BUNDESWASSERSTRAßE

Baden in der Peene bleibt verboten

Viele Kinder und Jugendliche wollen bei den derzeitigen Temperaturen nur eins: ab ins Wasser. Die Peene in Anklam bietet sich als lokale Bademöglichkeit an – erlaubt ist das Baden auf der Bundeswasserstraße aber keinesfalls. Drücken die Behörden bei der Hitze beide Augen zu?
Sophia Brandt Sophia Brandt
Die Jugendlichen springen von der Brücke am Bollwerk, obwohl gerade ein Boot an dieser Stelle die Peene befährt. Sie nehmen kaum Rücksicht auf den Verkehr und begeben sich damit in Lebensgefahr.
Die Jugendlichen springen von der Brücke am Bollwerk, obwohl gerade ein Boot an dieser Stelle die Peene befährt. Sie nehmen kaum Rücksicht auf den Verkehr und begeben sich damit in Lebensgefahr. Sophia Brandt
Anklam.

Die Peene im Zentrum von Anklam bietet sich für viele Minderjährige ohne Auto an, um im Sommer ein Bad in der eigenen Stadt zu nehmen. Allein am vergangenen Wochenende trafen sich bis zu 20 Kinder und Jugendliche an dem Fluss, um gemeinsam ins kühle Wasser zu springen. Vor allem der Sprung von der Holzbrücke am Bollwerk ist eine beliebte Mutprobe für die jungen Leute. Das Schild an der Brücke, das auf ein eindeutiges Badeverbot hinweist, wird kurzer Hand ignoriert.

Das sieht Bodo Krüger, Mitarbeiter für Immobilien- und Umweltmanagement bei der Stadt Anklam, kritisch. „Es handelt sich um eine Bundeswasserstraße, auf der Schiffsverkehr besteht. Das heißt, dass dort auch Motorboote mit PS-starken Motoren unterwegs sind,“ sagt Krüger. Daher sei dort höchste Vorsicht geboten. Krüger kann die Jugendlichen aber auch verstehen: „Natürlich hat die Peene eine hohe Attraktivität im Sommer. Aber in Anklam gibt es keine offiziellen Badestellen,“ sagt er. Das ist auch eine Frage des Geldes. Bei einer offiziellen Badestelle fallen zum Beispiel Kosten für Sanitäranlagen und Rettungsschwimmer an. Rettungsschwimmer könnten in der Peene aufgrund der geringen Sichttiefe von einem Meter aber generell zu wenig sehen.

Wasser nur für Veranstaltungen geprüft

Grund dafür ist unter anderem die Algenblüte, die das Wasser grün färbt. Blaualgen gebe es in der Peene aber glücklicherweise derzeit nicht. Die Stadt ist laut Krüger nicht dazu verpflichtet, das Wasser regelmäßig zu überprüfen. Lediglich zu den Veranstaltungen in der Peene, wie vor dem Peeneschwimmen, wird die Wasserqualität getestet. „Das Wasser der Peene ist aber auf Qualitätsstufe der europäischen Badegewässer“, sagt Krüger. Und wie sieht es nun mit Kontrollen zur Einhaltung des Badeverbots aus?

Die seien zurzeit nicht so streng, aber die Kinder sollen auf den Schiffsverkehr achten. Das bestätigen auch die zahlreichen Badegäste vor Ort. Wenige von den Kindern seien bisher erwischt worden, und selbst wenn, bleibt das meist ohne Folgen. Ein Kind gab an, bereits sechsmal verwarnt worden zu seien, ohne eine Strafe zahlen zu müssen. 30 Euro pro Person kostet normalerweise der Spaß im Wasser. Bevor eine Strafe ausgesprochen werden kann, sind die Jugendlichen oft schon verschwunden.

Bedenken wegen der Wassertiefe

Tatsächlich scheint es an der mangelnden Mitarbeiteranzahl der Polizisten in Anklam zu liegen, dass die Menge der gesammelten Strafgelder bisher so „auffallend gering“ sei. Zumindest ist das die Meinung vom Hafenmeister Wolfgang Chudaske in Anklam. Er sieht den Sprung in die Bundeswasserstraße als sehr gefährlich an. Für ihn gibt es daher bei diesem Thema auch keine Kompromisse: „Das Baden in der Peene zwischen Eisenbahnbrücke und Autobrücke ist verboten, Punkt!“ Vor allem gibt er zu bedenken, dass die Wassertiefe aufgrund der Hitze am Rand des Flusses auf vier Meter gesunken sei. Bei einem Sprung vom Rand der Brücke ist die Gefahr einer Verletzung damit erhöht.

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