Jonas Dietrich sollte eine wichtige Funktion im Vorstand des Fußballverbandes übernehmen. Daraus wird nun aber nich
Jonas Dietrich sollte eine wichtige Funktion im Vorstand des Fußballverbandes übernehmen. Daraus wird nun aber nichts. „Man wollte mich nicht dabeihaben“, wirft der 23-Jährige der Verbandsspitze vor. Dennis Bacher
Der junge Mann aus Alt Tellin pfeift an den Wochenenden Fußballspiele im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Bis zuletzt wa
Der junge Mann aus Alt Tellin pfeift an den Wochenenden Fußballspiele im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Bis zuletzt war er beim Verband zudem als Staffelleiter für den Kreispokal sowie eine Kreisliga-Staffel tätig. Andy Buenning
Diana Räder-Krause, Vorsitzende des Fußballverbandes Vorpommern-Greifswald
Diana Räder-Krause, Vorsitzende des Fußballverbandes Vorpommern-Greifswald NK-Archiv
Nach Kritik

Zoff beim Fußballverband Vorpommern-Greifswald endet mit Rücktritt

Ende September scheiterte Staffelleiter Jonas Dietrich (23) noch an der Wahl zum Vorsitzenden des Fußballverbandes. Nun verkündete er überraschend seinen Rücktritt. Was ist passiert?
Vorpommern

Es sind noch keine zwei Monate vergangen, seit sich der neue Vorstand des Fußballverbandes Vorpommern-Greifswald (FVVG) konstituiert hat. Wenige Wochen nach der Neuwahl ist auf der Führungsebene aber bereits wieder eine Position frei geworden. Wie die Vorsitzende Diana Räder-Krause dem Nordkurier bestätigte, wird das langjährige Vorstandsmitglied Marko Bieck seine Aufgabe als Beauftragter für Sicherheit und Integration aus gesundheitlichen Gründen nicht fortführen können.

Der Fußballverband sei nunmehr auf der Suche nach einem Nachfolger. „Wir suchen offiziell nach einem Beauftragten für Recht, Ordnung und Öffentlichkeit“, sagte Diana Räder-Krause. Die Position soll neu ausgelegt werden, der Zukunftsgedanke spiele dabei eine wichtige Rolle. Es gehe auch um Digitalisierung, Modernisierung und Öffentlichkeitsarbeit. Die Zeichen stehen beim Verband offenbar auf Zukunft – allerdings scheint diese Entwicklung vorerst ins Stocken geraten zu sein.

Heftige Vorwürfe gegen Vorstandsmitglieder

Als heißer Kandidat für den vakanten Vorstandsposten galt bis zuletzt der 23-jährige Jonas Dietrich. Der junge Mann aus Alt Tellin ist regelmäßig für den FSV Blau-Weiß Greifswald als Schiedsrichter aktiv, brachte sich während der vergangenen drei Jahre beim Verband als Staffelleiter für den Kreispokal sowie eine Kreisliga-Staffel ein und entwickelte, nach eigener Aussage, in Absprache mit der Vorsitzenden des hiesigen Fußballverbandes bereits ein Perspektivkonzept für den Sport in Vorpommern-Greifswald. Ein junger Mann mit Erfahrung, Lust und Visionen? Das klingt beinahe zu schön, um wahr zu sein. Und so ist es offenbar auch.

Wie der Nordkurier erfahren konnte, verkündete Jonas Dietrich vor Kurzem relativ überraschend seinen Rücktritt von allen Ämtern beim Fußballverband. In einem anschließenden Gespräch mit dem Nordkurier erhob er zum Teil heftige Vorwürfe gegen einige Mitglieder des Vorstandes. Einige Personen seien nicht in der Lage, mit Kritik umzugehen, und würden, so der 23-Jährige weiter, wichtige Themen der Zukunft aufgrund persönlicher Befindlichkeiten zurückstellen. Mit dem Rücktritt zog er nun nach eigener Aussage die Konsequenzen für dieses Verhalten. „Leider scheint nicht jeder im Vorstand bereit für die Zukunft zu sein“, kritisierte er.

