Zahllose Urlauber reisten zu Silvester auf der Insel Usedom an. Das zeigte sich wie hier auf der B111 in kilometerlangen Staus
Zahllose Urlauber reisten zu Silvester auf der Insel Usedom an. Das zeigte sich wie hier auf der B111 in kilometerlangen Staus. Besonders schlimm war es zur Abreise am 2. Januar. Tilo Wallrodt
Tourismus in MV

Auf Heimreise drei Stunden im Inselstau von Usedom

Nach den Feiertagen ging auf Usedom zeitweise nichts mehr. Einen Urlauber aus Leipzig haben die Stau-Stunden auf Ideen gebracht, wie das Problem zu lösen wäre.
Usedom

So hätte sich Ulrich Pelzl seine Heimreise von einem schönen Silvesterurlaub nicht vorgestellt. „Von Bansin bis zur Stadt Usedom haben wir im Dauerstau gestanden“, berichtet der Leipziger dem Nordkurier. Die Fahrt auf dieser rund 20 Kilometer langen Strecke habe am 2. Januar ab 11.30 Uhr gut drei Stunden gedauert – statt etwa 20 Minuten bei freier Strecke. „Vielleicht hätten wir schon nachts um 5 Uhr los fahren sollen. Als wir von der Insel dann runter waren, rollte der Rückreiseverkehr erstaunlich ruhig.“

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Kaum eine Chance, auf die Bundesstraße aufzufahren

Besonders die B 110 hat sich nach seiner Beobachtung als Nadelöhr erwiesen – wieder einmal. „Es gab keine Baustelle unterwegs, nur frustrierte Urlauber auf Rückreise“, berichtet er. Von den Zufahrten aus sei es kaum möglich gewesen, auf die Bundesstraße aufzufahren. Pelzl spricht von Chaos beim Einfädeln. Dazu seien die Ampeln in der Stadt Usedom gekommen, die für den Fernverkehr zu lange Rotphasen gezeigt hätten, obwohl aus dem Ort kaum Autos gekommen seien.

„Touristen nicht nur abkassieren”

Dabei war bis zur Abreise sein Urlaub ungetrübt: „Hotel, Personal, die Silvesterfeier, die Gaststätten in Bansin – alles hervorragend und wir können uns nur bedanken.“ Allerdings stellt er sich schon die Frage, ob es sich angesichts der Verkehrsverhältnisse lohne, für einen unbeschwerten Jahreswechsel nach Usedom zu fahren.

„Usedom kann nicht nur von den Touristen abkassieren, sondern muss die Infrastruktur verbessern“, fordert Pelzl als Gast, der gern in den Nordosten fährt. Sein Vorschlag sind keinen neuen Straßen, sondern eine intelligente Verkehrssteuerung. „Einfädeln ohne Ampeln dauert nun mal länger“, meint er. Vorhandene Ampeln wiederum müssten nach Bedarf geschaltet werden.

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald räumt ein, dass insbesondere zu den Spitzenzeiten die Straßen auf die Insel völlig überlastet seien. Dies gelte besonders für die Bundesstraßen B110 und B111. Entlastung bringe insbesondere für die Stadt Wolgast der Bau der Ortsumgehung. Erste Arbeiten für die neue Straße hatten im vergangenen Jahr begonnen. Die Bauzeit wird mit mindestens vier Jahren angegeben.

Straßennetz auf der Insel ist schwer zu erweitern

Auf der Insel selbst seien mehrere Kreisverkehre geplant, so ein Sprecher der Kreisverwaltung. „Die örtlichen Gegebenheiten sind so, dass es kaum Möglichkeiten gibt, das bestehende Straßennetz zur erweitern und leistungsfähiger zu machen“, betont er.

Das Verkehrsministerium in Schwerin räumt in den touristischen Spitzenzeiten hohe bis sehr hohe Verkehrsbelastungen auf der Insel ein. Dieser Effekt werde durch die oft einheitlichen An- und Abreisetage verstärkt, sagte eine Sprecherin. In den kommenden Jahren müsse der Verkehr verstärkt auf die Schiene gelenkt werden, etwa durch eine einheitliche Gästekarte, mit der die Nahverkehrsangebote genutzt werden könnten. Zudem sei im Straßennetz der Ausbau von mehreren Knotenpunkten vorgesehen.

Millionenprojekt für bessere Bahnanbindung

Die IHK Neubrandenburg, die unter anderem Hotels, Gaststätten und Anbieter von Urlaubsaktivitäten auf der Insel vertritt, setzt sich für eine bessere Erreichbarkeit von Usedom ein. „Das steht ganz vorn. Da ist noch viel Luft nach oben“, schätzt Ralf Pfoth, IHK-Vizehauptgeschäftsführer, ein. Zwar ließe sich der Verkehr stellenweise flüssiger machen. Angesichts fehlendes Platzes sei der Bau von mehrspurigen Schnellstraßen, wie etwa auf Rügen, aber kein Thema. „Es muss einfach mehr über die Schiene und mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln passieren“, betont er.

Ein wichtiger Schritt könne der Wiederaufbau der Karniner Brücke sein, so Pfoth. Damit wäre eine deutlich schnellere Bahnanbindung der Insel möglich als über den Umweg Züssow/Wolgast. Pfoth spricht sich auch für ein einheitliches Inselticket aus, mit dem Einheimische wie Gäste alle Verkehrsmittel nutzen könnten. „Und das auch zu Zeiten, in denen die Mitarbeiter von Hotels und Gaststätten unterwegs sein müssen.“

„Zeichen, dass Kapazität der Insel begrenzt ist“

Eine bessere Bahnanbindung würde auch aus Sicht von Heiko Miraß, Staatssekretär für den MV-Osten, für Entlastung sorgen können. „Das kann aber nur ein Baustein sein“, betont er. Entscheidend sei ein gutes übergreifendes Verkehrskonzept, das den öffentlichen Nahverkehr einbinde. Die Staus auf Usedom seien auch ein Zeichen dafür, dass die Kapazitäten der Insel begrenzt seien. Miraß verweist deshalb auch auf den Koalitionsvertrag, in dem „nachhaltiger Qualitätstourismus“als Ziel definiert werde.

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