Architektin und Stadtplanerin Susann Milatz und Anklams Bauamtschefin Susan Bienert im Gespräch mit dem Nordkurier.
Architektin und Stadtplanerin Susann Milatz und Anklams Bauamtschefin Susan Bienert im Gespräch mit dem Nordkurier. Anne-Marie Maaß
Am Montag soll der Masterplanentwurf für das Anklamer Peeneufer vorgestellt werden.
Am Montag soll der Masterplanentwurf für das Anklamer Peeneufer vorgestellt werden. Planungsbüro
Anklams Potenziale am Peeneufer sollen mit dem Masterplan aufgezeigt werden.
Anklams Potenziale am Peeneufer sollen mit dem Masterplan aufgezeigt werden. Anne-Marie Maaß
Interview

Anklams Zukunft – Planerinnen stellen sich den Bürgern

Ein Masterplan für die Zukunft von Anklams Peeneufer: Darüber jetzt die Bürger urteilen. Wie aufgeregt die Planerinnen sind und was sie erwarten, erzählten sie Reporterin Anne-Marie Maaß.
Anklam

In den vergangenen anderthalb Jahren wurde für Anklams Peeneufer ein Masterplan erarbeitet. Vor der Beschlussfassung durch die Stadtvertretung im Juni 2022 werden die Planungsergebnisse in einer öffentlichen Bürgerbeteiligung am 11. April 2022, um 17 Uhr im Volkshaus Anklam vorgestellt. Der Masterplan enthält städtebauliche, landschaftsarchitektonische und touristische Planungsansätze. Vorab sprach Reporterin Anne-Marie Maaß mit Architektin Susann Milatz Anklams Bauamtschefin Susan Bienert über Erwartungen an und die Aufregung vor der großen Vorstellung.

 

Fast anderthalb Jahre sind vergangenen, seit sie als Planerinnen-Team mit der Arbeit am Masterplan begonnen haben. Welche Reaktionen der Anklamer erwarten sie sich am Montag. Zustimmendes Nicken, Beifall, Kritik?

Milatz: Die Anklamer waren ja schon an der ersten Ideensammlung beteiligt. Ich hoffe, dass sie weiter aktiv dabei bleiben und die Vision, die wir mit dem Masterplan aufzeigen, mitgestalten. Anklam verfügt über viele Potentiale, Schätze, die gehoben werden können. Dazu zählen neben verfügbaren Flächen und Gebäuden, der Lage an der Peene auch im Plangebiet ansässige Vereine und Unternehmen. Ich könnte mir auch gut vorstellen, einzelne Maßnahmen zusammen in weiteren Beteiligungsrunden zu entwickeln und die Bürger bei der Gestaltung konkret einzubinden.

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Sie haben die erste Ideensammlung, die im März 2019 in der Aula der Käthe-Kollwitz-Schule stattfand, bereits angesprochen. Von konkreten Ferienunterkünften und mehr Bänken am Uferweg bis zur gläsernen Peenebrücke war dabei die Rede. Was ließ sich davon in ihre Planungen einarbeiten?

Dazu muss man zunächst erklären, was ein Masterplan ist und was er kann. Die erste Frage war für uns – wie können wir die vielen Ideen der Anklamer in einen Masterplan übersetzen? Was kann er leisten? Wie wird er für die weitere Stadtentwicklung handhabbar?

Für uns ging es zunächst darum, die vielen Ideen zu sortieren, in Themen zusammenzufassen und schrittweise Leitbilder zu entwickeln. Dabei sind drei große Felder herausgekommen: Das ist zum einen der Dialog und die Zuwendung der Stadt zum Fluss – was gewissermaßen ein Wunsch ist, den viele Anklamer hegen. Dann ist da der Imagewandel vom Peendamm zum Schwedenviertel, wodurch dieser Stadtbereich eine Aufwertung erfahren soll, und nicht zuletzt das große Thema – die Transformation zur Tourismusstadt Anklam.

Ich denke, so finden sich fast 95 Prozent der Vorschläge im Masterplan wieder.

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Sie haben den Masterplan als Planerinnenteam entwickelt. Sie selbst sind gebürtige Anklamerin. Wie war die Arbeit am Masterplan für sie ganz persönlich?

Es war eine ganz beglückende Arbeit. Wir haben viele Gespräche geführt und auch unglaublich viele positive Reaktionen bekommen. Die Anklamer haben durch die neue Gestaltung in der Innenstadt einen unglaublichen Stolz auf ihre Stadt bekommen. Dieser Enthusiasmus ist spürbar, die Entwicklung weiter voranzutreiben. Für mich ist es ein sehr gutes Gefühl, mit meiner Ortskenntnis und meiner beruflichen Expertise einen weiteren Beitrag zur Entwicklung meines Geburtsortes leisten zu können.

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Die Erwartung ist also, dass der Masterplan auch wirklich abgearbeitet wird und nicht in der Schublade landet?

