Über den Anklamer Bahnhof wurde in den zurückliegenden Wochen bereits viel diskutiert – in der Stadtpolitik wi
Über den Anklamer Bahnhof wurde in den zurückliegenden Wochen bereits viel diskutiert – in der Stadtpolitik will man sich nun bis zu einem Beschluss jedoch noch mehr Zeit lassen. Mareike Klinkenberg
Schlechter Zustand

Anklamer Stadtpolitik verschiebt Bahnhofsdebatte

Schafft es die Stadtpolitik, beim Bahnhof einen gemeinsamen Antrag der demokratischen Fraktionen zu stricken? Die Chance dafür besteht wohl. Deshalb will die CDU der Diskussion mehr Zeit einräumen.
Anklam

Mit der Debatte um den Zustand des Anklamer Bahnhofs hat die Fraktion von Bernd Kohn und Friedrich Baumgärtner ein Thema angesprochen, das eine seltenen Einigkeit in der Anklamer Stadtpolitik hervorrufen könnte. Schon jetzt können die beiden Fraktionskollegen auch die CDU dabei auf ihrer Seite wissen – gemeinsam mit den Christdemokraten wurde am Montag ein Antrag in die Anklamer Gremien eingebracht, der das Ziel hatte, den teils desolaten Zustand des Gebäudes und des Außengeländes zügig zu beheben.

Nach einer ersten Diskussion im Finanzausschuss scheint der Wunsch zur Zusammenarbeit für ein schöneres Bahnhofsumfeld aber wohl sogar über alle Fraktionen hinweg zu bestehen. So ganz passen die Ansichten und Ideen dann aber doch noch nicht zusammen. Deshalb will man nun auch nicht auf einen Schnellschuss setzen, sondern lieber mit etwas mehr Zeit im Rücken einen Konsens finden, so der Vorschlag von CDU-Fraktionschef Steffen Göritz.

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GWA-Konzept liegt jetzt vor

Dazu soll auch ein Blick auf das inzwischen vorliegende Konzept der GWA als Grundstücksbesitzerin, dem Jugendprojekt Demokratiebahnhof als Mieter und der Stadt Anklam für die Zukunft des Bahnhofs dienen. Mit dem Papier will man unter anderem auf Fördermittelsuche für die Bahnhofssanierung gehen – immerhin rund 4,5 Millionen Euro Gesamtkosten werden für das umfassende Bauprojekt veranschlagt.

Für den aktuellen – oftmals vermüllten – Zustand speziell an den Bahngleisen und auf dem Bahnsteig will so mancher Stadtvertreter in Anklam indes auch die Deutsche Bahn nicht aus der Pflicht nehmen. „Das ist deren Aufgabe”, betonte etwa die Linke Monika Zeretzke. Hier könne also auch ohne Stadtvertreterbeschluss weiter Druck gemacht werden, findet sie.

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Wirtschaftliches Interesse besteht

Dass beim Bahnhof auch aus Sicht der Stadtverwaltung und speziell der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft Anklam (GWA) ebenfalls Eile geboten ist, bestätigte Anklams Kämmerin Beatrix Wittmann-Stifft, die gleichzeitig Co-Geschäftsführerin der GWA ist. „Dass die Nutzung des Gebäudes aktuell nicht wirtschaftlich ist, ist kein Geheimnis. Schon allein dadurch besteht bei einem Wirtschaftsunternehmen wie der GWA das Bestreben, diesen Zustand zu verändern und möglichst schnell zu handeln”, erklärte sie. Zeitfenster, wie sie nun jedoch zur Debatte standen, seien aus ihrer Sicht aber nicht umsetzbar.

Am Ende zog die CDU den gemeinsamen Antrag mit der Baumgärtner/Kohn-Fraktion zurück. In Abstimmung mit Linke, SPD und der IfA soll dafür eine gemeinsame Vorlage erarbeitet werden. „Wir sind doch eigentlich mit unseren Punkten gar nicht weit voneinander entfernt. Es wäre ein starkes Zeichen, wenn in der Anklamer Stadtpolitik ein durchaus seltener Konsens entstehen könnte. Das würde uns und der Stadtpolitik gut zu Gesicht stehen”, warb etwa CDU-Finanzausschussmitglied Bernd Wieczorkowski für die Zusammenarbeit.

Ähnlich äußerte sich auch Finanzausschussvorsitzende Jürgen Trapp (IfA). Dass die CDU schon einmal bereit sei, im Sinne der Sache den eigenen Antrag zurückzuziehen, sei gut und löblich, hob SPD-Mann Dominik Nauke hervor.

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Beschluss könnte im März folgen

Der Zustand des Bahnhofs soll in den weiteren städtischen Ausschüssen erst einmal nicht diskutiert werden und wird voraussichtlich auch in der Stadtvertretersitzung in der kommenden Woche keine Rolle spielen. CDU-Fraktionschef Steffen Göritz warb stattdessen dafür, sich ausreichend Zeit zu lassen und das Thema in der nächsten Sitzung im März wieder auf die Tagesordnung zu bringen. Die GWA hatte bereits angekündigt, dass im Gebäude und auch im Garten noch in diesem Jahr Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden sollen.

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