Die drei Schülerinnen des 12. Jahrgangs, Paula Kossorz (links), Elena Schulz (Mitte) und Nele Knapek berichten,
Die drei Schülerinnen des 12. Jahrgangs, Paula Kossorz (links), Elena Schulz (Mitte) und Nele Knapek berichten, wie Corona ihre Schulzeit beeinflusst. Johanna Duffe
Alle übrig gebliebenen Schüler und Schülerinnen des 12. Jahrgangs des Lilienthal- Gymnasiums in Anklam.
Alle übrig gebliebenen Schüler und Schülerinnen des 12. Jahrgangs des Lilienthal- Gymnasiums in Anklam. Marius Denda
Die Maske als ständiger Begleiter der Schüler und Schülerinnen im Unterricht.
Die Maske als ständiger Begleiter der Schüler und Schülerinnen im Unterricht. Johanna Duffe
Schülerinnen berichten

Abitur unter Corona schaffen – und dazu den Abiball retten

Drei Abiturientinnen vom Anklamer Lilienthal-Gymnasium berichten über ihre Erlebnisse, Zukunftspläne und darüber, wie sie den Abiball für ihren Jahrgang retten wollen.
Anklam

Corona war das bestimmende Thema für die 12. Klassen, für die nun mit dem Ende des Schulhalbjahres das letzte Semester in der Oberstufe beginnt. Die Oberstufe gilt als das finale Kapitel der Schullaufbahn. Die Noten sind nicht länger nur Zahlen auf Papier, sondern bestimmen mit den Abiturprüfungen, wie es nach der Schule für jeden weiter gehen kann. Der Druck fängt an zu steigen, aber ebenso die Freude über die bevorstehende gemeinsame Zeit.

Zwölftklässlerinnen berichten

Aber seit der Pandemie ist das alles nur noch begrenzt möglich. Ihren Weg zum Abitur haben sich die Schüler und Schülerinnen des 12. Jahrgangs des Lilienthal-Gymnasiums in Anklam nämlich sehr anders vorgestellt. Aber wie schon bei den beiden Jahrgängen zuvor machte die Corona-Pandemie ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Ihre Schulzeit wurde durch das Corona-Virus schon sehr früh stark beeinflusst und wirkte sich dementsprechend chaotisch auf ihre Oberstufenzeit aus, wie die drei Zwölftklässlerinnen Elena Schulz, Nele Knapek und Paula Kossorz berichten: In ihren letzten Monaten der 10. Klasse hieß es im März 2020 plötzlich „Homeschooling“– ein neues Wort, was sich für die meisten zuerst entspannt anhörte.

Die drei Schülerinnen des 12. Jahrgangs, Paula Kossorz (links), Elena Schulz (Mitte) und Nele Knapek (rechts) berichten,

Doch stellten sie schnell fest, dass es ihr Schul- und Sozialleben sehr beeinträchtigten würde. „Es wurde sehr schwierig und kompliziert. Man musste sich vieles selbst erarbeiten“, erklärt Elena. Manche Lehrer waren überfordert mit der technischen Umstellung und zusätzlich wurde nach und nach klar, dass der Unterricht über den Bildschirm den Richtigen nicht ersetzen kann, so die drei Mädchen.

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Es fehlte der Austausch und das Gefühl der Anwesenheit und vor allem wie Paula ergänzt: „Mir fehlte später einfach die Motivation.“ So kam es manchmal, dass viele Schüler, darunter auch sie, nur noch die Vorlesung auf ihrem Laptop laufen ließen und sogar dabei einschliefen. Der Spaß am Lernen ging verloren.

Kurz vor den Sommerferien ging es dann wenigstens klassenweise in den Wechselunterricht, wodurch sie ein- bis zweimal in der Woche wieder vor Ort in die Schule kommen konnte. Der Start in die 11. Klasse konnte dann nach den Ferien wieder normaler fortgesetzt werden. Masken und regelmäßige Tests wurden jedoch bald ständiger Begleiter des Schulalltages.

