Ärger auf dem Land

Baut der neue Pächter jetzt doch eine Mauer um den Schlosspark?

Findlinge am Schlosspark: Einige Bewohner fühlen sich von der neuesten Maßnahme des Pächters überrumpelt, der hat jedoch schlüssige Gründe für sein Tun.
Pächter und Hotelbetreiber Philipp Skaar hat vor knapp einem Jahr das Schloss übernommen und schon in den ersten Woc
Pächter und Hotelbetreiber Philipp Skaar hat vor knapp einem Jahr das Schloss übernommen und schon in den ersten Wochen im Schloss und dem angrenzenden Park aufgeräumt und mit der Sanierung begonnen. Eine neue Maßnahme sorgt für Anwohner-Ärger. Mareike Klinkenberg/Archiv
An dieser Stellen verschwand ein alter Garagenkomplex und macht den Block frei in den Schlosspark. Einige Anwohner ärgern
An dieser Stellen verschwand ein alter Garagenkomplex und macht den Block frei in den Schlosspark. Einige Anwohner ärgern sich jedoch über die „Mauer” aus Feldsteinen. Mareike Klinkenberg
Für Hotelier Philipp Skaar sind Spaziergänger und Besucher immer herzlich willkommen im Schlosspark Neetzow, doch ei
Für Hotelier Philipp Skaar sind Spaziergänger und Besucher immer herzlich willkommen im Schlosspark Neetzow, doch ein paar Regeln musste er für ein entspanntes Miteinander schwarz auf weiß festhalten. Mareike Klinkenberg
Diese Findlinge trennen die Kastanienallee vom Park und machen deutlich wo die öffentliche Dorfstraße endet und das
Diese Findlinge trennen die Kastanienallee vom Park und machen deutlich wo die öffentliche Dorfstraße endet und das Gartenareal beginnt. Mareike Klinkenberg
Neetzow

„In Neetzow wird am Tag der Republik eine Mauer gebaut”, heißt es in einer alarmierenden Mitteilung an die Nordkurier-Redaktion und weiter: „Das Schloss Neetzow möchte sich scheinbar von den Dorfbewohnern abgrenzen!” Die anonyme Schreiberin betont außerdem, dass die Nachbarschaft vor vollendete Tatsachen gestellt wurde und schließt ihr Schreiben grußlos mit den Worten: „Kommen auch bald wieder Soldaten?”

Hintergrund: Neuer Lebensabschnitt im Schloss seines Großvaters

Findlinge gegen Autofahrer und Gartenabfall

Die den idyllischen Landschaftspark verschandelnde „Mauer” entpuppt sich bei einem Vororttermin in Neetzow als eine Linie aufgereihter Findlinge, die sich durch das Herbstlaub entlang der Kopfsteinpflasterstraße rund um das Gelände schlängeln. Schlosspächter und Hotelbetreiber Philipp Skaar hat gute Gründe, die ihn zu dieser steinigen Maßnahme geführt haben.

Vor knapp einem Jahr hat er das Haus übernommen und schon in den ersten Wochen im Schloss und dem angrenzenden Park aufgeräumt und mit der Sanierung begonnen. Zu den „Altlasten”, die er gern beräumen wollte, zählten unter anderem 16 baufällige Garagen am Rande des Parks, entlang der Allee. Schützenhilfe in dieser Sache bekam Hotelier Skaar von Neetzows Bürgermeister Matthias Falk, der diesem Anliegen nicht nur beipflichtete, sondern es auch tatkräftig vonseiten der Gemeinde unterstützte.

Schandfleck abgerissen

Die über 50 Jahre alten Bauten stammten noch aus den Zeiten, als das Schloss das Institut für Landwirtschaft beherbergte. Seit der Wende wurden sie von einzelnen Anwohnern einfach weiter genutzt, obwohl sie zum verkauften Schlosskomplex gehörten. Einige waren vollgemüllt zurückgelassen worden und andere waren komplett verfallen. Ein Schandfleck für den Hotelier, der den Park Stück für Stück in alten englischen Gartenbaustil erstrahlen lassen will, mit seinen Baumdenkmälern und dazugehörigen Sichtachsen. Dafür sorgte er nun für klare Verhältnisse und ließ die Garagen abreißen.

In einem Brief an seine Nachbarn bat er außerdem um Verständnis für eine weitere Maßnahme: „Um in Zukunft die Grundstücksgrenze des Landschaftsparks entlang der Kastanienallee unmissverständlich verdeutlichen zu können, haben wir im Zuge der vollzogenen Abriss- und Entsorgungsarbeiten neue Feldsteine setzen lassen, die eine natürlich anmutende, aber für jedermann erkennbare Linie gegen widerrechtliches Befahren oder Parken von Fahrzeugen, aber auch gegen widerrechtliches Abladen von Gartenabfällen, Unrat und Schutt zieht.”

