Notarzt

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SPD kritisiert langes Warten auf Rettungswagen

Im Schnitt sollen die Retter jedes Ziel binnen zehn Minuten erreichen. Doch in einigen Regionen des Landkreises brauchen sie deutlich länger.
Im Schnitt sollen die Retter jedes Ziel binnen zehn Minuten erreichen. Doch in einigen Regionen des Landkreises brauchen sie deutlich länger.
Stefan Sauer

Zehn Minuten sollte es maximal dauern, bis ein Krankenwagen bei einem Notruf vor Ort ist. Die Realität sieht leider oft anders aus. Die SPD will nun mit einem Antrag Abhilfe schaffen.

„Der Rettungswagen benötigt für die Strecke zwischen Anklam und Klotzow im Mittel 20 Minuten, das Notarzteinsatzfahrzeug rund 22 Minuten, der Rettungshubschrauber 17 Minuten.“ So beantwortet Landrätin Dr. Barbara Syrbe (die Linke) eine Kleine Anfrage zum Zustand des Rettungsdienstes im Lassaner Winkel.

Die Anfrage kam von Dr. Günther Jikeli, SPD-Fraktionsmitglied im Kreistag. Dem Nordkurier gegenüber drückt er seine Sorge aus. „Die Hilfsfristen für den Rettungsdienst im Land liegen bei zehn Minuten. Es kann nicht sein, dass es Regionen im Kreis gibt, in denen diese Zeiten um mehr als das Doppelte überschritten werden,“ empört sich Jikeli. Ihm selbst ist mindestens ein Fall bekannt, in dem der Rettungswagen über 45 Minuten gebraucht hat. „Der Zustand der Straßen ist ein Teil des Problems. Wie Frau Syrbe dargelegt hat, würden sanierte Straßen nur wenige Minuten Verbesserung ausmachen,“ erklärt Dr. Jikeli einen der Gründe für die langen Rettungszeiten. Trotzdem vergingen wertvolle Sekunden, die im Zweifel über Leben und Tod entscheiden könnten. Deswegen sollen die Rettungskräfte näher an die Bevölkerung gebracht werden.

Gespräche mit Krankenkassen zur Finanzierung

In einem Antrag, der am Montag im Kreistag verhandelt werden soll, wird die Landrätin gebeten, eine schnelle Lösung für das Problem zu finden. Die Verwaltung ist sich des Problems durchaus bewusst. Sozialdezernent Dirk Scheer war im Vorfeld der Kreistagssitzung bereits auf einer Sondersitzung des Eigenbetriebsausschusses für den Rettungsdienst, der sich zu dem Thema intensiv beraten hat. „Wir wissen um die teils prekäre Situation und haben einen Vorschlag gebracht, der temporär funktionieren kann, nicht nur im Lassaner Winkel, sondern auch an anderen Punkten im Kreis, die nicht ideal versorgt sind.“

So sollen zunächst zügig Gespräche mit den Krankenkassen zur Finanzierung geführt werden. „Im Idealfall stellen wir zunächst einen zusätzlichen Rettungswagen zur Verfügung, der dann in dem entsprechenden Bereich arbeitet“, erklärt Scheer eine mögliche und schnelle Lösung. Murchin wäre für ihn ein denkbarer Standort.

Gutachten lässt auf sich warten

Bevor eine feste Rettungswache im Lassaner Winkel gebaut werden kann, muss der Kreis aber auf ein Gutachten des Landes warten, das die Situation der Rettungsdienste und die entsprechenden Rettungszeiten aufarbeitet. Es wird jedoch frühstens im vierten Quartal 2019 fertig, zurzeit läuft noch die Ausschreibung für einen Gutachter. „Wenn wir jetzt anfangen, den Bau einer Rettungswache zu planen und das Gutachten des Landes zu dem Schluss kommt, dass die Rettungszeiten in einem vertretbaren Rahmen liegen, bleibt der Kreis auf den kompletten Kosten sitzt,“ umreißt Scheer das Problem.

„So lange können wir auf keinen Fall warten. Wir haben das Problem jetzt und wir müssen jetzt handeln“, unterstreicht dagegen SPD-Mann Jikeli. Er erkennt jedoch die Bemühungen der Kreisverwaltung an und will den zwischenzeitlichen Lösungsvorschlag unterstützen.

Die Sitzung des Kreistages beginnt am Montag um 16 Uhr in der Pasewalker Kürassier Kaserne.