EHRENAMT

Ball der Vereine im Zeichen der Wende

Der Ball der Vereine gilt als Dankeschön der Stadt für die viele ehrenamtliche Arbeit, die in Anklam geleistet wird. Am Samstagabend stand dieser ganz im Zeichen der Geschichte.
Anne-Marie Maaß Anne-Marie Maaß
Die „Pausenklöner“ füllten die Tanzfläche.  Fotos: Anne-Marie Maaß
Die „Pausenklöner“ füllten die Tanzfläche. Anne-Marie Maaß
Der Abend stand ganz im Zeichen der deutschen Wiedervereinigung.
Der Abend stand ganz im Zeichen der deutschen Wiedervereinigung. Anne-Marie Maaß
Der Knabenchor sang zur Eröffnung.
Der Knabenchor sang zur Eröffnung. Anne-Marie Maaß
Dieses Mal gab es zum Ball Live-Musik.
Dieses Mal gab es zum Ball Live-Musik. Anne-Marie Maaß
Ehemaliger Theater-Intendant Wolfgang Bordel äußerte seine Gedanken zur Wende.
Ehemaliger Theater-Intendant Wolfgang Bordel äußerte seine Gedanken zur Wende. Anne-Marie Maaß
Anklam.

Wer am 9. November feiern wollte, der kam in diesem Jahr erst recht nicht am Mauerfall vorbei. Immerhin jährte sich der entscheidende Tag in der deutschen Geschichte nun bereits zum 30. Mal. Auch die beiden Festveranstaltungen der Stadt, der Ball der Vereine und der Seniorenkaffeenachmittag, standen in diesem Jahr ganz im Zeichen der Wende. Zumal es mit Günther Schabowski ja auch noch ein gebürtiger Anklamer war, der die unverzügliche Reisefreiheit für die DDR-Bürger am Abend des 9. November 1989 bekannt gab, erklärte Bürgermeister Michael Galander. Beide Veranstaltungen sollten zudem dem festlichen Anlass entsprechend in diesem Jahr auch das Motto „Wendezeit“ aufgreifen.

Bekannt vor und nach der Wende war etwa der Anklamer Knabenchor, der in diesem Jahr für den kulturellen Beitrag sorgte. Eines zeigte sich dabei: Lampenfieber, hatten die 13 Jungen auf der Bühne anscheinend nicht. Immerhin gehört schon viel Mut dazu, in einer so großen Halle gegen das Stimmengewirr von rund 300 Gästen anzusingen. Diese dankten es den jungen Chorsängern am Ende mit Applaus.

Mit Günter Schabowski verkündete ein gebürtige Anklamer die Öffnung der Mauer

Deutlich mehr Bühnenerfahrung brachten die „Pausenklöner“ mit, die mit Live-Musik in diesem Jahr für Tanzstimmung sorgen sollten. Bevor es soweit war, kam allerdings auch noch einmal Anklams langjähriger Theater-Intendant Wolfgang Bordel zu Wort, der die Geschehnisse im Herbst 1989 im Anklamer Theater begleitete. Keine Festrede wollte er äußern, sondern seine Gedanken zur Wende. So sei es in gewisser Weise bedauerlich, dass mit Schabowski zwar ein gebürtiger Anklamer, allerdings ein Mitglied des Politbüros, am Ende die Öffnung der Mauer verkündete und nicht diejenigen, die sich zuvor dafür eingesetzt hatten. Auch die Tage, Wochen und Monate danach seien für viele Forderungen, die zuvor im Raum standen, zu früh gekommen, bilanziert Bordel. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, sagte er. Nach dem Mauerfall seien auch in Anklam das Theater und die Marienkirche wieder leer gewesen.

Dennoch: Immer, wenn eine Grenze fällt, sei dies ein Grund zur Freude und zeige auch geschichtlich, dass spätestens nach der großen Chinesischen Mauer, solche Bauwerke kein Bestand haben, so Bordel. Zudem sei ihm als Anekdote erst bei der Einweihung der Gedenktafel am Theater bewusst geworden, dass ja auch Anklams Bürgermeister Michael Galander ohne Mauerfall gar nicht in Anklam wäre. Das sei kaum vorzustellen und schon sehr traurig, wenn man sich vorstellen müsste, dass der Bürgermeister heute immer noch in Niedersachsen leben müsste, ohne Anklam zu kennen, witzelte der ehemalige Intendant. Gleichzeitig äußerte er seine Freude darüber, beim Ball der Vereine sprechen zu dürfen. Die Vereine seien das Salz in der Suppe im Zusammenleben in der Stadt.

Dem konnten auch Bürgermeister Michael Galander und Bürgervorsteher Andreas Brüsch (beide IfA) nur beipflichten. Sie hatten an diesem Abend für die vielen Vereine, die in diesem Jahr noch auf ihre Zuschüsse von der Stadt warteten, eine frohe Botschaft zu übermitteln: Der Bürgermeister habe die Zahlung aller Zuschüsse für das Vereinsleben angewiesen. In den kommenden zwei Wochen sollte das Geld somit spätestens auf den entsprechenden Konten ankommen. Wie darauf die Kommunalaufsicht des Landkreises reagieren wird, dürfte sich noch zeigen. Ins Gefängnis werde der Bürgermeister dafür nicht kommen, erklärte Bürgervorsteher Brüsch.

Ein später Höhepunkt der Ballnacht war wie in jedem Jahr wieder die Tombola. Die Frage, wer Astschere, Laubsauger oder Nachtschrank mit nach Hause nehmen durfte, klärte in diesem Jahr die Losfee vom Anklamer Schützenverein.

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