Aus dem Amtsgericht

Vierfache Mutter soll Hanfplantage betrieben haben

Vor Gericht sitzt eine vierfache Mutter, die des illegalen Hanfanbaus beschuldigt wird. Polizisten entdeckten die Drogenpflanzen bei einer Durchsuchung. War die legal?
Eine illegale Hanf-Plantage. Auch in einem kleinen Dorf bei Anklam hat die Polizei so eine Anbaustätte entdeckt.
Eine illegale Hanf-Plantage. Auch in einem kleinen Dorf bei Anklam hat die Polizei so eine Anbaustätte entdeckt. Patrick Pleul
Bei einem Prozess vor dem Amtsggericht Pasewalk ging es jetzt um den Anbau von Drogen. Doch wusste die Angeklagte von der klei
Bei einem Prozess vor dem Amtsggericht Pasewalk ging es jetzt um den Anbau von Drogen. Doch wusste die Angeklagte von der kleinen Plantage unter dem Dach?
Anklam/Pasewalk

Was für eine verrückte Geschichte! Da spielt der verloren geglaubte Bruder eine sehr zwielichtige Rolle, ein ehemaliger Freund taucht auf, der seine Ex mit einem anonymen Anruf bei der Polizei angeschwärzt hat, und sogar Südfrüchte haben eine Bedeutung, obwohl die des herben vorpommerschen Klimas wegen einfach nicht gedeihen wollen.

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Vom Drogenanbau nichts gewusst?

Im Amtsgericht Pasewalk sitzt eine 32-jährige Angeklagte, die von der Staatsanwaltschaft des illegalen Drogenanbaus beschuldigt wird. In der Dachkammer ihres gemieteten Häuschens in einem klitzekleinen Dorf bei Anklam hat die Polizei während einer Durchsuchung im Juli 2019 16 Hanfpflanzen entdeckt, dazu einige schon getrocknete Blüten. Klare Sache wohl: Hier produziert jemand Marihuana. Gewachsen ist das Zeug in einem kleinen Zelt, einer sogenannten Growbox, die gibt es samt Anbauanleitung schon für weniger als 200 Euro im Internet zu kaufen. Die 32-jährige Mieterin beteuerte damals und heute, davon rein gar nichts gewusst zu haben. Die Tür war immer verschlossen und einen Schlüssel habe sie nie besessen. Das Zelt, ja, das sei ihre Bestellung gewesen, aber eigentlich sollte das noch unausgepackt in der Garage liegen. Wie es damals aufgebaut in die Kammer kam – sie weiß es nicht. Gedacht war das, zuhören und staunen, für den Anbau leckerer Melonen. Auf einem Misthaufen will die Dorfbewohnerin schon versucht haben, die Südfrüchte zu züchten, aber das habe einfach nicht funktionieren wollen. Mit der Leinwandbox sollte alles viel besser klappen.

Den Bruder verdächtigt

Aber wer, begehrt die Richterin zu wissen, soll denn das Zelt aufgebaut und die Dachkammer verschlossen haben? Die junge Frau auf der Anklagebank hebt die Schultern: Vielleicht der Bruder? Den nämlich hat die 32-Jährige erst wenige Monate zuvor kennengelernt, im Internet hat sie ihn gesucht und gefunden. Sie und der lange verschollene enge Verwandte sind gleich nach der Geburt zur Adoption freigegeben worden, deshalb der späte Kontakt. Der Bruder hat dann auch gleich ein paar Monate bei ihr gewohnt, heute gibt es keinen Kontakt mehr. „Null“, sagt die Schwester nach der Verhandlung, von dem kriminellen Bruder wolle sie nichts mehr wissen, der habe sie reingerissen und überhaupt. Der soll, sagt sie, auch viel Schuld daran tragen, dass Gerichte und das Jugendamt ihr die vier Kinder weggenommen haben.

Verteidiger hat Fragen zur Durchsuchung

Dem Begehr der Polizisten seinerzeit auf Durchsuchung der Wohnung widersetzte sich die Angeklagte an jenem Sonnabendvormittag. Ohne Durchsuchungsbefehl laufe gar nichts, beschied sie den Beamten aus dem Hauptrevier in Anklam, die mussten erst den Bereitschafts-Staatsanwalt in Neubrandenburg kontaktieren, ehe sie so mit dem behördlichen Beschluss in die Wohnung kamen. Ob sie seine Mandantin damals richtig belehrt haben, will Rechtsanwalt Wolfgang Bartsch von den Polizisten wissen, die als Zeugen im Amtsgericht aussagen. Ja, nicken die. Und ob die junge Frau auch über ihr Recht, sofort einen Anwalt bei sich zu haben, informiert wurde. Wohl eher nicht, heißt es. Der Verteidiger nickt. Das habe er sich schon gedacht.

Erst Anzeige, dann Hilfe vom Ex-Freund

Trotzdem, das sieht alles gar nicht gut aus. Dass die Mieterin vom Anbau des verlockenden „Grases“ nichts gewusst haben will, daran kann gezweifelt werden. Jetzt aber die unverhoffte Rettung: Als letzter Zeuge sagt ein Mann aus, mit dem die Angeklagte früher sehr eng verbandelt war. Der gesteht, damals stinksauer auf die Frau gewesen zu sein, aus einem handfesten Grund. Die habe ihm nämlich weisgemacht, schwanger von ihm zu sein. Eine glatte Lüge. Und deshalb eben, druckst er herum, deshalb habe er, als ihm der Bruder von der kleinen Plantage erzählt hat, dieses anonym bei der Polizei angezeigt. Nur deshalb seien die zur Durchsuchung bei der Ex-Liebsten aufgekreuzt. Der Bruder, niemand weiß, wo der gerade steckt, habe ihm auch erzählt, der Anbau sei auf seinem Mist gewachsen, die Schwester wisse davon nichts. „Ich schwöre, so war es.“

Und noch mehr Ungeheuerliches erzählt er, kaum zu glauben so etwas. Der Bruder, der Schuft, soll der Schwester auch über eine gewisse Zeit immer wieder heimlich irgendwelche Drogen in deren Getränke gemischt haben. Warum? Niemand weiß es. Die Schwester sagt später, vielleicht, um ihr was auszuwischen.

Dem Gericht bleibt nichts anderes übrig, als der jungen Frau ihren Freispruch zu verkünden.

 

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Kommentare (1)

Plantage ist eine landwirtschaftliche Großfläche. Kleines Zelt...