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Baustelle und Stau-Ärger in Anklam - Straßenbauamt stellt sich Debatte

Kommt es an diesem Wochenende wieder zum großen Stau an der Peenebrücke? Beim Straßenbauamt hofft man, dass bereits getroffene Maßnahmen wirken, in der Stadt ist man skeptisch.
Am Freitagnachmittag nahm der Stau in beide Richtungen durch die Bauarbeiten an der Anklamer Peenebrücke wieder deutlich
Am Freitagnachmittag nahm der Stau in beide Richtungen durch die Bauarbeiten an der Anklamer Peenebrücke wieder deutlich zu. Henning Stallmeyer
Anklam.

Das vergangene Stauwochenende rund um Anklam hat nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische ordentlich Nerven gekostet. So sehr, dass die Stadtpolitiker das für die Brückenbaustelle zuständige Straßenbauamt Neustrelitz nun sogar zum Krisengespräch nach Anklam bat. Eine Einladung, der der stellvertretende Amtsleiter Andreas Herold und Sachgebietsleiterin Annemarie Schaak als kompetente Gesprächspartner folgten.

Sie standen am Donnerstag nun dem Anklamer Hauptausschuss Rede und Antwort. Dass am zurückliegenden Wochenende ein Rückstau bis weit hinter Murchin und Wartezeiten von bis zu zwei Stunden in beide Richtungen entstanden, sei auch im Amt bereits ausgewertet worden. Herold spricht von einer bedauerlichen Verkettung mehrerer Faktoren.

So sei der defekte Bahnübergang in Koserow auf der Insel Usedom wohl Schuld daran gewesen, dass noch mehr Reiseverkehr als üblich über Anklam ging. Zusätzlich leitete das Bluetooth-gestützte Leitsystem den Fahrzeugverkehr in das Nadelöhr. Dann folgte noch ein Unfall südlich der Peene auf der Anklamer Ortsumgehung. Alles in allem also keine besten Voraussetzungen für den starken Ferienabreiseverkehr und das erste Wochenende mit Tagestouristen an der Ostseeküste – so das nüchterne Fazit.

Warum das niemanden vorher eingefallen sei, wollte der sichtlich erregte Anklamer Bürgervorsteher Andreas Brüsch wissen. Er fürchtet durch die Staubelastung nach wie vor um die Einzelhändler und Gewerbetreibenden in der Stadt und hat sogar einen Brief an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) verfasst.

Andreas Herold kann die Wogen der ersten Tage der Stau-Baustelle durchaus nachvollziehen, wenn auch der „emotionale Ton“ aus Anklam aus seiner Sicht mitunter „überzogen formuliert“ gewesen sei. Mittlerweile hätten sich die Stauzeiten auf bis zu eine halbe Stunde Wartezeit normalisiert. Die Ampelzeiten wurden verlängert, die technische Verkehrslenkung per Bluetooth ausgeschaltet.

Intelligente Ampel hat nie funktioniert

Ampeltechnisch ist die Situation nahezu optimal ausgereizt, so der stellvertretende Amtsleiter. Auf die Frage von IfA-Fraktionschef Christian Schröder hin, ob nicht eine intelligente Ampel, wie zuletzt bei der Bahnbrücke eingesetzt, den Verkehr besser leiten könne, gesteht Annemarie Schaak sogar einen Schwindel ein: So hätte die weitaus teurere, vermeintlich bessere Ampel damals ebenfalls keinen großen Unterschied gemacht und nicht richtig funktioniert. Sie wurde sogar nach kurzer Zeit wieder umgestellt, erklärt sie. Das System eigne sich für wechselhafte Verkehrsströme. In Anklam sei die Grundlast allerdings in beide Richtungen hoch. Auch eine manuelle Ampelschaltung zu Spitzenzeiten würde daher wohl nur wenig ändern, ergänzt Herold. An finanziellen Gründen scheitere es dagegen nicht, betonte er mehrfach.

Anklams Bürgermeister Michael Galander appellierte dennoch, die manuelle Schaltung wenigsten bei großen Stau-Ereignissen zu versuchen.

Auch über das Thema Nacht- und Schichtarbeit wurde im Straßenbauamt diskutiert, versichert Annemarie Schaak. Nachts würden aber schlichtweg Temperatur und Luftfeuchtigkeit für die anstehenden Arbeiten nicht passen. Generell mangele es an Firmen und Mitarbeitern, um die Bauzeiten noch weiter auszureizen. Ohnehin könne es immer wieder zu Ruhezeiten auf der Baustelle kommen, damit etwa der Korrosionsschutz trocknen kann oder wenn über zusätzliche Maßnahmen im Bauablauf beraten werden müsse. Erst bei der Abtragung der Asphaltschicht seien zudem weitere Schäden am Unterbau der Straße zu erkennen gewesen. Auch diese müssen nun im Zuge der Arbeiten noch behoben werden. Ein Befahren der Baustelle während dieser Phasen sei aufgrund von technischen Gegebenheiten nicht möglich, so Herold.

Auch auf die Frage von SPD-Mann Dr. Uwe Schultz, warum die Anklamer Peenebrücke bereits rund 30 Jahre nach ihrer Fertigstellung derart aufwendig saniert werden muss, hat Annemarie Schaak eine Antwort parat. So werden Brücken nach heutigem Standard mit einer Lebensdauer von rund 100 Jahren geplant. Die Anklamer Peenebrücke sei dennoch ein Sonderfall in mehrfacher Hinsicht. So wurde sie noch zu DDR-Zeiten geplant und nach der Wende fertiggestellt. Demzufolge seien auch viele unterschiedliche Baustoffe verwandt worden, was nun nicht unbedingt zum Vorteil für die Langlebigkeit und den Erhalt des Bauwerks sei. Zum anderen ist die Brücke heutzutage einer ganz anderen Belastung ausgesetzt. „Das hält die Brücke aus, dafür wurde sie gebaut. Aber nach 30 Jahren unter diesen Lasten zeigen sich dann eben auch schon Spuren“, verdeutlicht Schaak.

Schilder an der Autobahn sollen kommen

Diskussionspunkt waren zudem im Hauptausschuss auch die Schilder, die ab der kommenden Woche bereits an der Autobahn auf die Baustelle in Anklam und auf die Alternativroute über Wolgast hinweisen sollen. Andreas Brüsch (IfA) zeigte sich davon nicht begeistert. Immerhin würden so noch mehr Touristen von Anklamer Geschäften ferngehalten, lautete seine Devise. Dies sah die Mehrheit in der Runde jedoch anders.

„Es geht nicht nur um die Unternehmer, sondern auch um die vielen Pendler und Menschen in der Region, die täglich die Brücke passieren müssen“, so Monika Zeretzke. Auch Anklams Bürgermeister Michael Galander pflichtete ihr bei, dass die Anklamer Unternehmen wohl am meisten davon profitieren, wenn die Menschen aus dem Umland wieder mehr oder weniger ungehindert in die Stadt gelangen können. E-Mails von aufgebrachten Bürgern, die bei der Stadt landen, werde er weiterhin postwendend an Neustrelitz weiterleiten – auch damit klar werde, wie groß der Image-Schaden für die Region sei.

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