Jonas Dietrich hatte sich Ende September, neben Diana Räder-Krause, relativ spontan zur Wahl des Vorsitzenden beim Fußballverband Vorpommern-Greifswald aufgestellt. „Meine Kandidatur hat damals viele überrascht“, sagte Dietrich, der den FVVG bei seiner Rede am Wahlabend mit scharfen Worten attackiert hatte. Er kritisierte den Verband unter anderem dafür, die Gebühren und Strafen für die Vereine während der Corona-Zeit erhöht zu haben. „Wie viele Vereine sollen noch unter diesem Druck zusammenbrechen?“, fragte er damals in die Runde und erntete von den Vereinsvertretern zum Teil Applaus.

„Die Kritik hat nicht jedem geschmeckt“

Diese Kritik, so Dietrich knapp vier Wochen später, habe seinerzeit nicht jedem Verbandsmitglied geschmeckt. Die Aussagen Dietrichs seien zum Teil fehlerhaft und unwahr gewesen, betonte hingegen Diana Räder-Krause. Am Ende wurde die 50-Jährige mit drei Stimmen Mehrheit in den Vorsitz gewählt.

Eine Zusammenarbeit mit dem 23-Jährigen konnte sich die neu gewählte Fußballchefin seinerzeit gut vorstellen – auch trotz der Kritik. Im Anschluss an ihre Wahl kündigte Diana Räder-Krause an, ihrem engagierten und fleißigen Mitbewerber eine Position im Vorstand anbieten zu wollen (der Nordkurier berichtete). „Jonas kommt aus einer jüngeren Generation und könnte auf jeden Fall frischen Wind in den Vorstand mitbringen“, sagte sie damals im Nordkurier-Interview. „Ich hoffe, er steht dafür bereit.“

Bei Zukunftsfrage streikt das Internet

Tatsächlich sollen die Gespräche zur Neuausrichtung kurze Zeit nach dem Verbandstag begonnen haben, wie Jonas Dietrich erzählte. Dies bestätigte auch die neue Vorsitzende. Gemeinsam, so Dietrich, hätte man an einem Konzept für die Zukunft gearbeitet und über verschiedene Projekte gesprochen. Unter anderem soll es um die Verbesserung des öffentlichen Auftritts des Verbandes gegangen sein. Was war also passiert?

Der Knackpunkt liegt dem Vernehmen nach bei der jüngsten Vorstandssitzung, bei der Dietrich sein erarbeitetes Zukunftskonzept vorstellen sollte, allerdings recht kurzfristig wieder ausgeladen wurde, wie der 23-Jährige gegenüber dem Nordkurier schilderte. „Ich war zu dem Zeitpunkt leider auf Dienstreise und hatte daher angeboten, mich übers Telefon zuzuschalten. Das wurde zunächst auch so akzeptiert“, erinnerte sich Dietrich, der beruflich in der Verwaltung des Landkreises Vorpommern-Rügen tätig ist. Als ihn nur wenige Minuten vor Beginn der Sitzung die Ausladung erreichte, sei er sehr überrascht gewesen, wie er erzählte. Eine Begründung, so Dietrich, habe es nicht wirklich gegeben.

Dies sieht Fußballchefin Räder-Krause anders. Ihr zufolge sah man sich aufgrund der instabilen Internetverbindung in Neetzow, wo die Mitglieder des Präsidiums tagten, kurzfristig dazu gezwungen, von einer Videoschalte abzusehen, wie sie dem Nordkurier auf Nachfrage erklärte. Den 23-jährigen Anwärter hätte man daher am Folgetag dazu eingeladen, sein Konzept und vor allem seine Kritik am Verband bei der nächsten Sitzung im November näher zu erläutern.

„Angefühlt wie Vorladung zum Straftribunal“

Dietrich selbst sagte, er halte die schlechte Internetverbindung jedoch nur für ein vorgeschobenes Argument. Er vermutete einen gezielten Affront gegen seine Person. „Man wollte mich nicht mit dabeihaben“, war er sich sicher und erklärte: „Alternativ bestand immer die Möglichkeit, ein normales Telefonat zu führen.“ Dies sei jedoch vom Vorstand abgelehnt und ein Anrufversuch ignoriert worden.

