Im Klinikum Schwedt
Anklamer soll Hochschwangere geschlagen haben

Zu dem Gewaltausbruch soll es im Kreißsaal gekommen sein.
Zu dem Gewaltausbruch soll es im Kreißsaal gekommen sein.
Jens Kalaene

Ein neuer Ausbruch von Gewalt erschüttert die Region. Wieder sind Kinder betroffen, in diesem Fall sogar ein Ungeborenes. Die Spur des Täters führt ins Anklamer Umland.

Schwere Vorwürfe gegen einen 46-jährigen Mann aus der Nähe von Anklam: Bei seiner hochschwangeren Lebensgefährtin war alles für die Entbindung bereit, als er wieder gewalttätig geworden sein soll. Wohl nicht zum ersten Mal. Eine traurige Eskalation der Gewalt gab es dann aber in der Geburtsstation im Klinikum Schwedt, wo das Baby auf die Welt kommen sollte. Der Mann bedrängte zunächst eine Pflegeschülerin. Später hat der Mann laut Polizeibericht um sich geschlagen und dabei auch eine Kinderärztin und eine Schwester angegriffen. Eine Mitarbeiterin des Krankenhauses schloss sich daraufhin ein, alarmierte den Wachschutz und die Polizei.

Auch die Wachschützer wurden von dem Mann attackiert, vor den eintreffenden Polizisten floh er dann. Später stellte er sich allerdings auf einem Revier. Bei der Überprüfung der Personalien stellte sich dann heraus, dass gegen den Mann bereits ein Haftbefehl ausgestellt war. Die Beamten setzten den Mann darauf fest.

Versäumnisse der Behörden?

Der ganze Vorfall ereignete sich nur sechs Tage nach dem Tod der kleinen Leonie in Torgelow. Das Mädchen war von seinem Stiefvater nach Überzeugung der Ermittler so schwer misshandelt worden, dass es an den Folgen starb. Der Stiefvater soll ihr beim Sterben sogar zugesehen haben, der Vorwurf, den der Stiefvater bestreitet, lautet auf „Mord durch Unterlassung”. Auch gegen Leonies Mutter wird wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt.

Der Fall Leonie hatte viele Fragen nach möglichen Versäumnissen der beteiligten Behörden aufgeworfen. Und er hatte die ganze Region zutiefst erschüttert. Diese Sensibilisierung für Gewalt im Zusammenhang mit Kindern führte dann auch dazu, dass der Fall in Schwedt nicht so einfach bei den Akten landete. Denn auch bei dem 46-jährigen aus dem Anklamer Umland gibt es eine Vorgeschichte. Und die Frage danach, was die Behörden wussten, die gleichen Behörden wie im Fall Leonie.

Anklamer ist polizeibekannt

Denn der 46-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt. Er soll schon im Anklamer Bereich als Schläger in Erscheinung getreten sein, sogar seine schon hochschwangere Lebensgefährtin geschlagen haben. Wegen häuslicher Gewalt gibt es demnach auch eine entsprechende Akte bei der Polizei. Die gibt sich zwar zugeknöpft, will zu dem Fall in Schwedt und der Vorgeschichte im Bereich der Polizeiinspektion Anklam keine Stellung beziehen. Aber aus dem Umfeld der Familie wird bestätigt, dass es entsprechende Vorgänge gab.

Und da ist ja noch der Haftbefehl. Nach Informationen des Nordkuriers soll er von der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg ausgestellt worden sein, sich also auf die Anklamer Zeit beziehen. Und in der Tat kann Beatrix Heuer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg,bestätigen, dass gegen den Mann ein Vollstreckungshaftbefehl vorliegt. Warum der Haftbefehl konkret ausgestellt worden ist, ließ sich allerdings nicht klären.

Der Mann zog mit seiner Familie jedenfalls kurz vor dem Geburtstermin in die Uckermark um, womöglich, um sich den Landkreisbehörden und dem Haftbefehl zu entziehen.