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24-Jähriger soll künftig den alternden Osten MVs vertreten

Philipp Amthor war bislang im Hauptberuf Doktorand an der Uni Greifswald - jetzt wechselt der 24-Jährige als jüngster CDU-Abgeordneter nach Berlin.
Philipp Amthor war bislang im Hauptberuf Doktorand an der Uni Greifswald – jetzt wechselt der 24-Jährige als jüngster CDU-Abgeordneter nach Berlin.
Jörg Foetzke / Archiv

Philipp Amthor ist der jüngste Abgeordnete der neuen CDU-Fraktion und zieht für eine Region in den Bundestag, die für Abwanderung und Überalterung steht. Wie hat er das geschafft?

Nein, mit sorglosem Herzen ist am Sonntagabend wohl kaum jemand nach Stolpe an der Peene gefahren, wo Philipp Amthor seinen Wahlsieg feiern wollte – am entspanntesten waren dort vermutlich noch die Kellner. Bei der CDU, für die Amthor ins Rennen im Wahlkreis 17 (Vorpommern-Greifswald, östliches Mecklenburg) ging, fürchteten viele, sie würden den östlichsten Wahlkreis des Landes in diesem Jahr an die AfD verlieren.

Immerhin hatte die Partei ja 2016 bei der Landtagswahl drei „blaue” Direktmandate in Südvorpommern geholt – sie liegen alle auf dem Gebiet von Amthors Wahlkreis. Den man jetzt tatsächlich so nennen darf: Denn Amthor, der 24-Jährige, der noch nie ein politisches Amt innehatte, gewann aus dem Stand mit 31,2 Prozent der Stimmen. Überraschend deutlich, wie auch er selbst fand.

Amthor sieht nicht aus wie ein Junge vom Land

Zumal Amthor mit seinem Habitus eher in das urbane Berliner Großstadtmilieu passt als aufs Land: Er ist trotz seiner jungen Jahre bereits fertiger Jurist mit Prädikats-Abschluss, stets genau so gekleidet und zu allem Überfluss gerade noch mit seiner Doktorarbeit beschäftigt. Die schreibt er an der Uni Greifswald über das verfassungsrechtliche Thema: „Staatswohl und Staatsgeheimnisse zwischen Regierung und Parlament“.

Dennoch hat der gebürtige Torgelower, der Menschen mit auffallend freundlichem und aufmerksamem Ton begegnet gewonnen. „Ich bin heilfroh über das Ergebnis. Es war ein harter und intensiver Wahlkampf“, sagt er am Tag danach. Schon am Abend hatte er seinen jubelnden Parteifreunden erklärt: „Vorpommern ist schwarz, nicht blau!” Um kurz darauf staatstragend hinterherzuchieben: „Ich habe heute Abend vor allem eine Botschaft. Wahlkampf lohnt sich!” Er glaube, dass er den Wahlkreis vor allem durch seinen Vor-Ort-Einsatz an zahlreichen Haustüren und auf zahlreichen Martkplatzen gewonnen habe: „So erkläre ich mir auch, dass der Unterschied zur AfD am Ende doch so deutlich war.” Der AfD-Direktkandidat Enrico Komning erreichte zwar Platz 2, aber nur mit 23,5 Prozent der Stimmen.

In der CDU haben eigentlich nur Alte eine Chance

Auch die Partei hat schon lange vor dem Wahlabend erkannt, wie groß Amthors politisches Talent ist. Als blitzgescheit gilt er und dennoch nicht als abgehoben. auch für die Partei war seine Kandidatur ein Wagnis: In einer Partei, in der lange Alter und Dauer der Mitgliedschaft als Qualifikationsmerkmal für politische Ämter standen, hat sich der Mut den Youngster zu nominieren, ausgezahlt.

Amthor trat mit 16 Jahren in die CDU ein, wurde Vorsitzender der Jungen Union im Kreisverband – Altersgenossen mögen den Typen mit der „Nerdbrille“ als uncool angesehen haben. Doch Amthor ließ sich nicht beirren. Er plakatierte seine Handynummer auf die Wahlplakate und machte nie einen Hehl daraus, dass der Osten des Landes sich abgehängt fühlt – auch wegen misslungener CDU-Politik: „Wir haben Probleme in der Region: die innere Sicherheit an der Grenze zu Polen, die fehlende Breitbandanbindung, die ausgedünnte Infrastruktur.“ Wichtig sei ihm, den Bürgern deutlich zu machen, dass es dafür keine Zwei-Minuten-Lösungen gebe, wie es die AfD suggeriere. „Man muss die Probleme kleinteilig lösen.“

„Vom Kreißsaal in den Hörsaal”

Konkurrenten anderer Parteien haben Amthor als politisch unerfahren diffamiert. „Vom Kreißsaal in den Hörsaal“, ätzte AfD-Herausforderer Enrico Komning vor der Wahl. Amthor sei ein „Bauernopfer”. Sein jugendliches Alter ist für seine Wähler offenbar kein Problem gewesen, eher ein Zeichen der Hoffnung. Viele Ältere hätten in ihm ihre Kinder und Enkel gesehen, die Vorpommern auf der Suche nach besseren Arbeitsplätzen verließen, mutmaßt der Gewinner selbst.