UNTERSUCHUNG ANGEORDNET

Angegriffenes Wildschwein verletzt Jäger tödlich

Er wollte einem Wildschwein den Gnadenschuss geben und wurde dabei von dem Tier attackiert. Die genaue Todesursache eines 50-jährigen Jägers aus Vorpommern ist noch unklar.
Das Wildschwein war bei der Jagd verletzt worden.
Das Wildschwein war bei der Jagd verletzt worden. Lino Mirgeler/Symbolbild
Neuenkirchen ·

Bei einer Jagd im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist ein Jäger von einem Wildschwein angegriffen und tödlich verletzt worden. Das Unglück ereignete sich am Sonntag unweit von Neuenkirchen bei Greifswald, wie ein Polizeisprecher am Montag in Neubrandenburg sagte. Der 50-jährige Jäger war bei der sogenannten Nachsuche, als er auf das Tier stieß. Zuvor hatte er laut Zeugenaussagen einen Schuss abgegeben und sich danach in einen Schilfgürtel begeben.

Dort wurde der Mann nach Angaben der Polizei von einem Keiler angegriffen und schwer am linken Oberschenkel verletzt. Der Jäger fiel zu Boden und geriet für Sekunden mit dem Kopf in das nahe Wasser. Wie Achim Froitzheim als Sprecher des Landkreises sagte, war der Jäger nach der Attacke ohne Bewusstsein, als der Rettungshubschrauber eintraf. Alle Bemühungen, ihn wiederzubeleben, seien schließlich gescheitert.

Die genaue Todesursache soll eine rechtsmedizinische Untersuchung klären, hieß es von der Polizei. Bei der Nachsuche werden verletzte Tiere aufgespürt, die geflüchtet sind, um ihnen den Gnadenschuss zu geben. Der 50-Jährige aus der Region Greifswald hatte an einer größeren Drückjagd mit neun Jägern und vier Treibern teilgenommen.

Ministerium fordert zum verstärkten Abschuss von Schwarzwild auf

"Der Vorfall zeigt, wie wehrhaft Wildschweine sind", erklärte Froitzheim, der selbst Jäger ist. Die Behörden und der Jagdverband empfehlen deshalb, besonders verstärkte Schutzhosen zu tragen und auch den Suchhunden Schutzwesten anzulegen. Details des Vorfalls müssten noch geklärt werden. Da der Keiler, der den Jäger mutmaßlich tödlich verletzte, nicht vor Ort gefunden wurde, ist nach Angaben der Polizei noch unklar, ob das Tier überhaupt zuvor von dem Jäger getroffen wurde.

Das Schweriner Agrarministerium hat die Jäger zum verstärkten Abschuss von Schwarzwild aufgefordert, um so das Risiko zum Einschleppen der Afrikanischen Schweinepest aus Osteuropa zu reduzieren. In der Region hatte es am Samstag mehrere größere Jagden gegeben.

Wildschweine sind die Gewinner des Klimawandels

„Das Schwarzwild ist der Gewinner des Klimawandels und der Agrar- und Energiepolitik”, Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbandes in Berlin. Die Wildschweine fänden fast das ganze Jahr über ideale Nahrungssituationen vor. „Sie bedienen sich, wenn der Mais gedrillt wird, gehen dann in den Raps, ins Getreide und dann in die großen Maisschläge”, sagte Reinwald. Auch Buchen und Eichen produzierten immer mehr Früchte, weshalb die Tiere auch im Wald noch genug Nahrung fänden. Wildschweine gibt es inzwischen auch in Dänemark und Schweden, wo sie früher nicht verbreitet waren.

Pro Jahr werden um die 500.000 Wildschweine in Deutschland von Jägern erlegt. Aber das reiche nicht, um den Bestand entscheidend zu dezimieren. In Nordrhein-Westfalen wurde den Jägern eine Gebühr für die sonst übliche Parasiten-Untersuchung, die Trichinenschau, erlassen. „Der richtige Weg”, sagte Reinwald.

Mecklenburg-Vorpommern hat als einziges Bundesland sogar eine „Pürzel-Prämie” ausgelobt: 25 Euro pro erlegtem Stück Schwarzwild. Mit einem dringenden Appell an die Jäger und der Prämie will der Schweriner Agrarminister Till Backhaus (SPD) den Bestand deutlich senken, vor allem aus Furcht vor der Afrikanischen Schweinepest, die von Osteuropa immer näher rückt.

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