Stettin hat unter anderem dank der Firma „Stoewer” auch eine Automobilbau-Geschichte.
Stettin hat unter anderem dank der Firma „Stoewer” auch eine Automobilbau-Geschichte. NK-Archiv
Die Ausstellung Lilienthal-LAB in der Nikolaikirche ist Teil des Projektes „Technikgeschichte in Pommern – Grenz&u
Die Ausstellung Lilienthal-LAB in der Nikolaikirche ist Teil des Projektes „Technikgeschichte in Pommern – Grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Museen in Anklam und Szczecin“. Matthias Diekhoff
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Das Buch „Technikgeschichte in Pommern” ist in Zusammenarbeit des Anklamer Lilienthalmuseums und des Museums für Technik und Kommunkation in Stettin entstanden. Matthias Diekhoff
Neues Buch

Als technische Weltrekorde aus Pommern kamen

In Stettin wurde einst das schnellste Schiff der Welt gebaut und bei Postlow landete einst ein Ballon in Rekordzeit. Diese und viele andere Geschichten werden in einem neuen Buch erzählt.
Vorpommern

Einen „Meilenstein in der Geschichte des Lilienthalmuseums” nannte Museumsleiter Dr. Peter Busse die Eröffnung der Ausstellung „Lilienthal-LAB” in der Nikolaikirche Ende des vergangenen Jahres.

Innerhalb der durch das Interreg-Programm geförderten Maßnahme „Technikgeschichte in Pommern – Grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Museen in Anklam und Szczecin“ gab und gibt es aber auch noch andere Höhepunkte. So unter anderem die Eröffnung der Ausstellung „Smyk – Motoexperimentarium” im Stettiner Museums für Technik und Kommunikation in der kommenden Woche.

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Sammelband mit polnischen und deutschen Autoren

Ebenfalls im Rahmen des Projektes wurde vom Stettiner Museum ein Buch herausgegeben, das sich in Polnisch und Deutsch mit der „Technikgeschichte in Pommern” beschäftigt.

In dem Sammelwerk unter der Redaktion von Dr. Bernd Lukasch berichten Autoren von beiden Seiten der Grenze über „Ideen, die Bewohner von Pommern entwickelten, um Gebäude und Dinge, die ihren Alltag prägten”, heißt es im Vorwort Stanislaw Horoschko, dem Leiter des Stettiner Museums. So sei ein Buch entstanden, das „auf Pommern aus einer überraschenden technikgeschichtlichen Perspektive” blicke.

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In Stettin entstand das größte Schiff der Welt

Zwar geht es in dem Buch natürlich um den Flugpionier Otto Lilienthal und die Raketenforschung in Peenemünde. Aber es wird auch nicht vergessen, dass in Pommern – dem Land am Meer – jahrhundertelang Schiffe gebaut wurden, zunächst aus Holz, später aus Stahl. So lief am 4. Mai 1889 in der Stettiner Vulcan-Werft mit der „Kaiser Wilhelm der Große” das zu jener Zeit größte Schiff der Welt vom Stapel.

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Im Herbst des gleichen Jahres noch brach der Dampfer mit vier Schornsteinen den Rekord bei der Überquerung des Atlantischen Ozeans und errang damit das „Blaue Band”, eine Trophäe, die in den Jahrzehnten davor stets an englische Reeder gegangen war, ist in einem Text über die Stettiner Werften zu erfahren.

Vorreiter für Elektro-Autos

Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit den Gebrüdern Stoewer, die sich vor allem einen Ruf als Hersteller prächtiger Automobile einen Namen gemacht haben, die um die vorletzte Jahrhundertwende herum übrigens sowohl mit Benzin- als auch mit Elektromotoren ausgestattet waren.

Die E-Autos hatten demnach bereits eine Reichweite von 60 Kilometer. Zudem überstieg ihre Geschwindigkeit die damals für Pferde zulässige Höchstgeschwindigkeit von acht Meilen pro Stunde, so dass der Werksfahrer von Stoewer wegen zu schnellen Fahrens innerorts vor Gericht gestellt wurde.

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Von der Kleinbahn bis zur Motorrad-Legende

Derartige Anekdoten aus der Technikgeschichte Pommerns finden sich einige in den Buch. So auch in einem Beitrag von Peer Wittig über Ballone und Luftschiffe. Darin wird über eine abenteuerliche Ballonfahrt im Jahr 1890 berichtet, bei der ein mit drei Männern besetzter Ballon von einem Übungsplatz bei Berlin bei stürmischem Wetter bis nach Postlow getragen wurde. Und das in einer rekordverdächtigen Zeit von nur 50 Minuten, wie es damals in der „Anklamer Zeitung” hieß.

Weitere Texte in dem Buch beschäftigen sich mit den Kleinbahnen in Pommern, der Stettiner Motorrad-Legende „Junak” oder auch der Unternehmerfamilie Quistorp. Zu finden ist die Publikation unter anderem auch auf der Internetseite „technikgeschichte-in-pommern.eu”, die ebenfalls im Rahmen des Interreg-Projektes entstanden ist.

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