Wenige Monate später wurden sie über Halloween das erste Mal für zwei Wochen aufgrund positiver Corona-Fälle in die Quarantäne geschickt. Das wiederholte sich im Dezember erneut, wobei die Quarantäne vom landesweiten Homeschooling bis Mitte März 2021 abgelöst wurde und somit die Motivation bei vielen mehr und mehr sank. Danach folgte erneuter Wechselunterricht und als sie die 12. Klasse antraten, kam es zu einer weiteren Quarantäne im Oktober und später wieder zum Online-Unterricht vor den Weihnachtsferien.

Die Maske als ständiger Begleiter der Schüler und Schülerinnen im Unterricht.

Unterrichtszeit geht für regelmäßige Corona-Tests drauf

Seit 2022 befindet sich der Jahrgang wieder in der Schule und ist momentan damit beschäftigt seine Vorprüfungen, die auf die tatsächlichen Abiturprüfungen vorbereiten sollen, zu absolvieren. Dabei gelten aber immer noch viele Coronamaßnahmen. Nele erklärt ein Problem: „Drei Mal die Woche gehen 15 Minuten Unterrichtszeit für Tests flöten.“ Hinzu fügen ihre zwei Freundinnen, dass jede Klasse nur auf einer Etage bleiben darf und festgelegt ist, welche Tür sie als Eingang und Ausgang benutzen dürfen, egal wie umständlich der Weg zu anderen Orten dabei wird. Damit entfällt auch der Unterricht in den entsprechenden Fachräumen. Das bedeutet wiederum Chemie ohne Experimente und Musik ohne Instrumente, was viele der Schüler bedauern.

Unter solchen Bedingungen in der Oberstufenzeit ist es nicht verwunderlich, dass es den Schülern sehr zu schaffen macht. Der Jahrgang schrumpfte erheblich seit der 10. Klasse – von 83 Schülern auf die jetzige Zahl von 55. Viele von ihnen wagten dabei einen Neuanfang, wiederholten die Klasse und beschlossen letztendlich, sich auf einen guten 11. Klasse-Abschluss zu konzentrieren und nicht auf das Abi. Im Hinblick auf das Abitur gibt Nele zu: „Wir haben schon ein paar Lücken im Wissen. Uns fehlen die Grundlagen.“ Und Elena ergänzt: „Das alles bereitet einen nicht auf die 12. Klasse vor.” Paula meint, sie „habe das Gefühl, das Lernen verlernt zu haben“ und begründet dies in Verbindung auch mit ihrem Auslandsjahr in Amerika, welches sie aber auch aufgrund der Pandemie vorzeitig abbrechen musste. Danach folgte die lange Phase des Homeschooling, nach der ihr und vielen Mitschülern es durchweg schwerer fiel wieder „richtig“ zu lernen.

"Das hat mir meine Träume genommen"

„Ich konnte nicht das leisten, was ich leisten könnte. Das hat mir meine Träume genommen“, behauptet Elena. Denn da die Zensuren ab der 11. Klasse die spätere Abschlussnote mitprägen, mussten auch einige Zukunftsträume zerplatzen. Die 18-Jährige hatte großes Interesse daran, Zahnmedizin zu studieren, sieht sich aufgrund des hohen Numerus Clausus des Studiums aber vermutlich dazu gezwungen, sich auf ihren Plan B, dem Gymnasiallehramt, zu stützen.

Für Paula wird es wohl in eine ähnliche Richtung, nämlich dem Grundschullehramt weitergehen und Nele zieht es in die Richtung der Sonderpädagogik. Dennoch bedauern sie, dass sie kaum die Chance bekamen, sich überhaupt eine berufliche Zukunft auszumalen, da eines der Praktika und die Berufsorientierungen ausfallen mussten, so die Schülerinnen. Im Gegensatz zu den Dreien wüsste jedoch ein Großteil ihrer Mitschüler überhaupt noch nicht, was sie nach der Schule machen wollen.

