INDUSTRIEKLETTERER IN DER KIRCHE

▶ Abgeseilt zu Lilienthals Gleitern (Video)

Für die Bauuntersuchungen in der Anklamer Nikolaikirche müssen die weit oben schwebenden Gleiter abgebaut werden. Dafür sind Kletterexperten aus Berlin nach Anklam gereist.
Anne-Marie Maaß Anne-Marie Maaß
Otto Lilienthal ist gestern bereits sicher auf dem Kirchenboden gelandet.
Otto Lilienthal ist gestern bereits sicher auf dem Kirchenboden gelandet. Anne-Marie Maaß
Kleiner Mensch unter großen Gleitern: Dieser Arbeitsort ist nichts für Leute mit Höhenangst.
Kleiner Mensch unter großen Gleitern: Dieser Arbeitsort ist nichts für Leute mit Höhenangst. Anne-Marie Maaß
Industriekletterer bauten die Gleiter in der Anklamer Nikolaikirche ab.
Industriekletterer bauten die Gleiter in der Anklamer Nikolaikirche ab. Anne-Marie Maaß
Anklam.

In über 25 Metern Höhe hängen die Gleiter in der Dachkonstruktion der Anklamer Nikolaikirche. 2012 wurden sie dort positioniert, nun müssen sie jedoch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn die Kirche soll noch einmal von Grund auf vermessen werden, dabei stören die Gleiter, erklärt Fördervereinschef Peer Wittig. Auch Lilienthal in seinem Flieger-Nachbau musste gestern deshalb zur Landung ansetzen. Ebenso wie die rund 40 Kilogramm schwere Kogge und die beiden Ikarus-Figuren. Ein gar nicht so leichtes Unterfangen.

Vom Windrad in die Kirche

Für den Abbau haben sich die Anklamer deshalb Experten zur Seite geholt. Die Industriekletterer der Zehdenicker Firma „Vertec Soulution“ sind sonst allerdings hauptsächlich auf Windrädern unterwegs oder helfen beim Auf- und Abbau von Kunstinstallationen. Das Klettern und Abseilen in einer Kirche ist für die drei Profis dagegen auch komplett neues Terrain und ein deutlicher Unterschied zu ihrer sonstigen Arbeit. Das Bewegen in einem Raum hoch oben auf alten Mauern und in der Stahlkonstruktion, die das Dach trägt, sei etwas ganz Anderes, als etwa das Abseilen an einem Windradflügel, erklärten sie.

Deshalb stand am Donnerstagvormittag auch erst einmal die Sicherheit im Vordergrund, um Mensch und Ausstellungsstücke sicher abseilen zu können. Um einen zweiten Arbeitstag im Kirchenschiff kamen die Kletterer nicht herum. Die Gleiter und Ausstellungsstücke wurden unten angekommen erst einmal vom Staub der vergangenen Jahre befreit und werden nun sicher eingelagert.

Peer Wittig verfolgte die Arbeiten in der Höhe gestern vom sicheren Boden aus mit dem Kopf im Nacken. Und durchaus mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie er sagte. Zum Einen mache es ihn schon ein bisschen traurig, die Kirche nun wieder auszuräumen. Zum Anderen gehe es damit aber eben auch in Sachen Baufortschritt voran, so Wittig. Neben den Vermessungsarbeiten und einer genauen Schadenskartierungen des Gebäudes sollen auch noch Untersuchungen im Fußboden zum Fundament der Kirche stattfinden.

Ab nächsten Herbst geschlossen

Das wird aber wohl erst im Frühjahr kommenden Jahres geschehen. Zum Anklamer Adventsmarkt im Dezember soll die Nikolaikirche jedenfalls noch den Besuchern offen stehen. Und auch im kommenden Jahr will der Förderverein mit einer abgespeckten Ausstellung die Kirche über die Sommermonate öffnen. Geht es bis dahin mit den Fördermitteln weiter voran, wird die Nikolaikirche ab dem Herbst 2020 dann allerdings erst mal für Gäste verschlossen bleiben, so die Prognose.

Bevor es soweit ist, stehen aber auch in diesem Jahr erst einmal wieder die „Montgolfier-Days“ vor der Tür. Am 21. und 22. November gibt es rund um die erste bemannte Fahrt mit einem Heißluftballon vor 236 Jahren in der Nikolaikirche allerhand zu erleben. Dazu werden die Anklamer sogar Gäste aus Luxemburg, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen erwarten. Die Modellballonfahrer haben natürlich auch ihre Fluggeräte im Gepäck. Wenn das Wetter passt, werden die ungewöhnlichen Flugobjekte – Eulen, Seepferdchen und Co. – vielleicht sogar vom Anklamer Marktplatz aus in den Himmel steigen können, kündigt Peer Wittig an. Kuscheltiere als potenzielle Fluggäste seien aus den heimischen Kinderzimmern dabei gerne mitzubringen.

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