Milatz (lacht): Ich hoffe nicht, dass er in der Schublade landet. Sondern wir haben die einzelnen Projektbereiche so weit herausgearbeitet, dass der Masterplan für die Politik und der Verwaltung eine gute Handreichung sein kann, um sich den einzelnen Gebieten und den jeweiligen Themen zu widmen und konkrete Projekte abzuleiten. Gleichzeitig lässt er aber auch viel Gestaltungsraum.

Ich würde mir wünschen, dass wir am Montag schon über erste konkrete Maßnahmen reden können, die zügig umgesetzt werden und eine gewisse Strahlkraft entwickeln. Natürlich gibt es im Rahmen des Masterplans Vorstellungen etwa zur Lagunenstadt, die weiter gegriffen sind. Aber wir haben beispielsweise auch die weitere Gestaltung der Uferpromenade, die in kleinen Schritten vorangebracht werden kann.

 

Wie hält es die Stadtverwaltung mit der zügigen Umsetzung?

Bienert: Wir wollen den Masterplan ganz gewiss auch nicht im Schreibtisch wegschließen, sondern ich freue mich schon darauf, damit zu arbeiten. Ganz konkret haben wir zum Beispiel bereits erste Gespräche mit der GWA geführt, wie deren Haus gegenüber der Schwedenmühle touristisch genutzt werden könnte.

 

Also ganz im Sinne der Planerinnen?

Milatz: Das ist ein wichtiges Pfund für Anklam. Entscheidende Gebäude und Flächen befinden sich in städtischer Hand oder befinden sich im Besitz der GWA. Das eröffnet natürlich Gestaltungsräume, die dann auch eine Ausstrahlung für das gesamte Gebiet haben können. Ich denke an den Backsteinspeicher im Hafen oder auch die angedachte Markthalle im Schwedenviertel, auch das Eckhaus der GWA ist dort ein zentraler Punkt.

Im Hafenbereich und am Nordufer ist es wichtig, einen entscheidenden Impuls zu setzen, um so auch mehr Menschen auf die mögliche Entwicklung aufmerksam zu machen. Wie schön wäre es, einen Stadthafen zu haben, in dem 20 bis 25 Boote liegen? Der sofort von der Autobrücke aus neugierig macht auf die Stadt. Da kann sich so viel entwickeln.

 

Und ihre Visionen, Frau Bienert?

Bienert: Ich denke, das ist auch ein wichtiger Punkt, der mich selbst letztendlich nach Anklam gelockt hat. Hier ist schon so viel passiert, aber es ist auch noch viel mehr möglich. Natürlich gibt es dabei auch Kritiker. Aber als Greifswalderin sehe ich auch die Entwicklung im dortigen Museumshafen und weiß um die Diskussionen, die vorab geführt wurden. Doch es hat funktioniert. Das würde ich mir auch für Anklam wünschen. Der Masterplan legt eine Grundlage für die Stadtentwicklung in den nächsten vielleicht 20 Jahren. Daran mitzuwirken bleibt unglaublich spannend.

Öffentliche Bürgerbeteiligung

In den vergangenen anderthalb Jahren wurde der Masterplan für Anklams Peeneufer erarbeitet. Vor der Beschlussfassung durch die Stadtvertretung im Juni 2022 werden die Ergebnisse der Planung für das Gebiet des Peendamms sowie der südlich angrenzenden Uferbereiche der Peene vom Anglerkanal bis zum Arado-Kanal in einer öffentlichen Bürgerbeteiligung am 11. April 2022, um 17 Uhr im Volkshaus Anklam vorgestellt.

Der Masterplan enthält städtebauliche, landschaftsarchitektonische und touristische Planungsansätze. Erarbeitet wurden diese von den Autorinnen des Masterplanes, die Büros – milatz.schmidt architekten gmbh Neubrandenburg, Dr. Braun & Barth Freie Architekten Dresden, Noack Landschaftsarchitekten Dresden und Angelika Groh Tourismus Neustrelitz. Sie haben die Leitbildthesen „Dialog und Zuwendung der Stadt zum Fluss”, „Imagewandel vom Peendamm zum Schwedenviertel” und die „Transformation zur Tourismusstadt Anklam” in den Vordergrund gerückt.

Erste Schritte zur Umsetzung werden durch die Definition von sieben Leitprojekträumen vorgeschlagen – dem Stadthafen, den Peene-Terrassen, dem Schwedenviertel, dem Bereich für touristisches Wohnen und Wassersport, der Lagunenstadt, der durchgehenden Peene-Promenade und dem professionellen Tourismusmarkting. Die Leitprojekte werden anhand konkreter Maßnahmen und erster Planungsansätze visualisiert.

Um 16.30 Uhr beginnt der Einlass am Zugang zum Volkshaus in der Parkallee. Die Veranstaltung unterliegt der 3G-Regelung (geimpft/genesen/negativ getestet). Entsprechende Nachweise sind am Einlass vorzulegen. Eine Testmöglichkeit, durch den Veranstalter, wird nicht angeboten.

Es besteht die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske oder Atemschutzmaske. Es besteht kein Zutritt für Besucher mit typischen Symptomen einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV 2, teilt die Stadt mit.

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