Schlosspächter wehrt sich gegen „Mauerbau”-Vorwurf

Skaar verwehrt sich gegen den Vorwurf eine Mauer zwischen dem Schloss und den Neetzowern zu ziehen. Ihm liegt jedoch der Park am Herzen, den er mit eigenen Mitteln und viel Energie wieder erstrahlen lassen will – für seine Hausgäste und auch für die Einheimischen. Er macht deutlich, dass der Park weiterhin für jeden frei begehbar ist und öffentlich zugänglich bleiben wird, wünscht sich aber im Gegenzug, dass die Anlage auch mit dem nötigen Respekt genutzt wird.

Das bedeutet für ihn, dass hier zukünftig niemand mehr seinen Müll, Bauschutt oder Gartenabfälle ablädt oder Teile als private Abstellfläche nutzt, auch wenn das alles in der Vergangenheit mehr oder weniger so geschehen ist und geduldet wurde.

Bürgermeister wirbt für Aufräumaktion

Bei den direkten Anrainern sorgen diese Schritte augenscheinlich für Missfallen, wie die Leserpost vermuten lässt, aber es gibt natürlich auch Befürworter. Noch sei die neue Parkansicht ein ungewohnter Anblick für sie, erzählt eine Neetzowerin im Vorbeigehen, aber sie sei schon sehr gespannt darauf, wie sich der Park entwickeln wird. Bürgermeister Falk bekräftigt außerdem sein Versprechen, dass er gemeinsam mit einigen Einwohnern, jetzt im Herbst auch selbst bei einer weiteren Aufräumaktion mit anpacken würde, und beispielsweise Totholz auf dem Gelände sammeln könnte.

Schlosspächter Philipp Skaar hofft, dass sich die Wogen bald wieder glätten und den Neetzowern bewusst wird, was für ein Juwel sie inmitten ihres Dorfes haben und wie sie es gemeinsam schützen und nutzen können. „Denn gerade das Betreten des Parks zu Erholungszwecken wird von uns nach wie vor sehr gern gesehen und mit der Schaffung von Verweilorten im Park auch gezielt gefördert, sowohl für unsere Hotelgäste wie auch den Bewohnern vom Dorf Neetzow”, erklärt er.

Sei es durch Parkbänke, Hängematten oder auch Kinderschaukeln, die dazu einladen sollen, den wunderschönen alten Baumbestand und die darin lebende Artenvielfalt beobachten und genießen zu können. Im Gegenzug erwarte er Respekt vor den im Privateigentum stehenden Flächen des Parks sowie zukünftig einen sorgsameren Umgang damit.

Über die nächsten Wintermonate wird er das Schlosshotel in diesem Jahr komplett schießen, um sich weiterhin den nötigen Renovierungsarbeiten zu widmen. Im März 2022 will er dann mit einem rundum sanierten Objekt in seine zweite Saison starten und auch für die hat der rührige Unternehmer schon wieder allerhand Ideen im Kopf.

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Kommentare (3)

...Mauer bauen haben die Neuen schnell übernommen.

alte Gewohnheiten manchmal nur schwer abzulegen.
Um es vorweg zu sagen: Ich bin "Ostdeutscher". Seit 64 Jahren.
Aber mir haben die vermüllten, verlodderten und absichtlich mit geschmacklosen Hütten vollgestellten alten Schlösser und Parks auch schon früher nur wehgetan.
Wunderpare Entwürfe deutscher, französischer und englischer Gartenarchitekten wurden verhunzt, verunstaltet und oft auch vernichtet von einer an Dummheit, Ignoranz und Geschmacklosigkeit nicht zu überbietenden Ideologie realsozialistischer Funktionäre. Und bei illegaler (oder sogar legaler) Müllentsorgung in diesen Arealen wurde absichtlich weggesehen.
Jetzt kommen Menschen, die es aufgrund ihrer Vermögenslage können und lassen wenigstens einiges davon wieder herrichten.
Logisch, dass sich niemand in den Garten schei...en lassen möchte. Würden die Schreihälse auch nicht gern dulden.
Aber der Neid und die alte nie überwundene Ideologie (Junker, Ritter, Gutsbesitzer = Ausbeuter) machen sie immer noch jähzornig und giftig.
Schade...

Warum, reagiert man, auf einen anonymen Brief, sowas gehört, ins Feuer. Mut einen Brief zu schreiben, aber ohne Absender ist feige und blöd