Das ist aber noch längst nicht alles. Corona nahm dem 12. Jahrgang noch viele weitere Möglichkeiten. Ein großer Verlust, wie Nele es beschreibt, ist, dass der Jahrgang nicht richtig zusammenwachsen konnte. Sie waren größtenteils getrennt und gerade die Schüler, die in der 11. Klasse neu dazu kamen, bekamen nicht die Chance einander besser kennenzulernen. Es gab keine gemeinsamen Ausflüge, keinen Frühlingsball und keine gemeinsame Studienfahrt. Alle Highlights mussten gestrichen werden. Und egal wie sehr man versucht hat, das Beste aus der Situation zu machen: „Diese ganzen Tatsachen nehmen den Spaß an der Sache.“, sagt Nele und bedauert dabei die gemeinsame Zeit im Klassenverbund, auf die sie verzichten musste.

Alle übrig gebliebenen Schüler und Schülerinnen des 12. Jahrgangs des Lilienthal- Gymnasiums in Anklam.

Die letzte Hoffnung der 12. Klassen, noch einmal zusammen etwas Großes zu unternehmen, beruht nun auf dem Abiball. Paula findet: „Es ist die einzige Sache, die uns nicht weggenommen werden darf.“ Das sieht Nele genau so und fügt hinzu: „Es ist die letzte Möglichkeit für uns zusammenzuwachsen.“ Bis dahin muss aber noch viel passieren, denn so ein Abiball kostet jede Menge Geld. Die drei Mädchen schätzen die Kosten für die Halle, Verpflegung, Reinigung, Deko, Musik und allem drum und dran auf etwa 12.000 bis 15.000 Euro. Viel davon konnten sie bisher nicht einnehmen, wie sie erklärten. Normalerweise geschieht das durch Kuchenbasare in der Schule, den Kartenverkauf des Frühlingsballs, Weihnachtskonzerte im Altenheim und durch einen Stand mit Essen und Trinken auf dem Weihnachtsmarkt. Alles davon fiel aufgrund der Pandemie für sie ins Wasser.

Doch sie haben sich nach alternativen Einnahmequellen umgesehen, um das Geld trotzdem zusammenzubekommen. So verfassten sie Sponsorenbriefe und bekamen auch von der Stadt Anklam bereits finanzielle Unterstützung. Bis Ende Februar läuft zudem noch eine gemeinsame Kampagne mit dem Mode-Online-Shop About You. Beim sogenannten Crowdshopping kann man als Kunde mit der Eingabe eines bestimmten Rabattcodes zehn Prozent des eigenen Einkaufs einsparen. Die gleiche Summe bekommt wiederum der Abi-Jahrgang zusätzlich von dem Onlineanbieter für eigene Zwecke ausgezahlt.

Spenden online möglich

Da sie durch Corona nicht wirklich Gegenleistungen geben können, hält der Jahrgang das für eine gute Möglichkeit, den Spendenden etwas zurückgeben zu können. Außerdem eröffneten sie ein Spendenkonto beim Bezahldienst Paypal, auf das jeder Geld einzahlen kann. Ihre letzte Idee ist ein Spendenlauf, der am 7. April um 15 Uhr im Stadion stattfinden soll. Doch auch für diese Aktion werden momentan noch geeignete Sponsoren gesucht.

Wer also die Schülerinnen und Schüler bei einer ihre Aktionen unterstützen will, sei herzlich dazu eingeladen. Die Hoffnung ihre Schulzeit mit der traditionellen Mottowoche und einem Abiball zum krönenden Abschluss zu bringen, haben Nele, Paula und Elena nämlich noch nicht komplett begraben. Auch sie wollen irgendwann zufrieden mit den Ergebnissen und mit einem Lächeln an ihre Abizeit zurückdenken können.

Unterstützung für den Anklamer Abi-Jahrgang 2022:
Crowdshopping im Onlineshop www.aboutyou.de mit dem Rabattcode: CS-I5QBVV
Paypal Spendenkonto: www.paypal.com/paypalme/Abi2022LGA

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