Unsere Themenseiten

:

Anglerlatein? Das Kiemenmonster vom Badesee entgeht dem Netz

Während Gewässerwart Marko Röse die Fische aus den Stellnetzen befreite und wieder ins Wasser setzte, notierte Detlef Derda jeden Fang.  FOTOs: Stefan Hoeft

VonStefan HoeftDass das Badeparadies zwischen Jarmen und Zarrenthin ideal für viele Fischarten sein könnte, vermuten Angler schon lange. Nun brachte eine ...

VonStefan Hoeft

Dass das Badeparadies zwischen Jarmen und Zarrenthin ideal für viele Fischarten sein könnte, vermuten Angler schon lange. Nun brachte eine Probebefischung seitens des Landesverbandes prächtige Belege dafür. Auch riesige Welse könnte es hier durchaus geben, so die Experten.

Zarrenthin/Jarmen.„Man steht am Ufer von so einem Gewässer und weiß gar nicht, was da unten drin passiert“, meint Knut Schramm vom Anglerverein Jarmen. Und hat dabei den Zarrenthiner Kiessee im Blick, der nicht nur mit einer bei Sommerwetter gut besuchten öffentlichen Badeanstalt aufwartet, sondern angestammtes Revier der Peenestädter Petrijünger ist. Die haben rund ein Drittel des aus einem Tagebau entstandenen Gewässers angepachtet, sprich den östlichen und nordöstlichen Bereich.
Eigentlich bietet er gute Bedingungen für eine vielseitige Fischpopulation: stellenweise mehr als 20 Meter tief, angesichts des klaren Wassers mit Bewuchs bis zu ungewöhnlichen neun Metern Tiefe, scharfe Abbruchkanten sowie jede Menge Steine auf dem Grund. Doch auch wenn einzelne Fänge diese Vermutung stützten und in den Vorjahren Taucher immer wieder von großen Hechten, Aalen und Karpfen berichteten, blieben viele Vereinsmitglieder skeptisch. Und dachten deshalb über so genannte Besatzmaßnahmen nach. Schon vor rund zwei Jahrzehnten hatte es die gegeben, damals mit Hecht-, Karpfen- und Aal-Brut. Deren Ergebnis blieb bisher schleierhaft und neue Aktionen machen nur Sinn, wenn klar ist, was in dem See vor sich geht.
Aus diesem Grund beantragten die Jarmener beim Landesanglerverband Mecklenburg-Vorpommern eine Bestandsaufnahme. Der reagiert nun und schickt seinen Gewässerwart Marko Röse an den Zarrenthiner Strand. Im Schlepptau beziehungsweise Gepäck hat der gelernte Fischwirtschaftsmeister neben seinem Boot noch 450 Meter Stellnetze unterschiedlicher Maschenweiten – von 38 bis 120 Millimeter – sowie ein Elektrofischgerät.
Mit dem geht er im etwas flacheren Uferbereich der Badeanstalt auf Pirsch, und das vom Strom erzeugte Energiefeld zieht umgehend eine ganze Schar unterschiedlicher Schuppenträger an – von Rotfedern über Barsche bis hin zu kleinen gut genährten Hechten. Die wirklich großen Exemplare gibt es dann zu Bestaunen, als Marko Röse zusammen mit Schramm und Detlef Derda die Stellnetze kontrolliert, beide Vorstandsmitglieder des Regionalen Anglerverbands Demmin. Fast schon erwartungsgemäß zappelt es um diese Zeit dort nur im Randbereich, dafür um so kräftiger: Stattliche Barsche und Bleie, ein ungewöhnlich fetter Schlei und ein großer Hecht kommen zum Vorschein. Zudem mehrere Plötzen, die gut im Futter stehen, sehr massig und mit kleinen Köpfen, was den Experten zufolge für ein schnelles Wachstum spricht.
Gespannt und etwas unruhig warten alle, ob sich nicht weiter unten wenigstens ein Wels verfangen hat. Immerhin wurden davon einst welche ausgesetzt, weiß Schramm, und die Überlebenschancen seien angesichts fehlender Fressfeinde gut. Taucher wollen schon vor zehn Jahren einem Exemplar von um die zwei Metern begegnet sein, das sie anfangs für eine alte Bahnschwelle hielten. Ohne weiteres könnte das Tier mittlerweile einen Meter zugelegt haben. Außer anderen Fischen müssten vor einem solchen Monster trotzdem höchstens unvorsichtige Wasservögel oder kleine Säuger Angst haben, betont Röse, Menschen nicht. Maximal schnappe er mal nach ihnen, wenn sie bei der Laichpflege zu nahe kämen. Das indes passiere wohl eher Tauchern, nicht normalen Badegästen.
Mit seinem breiten Maul und schlanken Körper, der keine Schuppen aufweist, sei ein Wels schwer per Stellnetz zu erwischen. So dass er durchaus von ihrer Existenz im Zarrenthiner Kiessee ausgeht, auch wenn diesmal keiner dieser urtümlichen Fische in den Maschen landet. Gleiches gelte für das Vorkommen von Karpfen und Aalen. „Hier ist alles im besten Zustand, das Wasser ist sehr nährstoffarm, das ist gut“, lautet das Urteil des Gewässerwarts. „Es gibt wirklich schöne Fische hier, und die sind alle kerngesund.“
So ist seine einzige Empfehlung an die Jarmener für einen neuerlichen Besatz die Zander-Ansiedlung. „Das wäre echt einen Versuch wert – bei dem Wasser.“