Rolf Böhm in der Slawen- und Wikingersiedlung Wollin. Beim dortigen Festival werden auch Schaukämpfe ausgetragen.
Rolf Böhm in der Slawen- und Wikingersiedlung Wollin. Beim dortigen Festival werden auch Schaukämpfe ausgetragen. ZVG
Rolf Böhm will bei seiner Gewandung und Ausrüstung so authentsich wie möglich bleiben.
Rolf Böhm will bei seiner Gewandung und Ausrüstung so authentsich wie möglich bleiben. ZVG
Zur Ausrüstung von Rolf Böhm gehören unter anderem auch ein Helm und verschiedene Äxte.
Zur Ausrüstung von Rolf Böhm gehören unter anderem auch ein Helm und verschiedene Äxte. ZVG
„Vikings“

Anklamer betreut bei Facebook tausende Wikinger-Fans

Jeder hat schon mal von einem berühmten oder berüchtigten Wikinger gehört. Oder „Vikings” gesehen. Um die Wikinger in Vorpommern und ihre Fans soll es hier gehen.
Vorpommern

Die Wikinger sind zu ihrer Zeit viel herumgekommen. Sie haben in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, ihre Spuren hinterlassen und wohl lange vor Kolumbus Amerika entdeckt. In Thüringen jedoch sind sie eher weniger auffällig geworden. Von seiner Herkunft her also habe er mit den Nordmännern eigentlich „nix am Hut“, sagt Rolf Böhm, der inzwischen längst in Anklam lebt.

Selbst als Joms-Wikinger unterwegs

Das Interesse für das Leben und die Kultur der Wikinger wurde bei ihm schließlich bei dem Besuch eines Mittelaltermarktes in Anklams Partnerstadt Heide geweckt. Er habe sich dann intensiver mit der Materie befasst und seit einigen Jahren ist er in seiner Freizeit selbst als Joms-Wikinger unterwegs, benannt nach dem Gau Jom, der sich in Vorpommern, speziell im Raum der Odermündung befunden haben soll – auch wenn die Burg des legendären Kriegerbundes noch nicht gefunden wurde.

Nicht wenige werden den großen Mann mit dem langen Zopf von Festen kennen, wo er in Gewandung, wie die historische Bekleidung in der Szene auch genannt wird, das eher friedfertige Wikinger-Schach betreut. Zugleich kann er sich aber auch für die Schaukämpfe beim Festival der Slawen und Wikinger in Wollin begeistern, bei denen es ordentlich zur Sache geht.

Rolf Böhm in der Slawen- und Wikingersiedlung Wollin. Beim dortigen Festival werden auch Schaukämpfe ausgetragen.

11.000 Mitglieder in Wikinger-Gruppe bei Facebook

Dazwischen gibt es aber auch noch eine ganze Menge mehr, was ihn fasziniert. Und schließlich ist da auch noch eine Facebook-Gruppe namens „Wikinger“ mit mittlerweile über 11.000 Mitgliedern aus ganz Deutschland, die von Rolf Böhm und seiner Frau Gisela betreut und gepflegt wird.

Als er die Gruppe von einem anderen Wikinger-Fan übernahm, tummelten sich dort nur ein paar hundert Leute, die sich über ihr Hobby ausgetauscht haben. Mit der kanadisch-irischen Fernsehserie „Vikings“, von der es mittlerweile sechs Staffeln gibt, habe die Zahl der Mitglieder sprunghaft zugenommen. Und noch immer werden es jede Woche mehr, so dass die Betreuung der Gruppe inzwischen mehrere Stunden pro Tag in Anspruch nehme.

Generell sei die Gruppe für alle offen, sagt Rolf Böhm. Und es gehe vor allem darum, dass alle Spaß an der Sache hätten. Dass dabei einige Mitglieder wesentlich tiefer in der Materie stecken und zum Beispiel ausgewiesene Runen-Experten sind, als andere, die sich eher mit Dingen beschäftigen, die mehr mit den „Wikingern“ aus dem Fernsehen als mit den ursprünglichen Nordmännern zu tun haben, findet Rolf Böhm nicht weiter schlimm, so lange der Ton unter den Mitgliedern der Gruppe nicht ausfallend wird.

Rolf Böhm will bei seiner Gewandung und Ausrüstung so authentsich wie möglich bleiben.

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Authentische Ausrüstung gewünscht

Die Fernsehserie sei zwar keine historisch korrekte Dokumentation, aber offensichtlich doch gute Unterhaltung, stellt Rolf Böhm klar. Andererseits stamme das Wissen über die „echten“ Wikinger ausschließlich von Ausgrabungen und Runensteinen. Die bekannten Sagas, in denen die Taten und Abenteuer der Wikinger beschrieben wurden, sind dagegen zu einer Zeit entstanden, als es sie schon gar nicht mehr gab.

Rolf Böhm zumindest ist bestrebt, bei seiner Gewandung und Ausrüstung, die er sich Stück für Stück angeschafft hat, so authentisch wie möglich zu sein. Auch wenn das bedeutet, mit einigen beliebten Vorstellungen aufzuräumen. So unter anderem, dass die Männer aus dem Norden bei jeder sich bietenden Gelegenheit Unmengen von Met aus Hörnern getrunken hätten.

Zur Ausrüstung von Rolf Böhm gehören unter anderem auch ein Helm und verschiedene Äxte.

Rolf Böhm vermutet allerdings, dass die breite Masse damals eher Bier statt Honigwein getrunken hat. Und das auch nicht aus Hörnern, da die eher den höher gestellten Persönlichkeiten vorbehalten waren. Und auch Hörner an Helmen habe es nicht gegeben. Ausgerechnet das typische Attribut für einen Wikinger, der Hörnerhelm, ist „Quatsch“, sagt Rolf Böhm.

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