STRESS DURCH KONTAKTSPERRE

Anklamer Caritas berät Familien in der Krise

Den ganzen Tag aufeinander hocken und das vielleicht noch für mehrere Wochen. In vielen Familien kriselt es schon jetzt. Doch es gibt Hilfe.
Synnöve Steinert-Schmidt von der Erziehungs- und Familienberatung im Anklamer Regionalzentrum der Caritas weiß, das
Synnöve Steinert-Schmidt von der Erziehungs- und Familienberatung im Anklamer Regionalzentrum der Caritas weiß, dass nur zufriedene Eltern auch zufriedene Kinder haben. Karsten Riemer
Anklam.

Während es einige Eltern derzeit vielleicht genießen, außer der Reihe viel Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können, sorgt die derzeitige Lage in anderen Familien für außerordentlichen Stress, wie Synnöve Steinert-Schmidt von der Erziehungs- und Familienberatung im Anklamer Regionalzentrum der Caritas weiß.

Zum einen sei da die viele freie Zeit, die die Kinder haben und die trotz aller Beschränkungen irgendwie sinnvoll gefüllt werden sollte. Und zum anderen sind da die Sorgen, die sich die Eltern um die private, berufliche und gesellschaftliche Zukunft in der Coronavirus-Krise machen.

Strukturierter Tagesablauf hilft

Gerade in dieser Situation sei es wichtig, den Grundsatz zu beherzigen, dass nur zufriedene Eltern zufriedene Kinder haben können. Was bedeutet, dass die Erwachsenen gerade jetzt gefordert sind, die eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren und sich auch mal etwas Raum und kleine Pausen zu gönnen – auch wenn das auf den ersten Blick schwierig erscheinen sollte.

Dabei helfen könne auf jeden Fall ein strukturierter Tagesablauf, so wie ihn die Kinder gewöhnt waren, als sie noch zur Schule oder in die Kita gingen, rät Synnöve Steinert-Schmidt. Der beginne mit einem gemeinsamen Frühstück, über den Tag verteilten Höhepunkten und ende mit einer festen Zeit, um ins Bett zugehen. Auch Ruhephasen und Zeit für die Hausaufgaben sollten eingeplant werden.

Ebenso wichtig sei auch, dass die Familienordnung stimmt, die Eltern also die Bestimmer sind und ältere Geschwister mehr Rechte und Pflichten haben, als die jüngeren. Keinesfalls sollte es zu einem „Rollentausch“ kommen, bei dem die Kinder bestimmen, was getan wird und was nicht. Auch wenn es schwer falle, dürfe den Kindern nicht alles erlaubt werden, so Synnöve Steinert-Schmidt. Die Kleinen seien durchaus in der Lage, Frust auszuhalten.

Aber sie sollten bei alledem auch ein gewisses Mitspracherecht haben. Zum Beispiel sollten die Eltern festlegen, wann ins Bett gegangen wird, das Kind könne aber aussuchen, welches Buch gelesen wird. Auch mit Süßigkeiten, die über die verschiedenen Einschränkungen hinwegtrösten sollen, müsse jetzt Maß gehalten werden. Die Möglichkeiten, die darin steckende Energie abzubauen, seien derzeit vor allem in den Städten sehr begrenzt.

Die Frau von der Familienberatung der Caritas weiß natürlich auch, dass es sehr anstrengend werden kann, sich ständig mit dem eigenen Kind auseinanderzusetzen und dem geliebten Wesen Dinge zu versagen, die im Normalfall normal gewesen wären, wie zum Beispiel auf den Spielplatz zu gehen.

Caritas berät telefonisch bei Fragen aller Art

Noch extremer sei die aktuelle Situation für Alleinerziehende, unabhängig davon, ob sie Zuhause arbeiten und ständig zwischen Job und Kind hin- und herschalten oder den Nachwuchs Zuhause lassen können, aber nicht wissen, was dort gerade geschieht. Auch für diese Fälle ist ein telefonischer Beratungsservice eingerichtet, der von montags bis freitags zwischen 10 und 14 Uhr unter der Nummer 03971/20350 zu erreichen ist.

Tatsächlich allerdings könnten die aktuellen Einschränkungen auch ihr Gutes haben, schätzt die Expertin ein. Man könne unter anderem Dinge schätzen lernen, die vorher selbstverständlich waren. Zudem werde die Kreativität gefordert. Hilfreich sei vor allem, den Humor nicht zu verlieren. Und ab und zu aufmunternde Worte zu empfangen.

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