VORSICHT WILDSCHWEIN!

Behörden kapitulieren vor Problemsau

Das Wildschwein sorgt in Anklam für Aufregung. Doch nicht die Bache und ihre Frischlinge müssen weichen, sondern die Anklamer werden zur Disziplin aufgerufen.
Philipp Schulz Philipp Schulz
Die Bache und ihre Frischlinge, hier ein Symbolfoto, ist noch immer im Kleinbahnweg unterwegs. Der Landkreis rät den Anklamern, das Gebiet zu meiden.  
Die Bache und ihre Frischlinge, hier ein Symbolfoto, ist noch immer im Kleinbahnweg unterwegs. Der Landkreis rät den Anklamern, das Gebiet zu meiden. Symbolfoto: Frank May
Anklam.

Eine Wildsau mit Nachwuchs hat sich im Anklamer Stadtgebiet niedergelassen und verteidigt ihr Revier. Das Ordnungsamt ist ratlos. Abschuss ist jedoch keine Option: Nachdem der Chef des Anklamer Ordnungsamtes, Bernd Lange, bereits erklärt hatte, dass die Bache, die mit ihren Frischlingen seit mehreren Tagen am Kleinbahnweg residiert, nicht geschossen werden darf, erhält er nun Rückendeckung vom Kreis. Auf Nachfrage des Nordkurier bestätigte auch Achim Froitzheim, Leiter der Pressestelle im Landkreis, dass es die Gegebenheiten nicht erlaubten, das Tier zu töten. Es handele sich bei dem fraglichen Gebiet um einen befriedeten Bezirk, hier darf keine Jagd ausgeübt werden, erklärte Froitzheim. Zudem erlaube es das Tierschutzgesetz nicht, Tiere zu erlegen, die unselbstständige Jungtiere führen.

Wahrscheinlich verlässt die Bache das Gebiet wieder

Auch das Eingreifen mit einem Betäubungsmittelgewehr sei problematisch – besonders bei einer Bache mit mehreren Jungtieren. Zum einen muss das Narkosemittel genau dosiert sein, zum anderen kann eine zielgerichtete Injektion nur aus einer relativ geringen Entfernung abgeschossen werden. Dazu kommt, dass eine Narkose-Waffe nur von einer speziell geschulten Person, wie etwa einem Tierarzt, geführt werden darf.

Die Wahrscheinlichkeit ist im Moment hoch, dass die Bache das bewohnte Gebiet wieder selbstständig verlässt, sobald die Frischlinge größer sind. Bis dahin richtet Froitzheim eine Bitte an die Bevölkerung: Solange die Maßnahmen des Ordnungsamtes keine Früchte tragen, soll der Bereich am Kleinbahnweg möglichst gemieden werden, um Gefahrensituationen vorbeugend zu vermeiden. Hunde sind zudem ausßnahmlos an der Leine zu führen.

Menschen sollten das Tier nicht füttern

Weiter appelliert er an den gesunden Menschenverstand der Anklamer Bevölkerung: Unter keinen Umständen dürfen die Tiere mit Lebensmitteln gefüttert werden. In den letzten Tagen kursierten Bilder im Internet, nach denen drapierte Essensreste auf dem Weg gefunden worden waren (der Nordkurier berichtete). Dies sei, so Froitzheim weiter, aus mehreren Gründen kontraproduktiv und verwerflich: Die Tiere können sich an die Fütterung durch Menschen gewöhnen und so im Stadtgebiet sesshaft werden. Zudem sei in diesem Jahr die Gefahr besonders groß, dass sich Wildschweine durch Essensreste, besonders Rohwurstwaren aus Osteuropa, mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) anstecken. Noch ist von behördlicher Seite also keine finale Lösung in Sicht, die Hoffnung bleibt jedoch, dass die Lage sich bald beruhigt.

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