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Anklams Bürgervorsteher schmeißt nach 214 Tagen Amt hin

Im Juni wurde Friedrich Baumgärtner als Anklams Bürgervorsteher gewählt, gut ein halbes Jahr später schmeißt er hin.
Im Juni wurde Friedrich Baumgärtner als Anklams Bürgervorsteher gewählt, gut ein halbes Jahr später schmeißt er hin.
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Als „Befreiung“ beschreibt Friedrich Baumgärtner seine Entscheidung, das Amt des Anklamer Bürgervorstehers aufzugeben. Er will zwar weiter als Stadtvertreter fungieren, aber nicht in dieser Position. Persönliche Animositäten haben ihm die Laune gründlich verdorben.

214 Tage war Friedrich Baumgärtner im Amt, dann legte Anklams Bürgervorsteher am Montag im engen Kreis des Stadtpräsidiums seinen Posten nieder. Was andere als schmachvolle politische Niederlage deklarieren würden, beschreibt Baumgärtner derweil als Befreiung. Vom ersten Tag an habe er sich in dieser Position nicht wirklich wohlgefühlt, sagt der Anklamer. Die Entscheidung, deshalb dieses Amt niederzulegen, habe er vier Wochen mit sich herumgetragen, sagt Baumgärtner. Zweifel hätte es dabei nicht gegeben, seine Entscheidung habe sich eher mehr und mehr verfestigt.

Das Gefühl, nicht am richtigen Platz zu sein, hat den Bankchef im Ruhestand vor allem in den Stadtvertretungen begleitet. Vertrauensvoll und ruhig, so schätzt Baumgärtner Gespräche aus seiner Berufszeit als Bankchef. In der Stadtvertretung habe aber ein ganz anderes Klima geherrscht. Vielleicht sei es auch etwas blauäugig gewesen, das Amt als frisch gewählter Stadtvertreter anzunehmen, gibt Baumgärtner zu. Dabei hatte er in seiner neuen Position hehre Ziele: „Ich hatte gedacht, ich könnte die Fronten zwischen CDU und der IfA (Initiativen für Anklam) aufweichen. Ich finde, das wäre vernünftig“, sagt der 65-Jährige. In seiner Amtszeit habe er dagegen den Eindruck gehabt, die Lage in der Stadtvertretung hätte sich eher zugespitzt.

Dabei geht Friedrich Baumgärtner auch mit der IfA offen ins Gericht: vor allem, was die Diskussion um seinen Posten betrifft. Bereits im Dezember war ja die Frage aufgekommen, ob er sich als Bürgervorsteher wohlfühle. Aussagen vom Fraktionsvorsitzenden Norbert Gehrke im Nordkurier, im Januar mit ihm darüber sprechen zu wollen, wertete er als Ultimatum. Darauf habe er nicht warten wollen, sagt Baumgärtner und lieber von sich aus gehen wollen. „Das nehme ich ihm persönlich übel“, sagt er dagegen zu Gehrkes Verhalten. Doch nicht nur über Gehrke redet Baumgärtner nun Tacheles. Einen weiteren wichtigen Grund für seinen Rücktritt macht er ausschließlich an einer Person fest: Monika Zeretzke. Die Linke-Stadtvertreterin beschreibt er als „unerträglich“. „Sie ist immer negativ und haut sofort drauf“, urteilt Baumgärtner. Um dem Paroli zu bieten, sei er schlichtweg zu höflich.

Trotz allem möchte Friedrich Baumgärtner sich nicht ganz aus der Stadtpolitik zurückziehen. Sein Mandat als Stadtvertreter will er weiter erfüllen, genauso wie die Beteiligung im Finanzausschuss und den drei städtischen Gesellschaften.

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