Direkt an der Peene gelegen, fürchtet auch die Anklamer Zuckerfabrik Auswirkungen durch das neue Naturschutzgebiet, das h
Direkt an der Peene gelegen, fürchtet auch die Anklamer Zuckerfabrik Auswirkungen durch das neue Naturschutzgebiet, das hier ausgewiesen werden soll. Anne-Marie Maaß
Karin Wegner vom Schweriner Ministerium stand nun auch in Anklam Rede und Antwort zum geplanten Naturschutzgebiet.
Karin Wegner vom Schweriner Ministerium stand nun auch in Anklam Rede und Antwort zum geplanten Naturschutzgebiet. Anne-Marie Maaß
Naturschutzgebiet

Anklamer fürchten weitere Verbote im Peenetal

Auch in Anklam ist die Skepsis zur Erweiterung des Naturschutzgebietes an der Peene groß. Tourismus, Wirtschaft und Anwohner äußerten nun ihre Bedenken. Doch wird das in Schwerin gehört?
Anklam

Die neue Ausweisung eines Naturschutzgebietes im östlichen Peenetal bleibt ein Streitthema in der Region. Das wurde auch am Montagabend in Anklam deutlich. Dort hatte das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt nun zum Infoabend über den aktuellen Verfahrensstand und den weiteren Ablauf eingeladen. In vielen Gemeinden im Anklamer Umland fanden ähnliche Veranstaltungen bereits statt.

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Auch in der einzigen Stadt des Plangebietes stieß Karin Wegner trotz Fachkompetenz und Geduld bei den Ausführungen erneut auf viel Skepsis. Und das, obwohl Anklam gewissermaßen schon Erfahrung mit der Lage am Naturschutzgebiet haben sollte. Immerhin grenzt das bisherige Naturschutzgebiet im Westen bereits an die Stadt. Ost und West könne man dahingehend aber nicht vergleichen, so Anklams Bürgermeister Michael Galander. So will die Stadt gerade im östlichen Bereich in den kommenden Jahre stark auf mögliche Entwicklungspotenziale setzen.

Furcht vor Auswirkungen für Tourismus und Industrie

Dazu zählt etwa auch der Masterplan fürs Peeneufer, der vor allem eine touristische Nutzung und damit auch weitere Erschließung der Uferbereiche einschließt. Darüber hinaus liegt mit der Zuckerfabrik und der Anklamer Kläranlage auch Industrie im Bereich am Schanzenberg vor und mit dem Schanzenberg und dem Gneveziner Damm grenzt auch noch ein ganzes Wohngebiet an das potenzielle Naturschutzgebiet.

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Vor Ort ergriff ebenso Zuckerfabrikschef Matthias Sauer das Wort. Er betonte noch einmal, welche Kraftanstrengungen die Zuckerfabrik mit den Millioneninvestitionen vor alle in Umweltschutzmaßnahmen derzeit vollbringe. Damit verbunden auch umfangreiche Genehmigungsverfahren. Nun fühle man sich allerdings gewissermaßen wie in dem Märchen vom Hasen und Igel, so Sauer.

Er befürchtet, dass die Ausweitung des Naturschutzgebietes direkt vor der Fabriktür trotz aller Bemühungen weitere Unsicherheiten für die zukünftige Entwicklung der Fabrik schaffe. „Wir wollen dabei im kommenden Jahr bereits das 140-jährige Bestehen begehen”, so Sauer zur langen Tradition am Standort.

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Landrat sieht große Konflikte voraus

Unterstützung erhalten die Anklamer vor Ort auch vom Landrat von Vorpommern-Greifswald, Michael Sack (CDU). Zwar sei man aus seiner Sicht Anfang der 90-er Jahren für die damals geflossenen Fördermillionen eine gewisse Verpflichtung zum Naturschutz eingegangenen, dass nun deshalb allerdings fast 30 Jahre später noch Naturschutzgebiete ausgewiesen werden müssen, zweifelt er jedoch an.

Er sieht das Peenetal schon jetzt als ziemlich intakten Naturraum, den die Menschen vor Ort auch zu schätzen wüssten. Problematisch wäre es jedoch, wenn die Einheimischen die angestrebten Verbesserungen nicht mehr als solche empfinden, wie es nun anscheinend flächendeckend der Fall ist, konstatiert er.

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Auch dieser Eindruck müsse in Schwerin ankommen, so Sack. Mit der geplanten Ausweitung des Naturschutzes sieht gerade im Anklamer Bereich ein erhebliches Konfliktpotenzial, so Sack. „Wir haben dann Verschlechterungsverbot und ein Verbesserungsgebot mit erheblichen Konsequenzen”, sieht der Landrat voraus.

Unterstützung auch für den Naturschutz

Doch die Stimmen am Montagabend waren nicht nur skeptisch. So wollte die Anklamerin Ute Gallmeister gerne ein Gegengewicht zur Kritik setzen. Sie könne den Ansatz des Naturschutzes durchaus nachvollziehen. Den Wert der daraus entstandenen Landschaft und der Vielfalt wisse sie durchaus zu schätzen und dieser werde aus ihrer Sicht gebraucht. Das Peenetal sei schön und einzigartig, so Gallmeister.

Davon wollen sich nun nicht zuletzt auch die Anklamer Stadtvertreter noch einmal bei einem Vor-Ort-Termin mit der Naturschutzbehörde überzeugen lassen. Die Skepsis gegenüber der Gebietsausweisung bleibe dennoch bestehen.

Kein Ende des Verfahrens in Sicht

Wann und wie es zudem mit den einzelnen Verfahrensschritten weitergeht, scheint aktuell noch offen. Karin Wegner als einzige Angestellte für diesen Bereich im Ministerium sei nur mit 20 Arbeitsstunden ausgestattet, demnach rechnet sie wohl erst im kommenden Jahr mit der öffentlichen Auslegung. Danach müssten dann erst noch alle Einwendungen geprüft und abgewogen werden. Ein Ende des Verfahrens sei zudem nicht terminiert, betont sie.

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