Es sind Vorwürfe, die Diana Räder-Krause entschieden zurückweist. Allein die Tatsache, dass man den 23-Jährigen zur nächsten Sitzung eingeladen habe, spreche dagegen. Als Dietrich dem Nordkurier von dieser Einladung erzählte, benutzte er stattdessen die Wörter „Vorladung“ und „Straftribunal“. So habe sich das Angebot für ihn angefühlt. „Ich sollte mich für meine Meinung rechtfertigen. Man hätte dann abwägen wollen, ob man überhaupt menschlich mit mir zusammenarbeiten könne“ – ein „Unding“. Er sei nicht damit einverstanden, sich für seine Kritik am Verbandstag rechtfertigen zu müssen. „In einem demokratischen Prozess sollte man auch seine Meinung äußern können“, betonte er.

Dietrich fordert Altersgrenze im Vorstand

Der 23-Jährige sagte, er halte es für tragisch, dass es bei wichtigen Zukunftsfragen, die den Fußball in Vorpommern-Greifswald beträfen, vordergründig um persönliche Befindlichkeiten gehe. „Also habe ich der Vorsitzenden meinen Rücktritt von allen Ämtern mit sofortiger Wirkung mitgeteilt. Ich sehe für mich keine Möglichkeit mehr, mit diesem Vorstand zusammenzuarbeiten“, sagte Dietrich, schränkte aber ein: „Es sei denn, es gibt eine öffentliche Entschuldigung an meine Person, und es wird ein Alterslimit von maximal 55 Lebensjahren für die Arbeit im Vorstand festgelegt. Dann wäre ich bereit, mich wieder zu engagieren.“

Die Forderung einer solchen Altersgrenze hielt Vorpommerns Fußballchefin Diana Räder-Krause für fragwürdig, zumal ihr zufolge lediglich zwei der aktuell sieben Vorstandsmitglieder das verlangte Lebensjahr bereits überschritten hätten. Konkret handelt es sich dabei um den Vize-Vorsitzenden Manfred Lübke und Roland Bindemann, der für den Nachwuchsfußball verantwortlich ist.

Für Räder-Krause, selbst 50 Jahre alt, sei der Rücktritt Dietrichs überraschend gekommen, wie sie dem Nordkurier erklärte. Man habe sich darauf gefreut, die Zukunft gemeinsam mit Jonas Dietrich zu gestalten. Die Vorwürfe, so sagte sie, halte sie für merkwürdig und teilweise absurd. Sie wiederholte: „Wir beim Fußballverband sind jederzeit für Kritik offen. Wie gesagt, sonst hätten wir Jonas ja nicht zur nächsten Sitzung eingeladen.“ Nun müsse man sich nach einer geeigneten Alternative umsehen.

Gespräche mit einigen potenziellen Kandidaten

Für Jonas Dietrich endet die dreijährige Laufbahn als Staffelleiter. Fußballfreunden der Region dürfte er unter anderem als Moderator und Initiator der Live-Übertragung der Kreispokal-Auslosung in Erinnerung bleiben. „Der Rücktritt ist mir schwergefallen“, erzählte der junge Mann aus Alt Tellin wenige Tage nach seinem Entschluss. Der Schritt habe sich „nicht gut angefühlt, nachdem ich mich drei Jahre lang für den Verband aufgeopfert habe.“

Spannend wird sein, wer die vakante Position im Vorstand übernehmen wird. Wie Diana Räder-Krause mitteilte, wurden inzwischen Gespräche mit „zwei, drei jungen Kandidaten“ geführt, die für den Posten infrage kämen. Mit einer Neubesetzung der Stelle rechnet Diana Räder-Krause noch in diesem Jahr. Dies wäre auch im Sinne von Jonas Dietrich, der sagte: „Für mich ging es immer mehr um die Idee als um die Person dahinter. Ich hoffe, das Konzept und die Inhalte werden losgelöst von meiner Person umgesetzt.“ Um persönliche Befindlichkeiten dürfe es in derart wichtigen Fragen nicht gehen. „Dafür ist die Zukunft des Fußballs zu wichtig.“

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