BRENNPUNKT-DEBATTE

Hat Anklam ein Waffenproblem?

Schenkt man den Aussagen eines Zeugen in einer Gerichtsverhandlung Glauben, könnte man meinen, in Anklam seien Jugendliche in der Regel bewaffnet. Offizielle Stimmen der Stadt widersprechen.
Karsten Riemer Karsten Riemer
Das Peeneufer in Anklam, soll angeblich besonders gefährlich sein, wenn man den Behauptungen Glauben schenkt.
Das Peeneufer in Anklam, soll angeblich besonders gefährlich sein, wenn man den Behauptungen Glauben schenkt. Sophia Brandt
Anklams Bürgermeister Michael Galander widerspricht der Behauptung, Anklam habe ein Waffenproblem, vehement.
Anklams Bürgermeister Michael Galander widerspricht der Behauptung, Anklam habe ein Waffenproblem, vehement. Stefan Sauer
Rolf Böhm war jahrelang als Streetworker in Anklam tätig.
Rolf Böhm war jahrelang als Streetworker in Anklam tätig. Anne-Marie Maaß
Anklam.

Unglaubliche Behauptungen über die Hansestadt Anklam und ihre Jugendlichen machen derzeit die Runde: Die Jugendlichen seien typischerweise bewaffnet, selbst goldene Pistolen bekäme man auf den Straßen zu sehen. Behauptungen, die ein ehemaliger Einwohner während einer Gerichtsverhandlung am Montag in Neubrandenburg aufstellte. „Ich habe jedes Mal Angst, wenn ich meine Eltern in Anklam besuche“, sagte der Zeuge.

„Das ist vollkommener Blödsinn“, hält Rolf Böhm entgegen. Jahrelang stand er als Streetworker mit den Jugendlichen in Anklam in Kontakt. Arbeitet immer noch regelmäßig mit ihnen am Demokratiebahnhof und an der Peene zusammen. Mehr als ein Taschenmesser hätten die Jugendlichen nicht. Dass es auf Anklams Straßen Pistolen gab, liege lange zurück. „Das war kurz nach der Wende.“ Heutzutage hält er die Vorstellung für weltfremd. „Mit der Aussage wollte sich jemand groß tun“, sagt er. Auch das öffentliche Bild der Stadt werde so beschädigt. „Früher waren wir das braune Anklam, jetzt sind wir das gefährliche Anklam“, so der ehemalige Streetworker.

Ähnlich schockiert über die Aussagen zeigt sich der Leiter des Jugendclubs „Mühlentreff“ in Anklam, Roderich Eichel. „Das klingt ja wie im Wilden Westen“, so Eichel irritiert. Auch er hat während seiner Arbeit im Jugendtreff keine Waffen bei den Jugendlichen festgestellt. Auch in den vergangenen Jahren hat er damit keine Erfahrungen gemacht.

Polizei: Es gibt hier nicht mehr Waffen als anderswo

Auch bei Anklams Bürgermeister Michael Galander (IfA) sorgten die Aussagen für Unverständnis. „Es handelt sich um die Einzelmeinung eines ehemaligen Anklamers“, betont Galander. „Wir sind weit weg davon, dass sich die Bürger nicht frei bewegen können“, fügte er an. Allgemein seien solche Behauptungen ein Tiefschlag für die Stadt an sich und die Menschen, die in Anklam wohnen.

Dass sich Gewalttaten unter den Heranwachsenden nicht völlig ausschließen lassen, weiß der ehemalige Streetworker Rolf Böhm allerdings auch. Da er unter anderem als Schöffe tätig ist, kommt er mit solchen Fällen immer wieder in Kontakt. Das sei aber nichts, was in Anklam besonders wäre. Grundsätzlich freisprechen könne man allerdings auch niemanden. „Wenn die sich abends mit dem Auto an der Peene treffen, weiß ich natürlich nicht, was die da im Kofferraum haben.“ Aus seiner täglichen Arbeit wisse er aber nicht einmal von einem größeren Messer, geschweige denn anderen Waffen.

Auch seitens der Polizei hieß es, dass es natürlich vereinzelte Vorfälle mit Waffen gäbe. „Darunter fallen manchmal auch Messer“, so Polizeisprecher Andrej Krosse. Dennoch gibt es keine Anzeichen einer erhöhten Anzahl von Waffenträgern in der Stadt. Bei entsprechenden Hinweisen würde die Polizei auch sofort tätig werden. „Aber Anklam ist kein Brennpunkt“, betonte Krosse.

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