MUTTER UND TÖCHTER

Abschiebung in Anklam - „Wir werden die Familie nicht vergessen!“

Die Abschiebung der Familie P., die zurück nach Georgien gebracht wurde, geht vielen unter die Haut. Mit der katholischen Gemeinde wurden erste Spenden auf den Weg gebracht.
Gottesdienstbeauftragte Brigitte Hohensee organisiert Hilfe für die aus Anklam abgeschobene Dali. P. und ihre beiden T&ou
Gottesdienstbeauftragte Brigitte Hohensee organisiert Hilfe für die aus Anklam abgeschobene Dali. P. und ihre beiden Töchter. Mareike Klinkenberg
Dali P. mit ihrer kleinen Tochter Elene in ihrer vorübergehenden Unterkunft in Tiflis.
Dali P. mit ihrer kleinen Tochter Elene in ihrer vorübergehenden Unterkunft in Tiflis. ZVG
Anklam ·

Eine Welle der Hilfsbereitschaft schlug Brigitte Hohensee entgegen, als sie in der katholischen Kirchgemeinde in Anklam vom Schicksal der Familie P. berichtete. Schon kurz nach der plötzlichen Abschiebung der jungen Mutter und ihren zwei Töchtern aus der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses in Ueckermünde wurden die Gemeindemitglieder von der Geschichte unterrichtet.

Kollekte für die Familie

Schließlich waren Mutter Dali P. und ihre Töchter Gvantsa und Elene während ihrer Zeit in Anklam auch ein fester Teil dieser Gemeinde. Nicht selten wirbelte die kleine Elene ungestüm durch die Messe und war so Pfarrern wie Besuchern wohlbekannt. „Die ersten Spenden sind auch schon bei der Familie angekommen“, berichtet Gottesdienstbeauftragte Brigitte Hohensee weiter. Bei einer Türkollekte waren bereits einige hundert Euro zusammengekommen, weitere Spenden sammelte die engagierte Kirchenfrau in ihrem großen Netzwerk bestehend Freunden und Wegbegleitern.

Doch damit nicht genug, Brigitte Hohensee will sich weiter kümmern, sammeln und organisieren. So geht es neben Geldspenden, um Kleidung für den Winter und Alltagsgegenstände, die hoffentlich zum Ende des Jahres als Teil eines größeren Hilfstransportes auch nach Georgien gehen sollen und dort direkt bei den Abgewiesenen in Tiflis abgegeben werden sollen. Brigitte Hohensee gibt die Hoffnung nicht auf, doch noch eine Lösung für Dali P. und ihre Töchter zu finden und will in den nächsten Tagen Kontakt zu verschiedenen Politikern und Organisationen aufnehmen, die ihr dabei vielleicht helfen können.

Sorgen, Angst, Sehnsucht

Währenddessen ist Dali P. weiterhin voller Sorgen. Mit den ersten Spenden aus Anklam hat sie Lebensmittel für ihre Kinder gekauft. Für sie sind eine Rückkehr nach Deutschland immer noch ihr größter Wunsch und der einzige Ausweg, aus der Angst und den Umständen, die sie in der alten Heimat nun wieder umgeben. Sie sehnt sich zurück nach Anklam, nach ihrer Arbeit und den Kollegen. Die Kinder vermissen ihre Freunde aus dem Kindergarten und aus der Schule, schreibt sie per Handynachricht.

Auch Brigitte Hohensee hält den Kontakt nach Georgien. Selbst wenn es keine schnelle Lösung geben wird, will die 67-Jährige weiterhin für die kleine Familie da sein. Nach einer Einreisesperre von zwei bis drei Jahren könnte Dali P. erneut versuchen, in Deutschland Fuß zu fassen. „Wir werden die Familie nicht vergessen“, verspricht sie.

Alle Geld- und Sachspenden sowie sonstige Hilfsangebote oder mögliche rechtliche Unterstützung koordiniert Brigitte Hohensee unter Telefon 0160 98524102.

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Kommentare (3)

Die Dame kann doch eine Bürgschaft unterschreiben, und die Frau und die Kinder dann mittels Einladung ins Land holen. Alles kein Problem, nur muss Sie dann für die Kosten aufkommen und nicht die Anderen (wir Steuerzahler). Sich selber empören und immer von anderen verlangen, dass diese dann die Zeche zahlen ist natürlich sehr einfach!

....waren die in einer psychatrischen Einrichtung? Vielleicht irgendwie auffällig gewesen, so einfach kommt man nicht in die Psychatrie auch als "Geflüchtete" nicht. Warum waren die nicht in einer Asyleinrichtung, gibts die in Ueckermünde nicht? Warum nicht in einer zentralen Aufnahmeeinrichtung? Hatte man der Mutter schon klar gemacht, daß sie keine Chance auf Asyl hat? Ich sehe da einige Fragen die erörtert werden müßten. Wenn die Frau Hohensee ihr Gutmenschentum ausleben will so kann sie jede Woche ein großes Paket nach Georgien schicken mit allem was das Herz begehrt, Carepakete eben. Die zwei bis drei Jahre, bis die wieder bei uns auf der Matte stehen, werden sie schon überstehen.

Wir sprechen hier von einer Familie, bzw. eine Alleinerziehende und zwei Kinder aus Georgien, die in Deutschland einen Asylantrag gestellt haben und dieser war von vornherein aussichtslos. Menschen aus Georgien erhalten nur sehr, sehr selten ein Bleiberecht. Der Mutter muss schon recht schnell klar gewesen sein, nicht hierbleiben zu können. Aber dank des Helferkreises und der Unterstützer wird immer wieder Hoffnung gemacht und alle Register gezogen. Man hätte ehrlich mit der Mutter sein müssen, dass die Möglichkeit des Bleibens sehr gering ist, vielleicht hätte sie sich auf ein weiteres Leben in Georgien besser vorbereiten können. Aber auch nun, nach der Abschiebung, erschallt der Ruf und die Forderung nach Rückholung und der Hinweis, nach dem Verstreichen des Einreiseverbotes, kann man es ja wieder versuchen....was für eine Heuchelei...wie soll denn der zweite Versuch ausgehen? Es ist lobenswert, dass sich Menschen bereit erklären, der Familie zu helfen, dieses sollte eine Hilfe zum Start in Georgien sein und sich nicht in eine ständige Unterstützung ausweiten. Die Mutter ist für ihre Kinder verantwortlich, so wie übrigens tausende andere alleinstehende Mütter, denen es noch viel schlechter geht, als der Mutter in Georgien. Die Mutter muss selbst Anstrengungen unternehmen, ihre Familie zu unterhalten anstatt sich auf Geld aus Deutschland zu verlassen. Das Gebot der Stunde: Hilfe zur Selbsthilfe, andernfalls müssen Sie die Unterstützer fragen lassen, warum sie denn nicht diejenigen unterstützen, denen es noch schlechter geht.....ob in Georgien oder anderswo....