreis Vorpommern-Greifswald. Mittlerweile dürfte sich die Lage jedoch wohl etwas entspannt haben. Zuletzt lagen die Zahlen bei einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von rund 250. Damit befinde sich die Stadt wohl wieder im Mittelfeld und etwa im Durchschnitt der umliegenden Ämter, schätzt Bürgermeister Michael Galander. Allein, den aktuellen Stand in der Stadt Anklam kennt selbst der Bürgermeister nicht mehr. Ob die Zahlen immer noch so sind, wie Galander sie jüngst in der Stadtvertretersitzung erwähnte, lässt sich nur vermuten. Denn die Werte, die er weitergeben kann, sind bereits gut eine Woche alt.

Corona-Zahlen von nun an nur noch wöchentlich?

Schuld daran scheint wohl eine neue Informationspolitik des Landkreises Vorpommern-Greifswald zu sein. Einmal in der Woche oder alle zwei Wochen – so genau weiß das Anklams Rathauschef selbst noch nicht – sollen nun selbst nur noch die Verwaltungsspitzen über die genauen Corona-Zahlen in ihren Ämtern informiert werden. Auch die bislang vielfach als so transparent gelobte Veröffentlichung der amtsgenauen Karten auf der Internetseite des Kreises und in den sozialen Medien vermissen mittlerweile viele Bürger. Begründungen, warum dies nicht mehr geschehe, blieben dort bislang aus.

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Auf Nachfrage des Nordkurier heißt es dazu nun vom Kreis, dass man die Information für die Bürger mittels der Karten aufgrund anhaltender Kritik dauerhaft eingestellt habe. Dabei verweist der Landkreis darauf, dass dies von vornherein ein freiwilliges Angebot gewesen sei, das über die Öffentlichkeitsarbeit anderer Landkreise hinausgehe. „Diese Entscheidung resultiert aus unserer Erfahrung, dass wir für den Bürgerservice, der einmalig in Mecklenburg-Vorpommern war und der zweimal pro Woche aufbereitete Zahlen und Grafiken auf Basis eines Direktauszuges aus dem Sormas-Programm bereitstellte, zu Unrecht öffentlich abgestraft wurden“, heißt es dazu nun vom Landkreis.

Landkreis nimmt Opferrolle ein

In der weiteren Erklärung dazu nimmt der Kreis vielmehr eine Opferrolle in dem Zahlen-Wirrwarr der vergangenen Wochen ein. Immerhin habe man bei den Veröffentlichungen immer auf Diskrepanzen zu den offiziellen Zahlen hingewiesen, heißt es weiter. „Das Feedback war trotz dieses transparenten Informationsangebotes negativ und offenbar teilweise gewollt negativ“, so das Fazit der Kreisverwaltung. Im Übrigen würde der Landkreis derzeit einmal pro Woche die Zahlen der Vorwoche für Ämter, Städte und Gemeinden herausgeben, bestätigt man die Aussagen des Anklamer Bürgermeisters dazu.

Kommentar – Anne-Marie Maaß meint:

Es bleibt nur eine bittere Bilanz

Nach Strafanzeigen gegen den Landrat, dem ganzen Hin und Her und den Beratungssitzungen zu den Corona-Zahlen zwischen Lagus, Kreis und Landesregierung muss man vor Ort feststellen: Sie haben einfach nichts gelernt! Schon wieder legt die Kreisverwaltung in ihrer Informationspolitik dazu eine beachtliche Kehrtwende hin.

Und das eben wieder zum Leidwesen der Bürger. Ich bin überzeugt: Die Menschen wollen durchhalten, sie wollen sich zusammenreißen zum Wohlergehen aller. Was sie schlichtweg nicht mehr wollen, ist: getäuscht werden. Etwa durch gezielte Fehl- oder Desinformation. Durch die jetzige Verschleierungstaktik verspielt sich der Landkreis und allen voran Verwaltungschef Michael Sack auch noch den letzten Rückhalt und Vertrauensvorschuss. Das ist einfach nur noch eines: sehr schade!

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