Das „Vintage Glider Treffen“ 2018 in Anklam ist dem Fliegerclub noch gut in Erinnerung. Die internationale Veranst
Das „Vintage Glider Treffen“ 2018 in Anklam ist dem Fliegerclub noch gut in Erinnerung. Die internationale Veranstaltung brachte sogar Staatsbesuch mit sich. Anne-Marie Maaß
Der Blick von oben auf die Rapsfelder Vorpommerns wird den Segelfliegern wohl in diesem Jahr verwehrt bleiben.
Der Blick von oben auf die Rapsfelder Vorpommerns wird den Segelfliegern wohl in diesem Jahr verwehrt bleiben. Reginald Kasubeck
30. Jubiläum

Anklamer Flieger-Club ganz ohne Fliegerei und große Party

Fast unbemerkt feiert der nach der Wende erste eingetragene Verein Anklams ein großes Jubiläum. Das allerdings so ganz anders ausfällt, als es sich die Segelflieger erhofft hatten.
Anklam

Die Rapsblüte von oben bewundern, darauf müssen auch die Anklamer Segelflieger in diesem Jahr wohl gänzlich verzichten. Der Flugbetrieb ruht bis auf Weiteres. Abstandsregeln seien beim Segelfliegen schlichtweg nicht einhaltbar, macht Reginald Kasubeck deutlich. „Für jeden Flieger in der Luft braucht es mindestens fünf Helfer“, sagt er. Der Verein ist somit wie viele andere in der Pandemie-Zwangspause.

Anklamer Flieger waren die Nummer 1

Dabei jährte sich gerade erst in diesen Tagen ein historisches Datum für den Club. Am 11. April 1990 wurde dieser als erster eingetragener Verein in das Anklamer Vereinsregister aufgenommen. Die Nummer 001 tragen die Flieger bis heute mit Stolz. So blicken sie auch nun optimistisch besseren Zeiten entgegen. Die angedachte Jubiläumsfeier, die mit einem besonderen Flugtag gekrönt werden sollte, wurde abgesagt. Viele ehemalige Vereinsmitglieder waren zuvor eingeladen worden. Auch Piloten mit historischen Segelflugzeugen aus der Anfangszeit der Segelfliegerei in Anklam hatten ihr Kommen bereits zugesagt. „All das geht nun natürlich nicht. Das ist sehr schade“, sagt Reginald Kasubeck. Das Vereinsjubiläum werde dann eben zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Wann genau, könne aber noch nicht gesagt werden.

Tradition reicht viel weiter zurück

Das Segelfliegen indes hielt nicht erst vor 30 Jahren in Anklam Einzug. Als Bewohner der Otto-Lilienthal-Stadt zog es einige Mutige schon weit vorher in die Lüfte. So starteten Lehrlingsgruppen der Arado-Werke bereits in den 30er Jahren mit selbst gebauten Fluggeräte. „Anfang der 50er Jahre hatten einige Segelflieger zwei Flugzeuge aus Scheunen, in denen sie seit dem Kriegsende versteckt waren, hervorgeholt und einen halb legalen Flugbetrieb am Ziesarer Berg bei Wolgast gestartet“, weiß Kasubeck zu berichten.

Die Hoheit über das Segelfliegen hatte zu DDR-Zeiten allerdings die Gesellschaft für Sport und Technik (GST). Fliegen war somit nicht jedem als Hobby möglich. Dementsprechend groß sei die Freude nach der Wende für viele Mitglieder des neugegründeten Vereins gewesen, ihrem Freizeitsport nun ohne Restriktionen,  staatlicher und paramilitärischer Ziele nachgehen zu können.

Auch sportlich kann sich der Verein sehen lassen

Heute zählt der Fliegerclub insgesamt 61 Mitglieder, die durchaus auf sportlich erfolgreiche Jahre zurückblicken können. So belegten die Anklamer im vergangenen Jahr bei der Deutschen Meisterschaft MV im Streckenflug einen ersten, dritten und vierten Platz. Auch die Jugendlichen schnitten bei den Landes- und Bundesmeisterschaften mit sehr guten Platzierungen ab.

Insgesamt legten die Anklamer Flieger 2019 bei 2468 anmeldeten Starts im Streckenflug insgesamt 20 730 Kilometer zurück. Diese Zahlen zu erreichen, könnte nun angesichts der aktuellen Lage aber schwierig werden. Dennoch gehen auch die Segelflieger optimistisch mit den Planungen voran. So ist derzeit immer noch die Sommerflugwoche mit einem Schnupperkurs für jedermann vom 18. bis 26. Juli angedacht. Interessierte sollten sich vorsichtshalber schon anmelden, heißt es.

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