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Bei Rotlicht wird ein Auge zugedrückt

Dem Ordnungsamt sind "Lotterbetten" in Anklam ein Dorn im Auge. Eine Anbieterin für Erotik-Massagen hat sich nach eigenen Angaben schon bei der IHK beschwert.
Dem Ordnungsamt sind "Lotterbetten" in Anklam ein Dorn im Auge. Eine Anbieterin für Erotik-Massagen hat sich nach eigenen Angaben schon bei der IHK beschwert.
Gabriel Kords

Käufliche Liebe ist in Städten unter 15 000 Einwohner nicht erlaubt, sagt das Land. Der Anklamer Ordnungsamtschef Bierwerth will dies in Anklam durchsetzen, doch findet er nicht nur Befürworter: Erotik-Masseuse Carmen beschwert sich.

Bordelle in Anklam sind illegal und gehören verboten – so sieht es ein Erlass des Schweriner Innenministeriums aus dem Jahr 1992 vor. Schon seit Jahren gibt es in Anklam sogenannte Massage-Studios, wobei es in der Stadt die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass dort weitaus mehr passiert als nur Hand auflegen. Dirk Bierwerth, der städtische Fachbereichsleiter für Ordnung und Sicherheit, hat die Sündentempel nun ins Visier genommen und will massiv dagegen zu Felde ziehen.

Und so einige „Anbieter“ haben die harte Hand des Gesetzes in Anklam schon zu spüren bekommen. Darunter „Erotik-Masseuse“ Carmen, die vor Kurzem ein neues Etablissement an der Pasewalker Straße eröffnete. Für sie ist das ein Unding: „Herr Bierwerth hat im Gespräch mit mir ja sogar eingeräumt, dass es zwei Anbieterinnen von Erotik-Massagen in der Stadt gibt“, berichtet sie. „Da ist es doch unverständlich, warum ich das nicht darf.“ Sie hat sich jetzt sogar bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Neubrandenburg beschwert: „Da gibt es extra eine Ansprechpartnerin für Fälle wie mich.“

Carmen ist bei Krankenkassen zugelassen

Im Übrigen sei sie gelernte Masseurin, sagt Carmen: „Ich bin bei Krankenkassen zugelassen in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Und derartige Massagen will mir die Stadt auch erlauben, nur eben nicht die Erotik-Massagen.“ Doch damit will sich Carmen nicht zufriedengeben: „Ich werde kämpfen bis zum letzten - denn das, was hier passiert, finde ich ungerecht!“ Im Übrigen sei sie doch auch nichts anderes als eine Geschäftsfrau, die in Anklam investieren wolle: „Und nach so etwas wird hierzulande doch immer gesucht.“ Wenn es in Anklam nichts wird, sagt Carmen, dann geht sie eben nach Wolgast oder Loitz.

Galander belustigt

Ordnungsamts-Chef Dirk Bierwerth wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Dafür war Bürgermeister Michael Galander für ein offenes Wort zu haben. Und auch in dieser Sache kommen der Rathauschef und sein unbeliebtester Abteilungsleiter auf keinen gemeinsamen Nenner: Der Erlass des Schweriner Innenministeriums habe zwar noch Gültigkeit. Doch im Kommentar stellten die Schweriner Ministerialbeamten dann klar, dass sie damit Rauschgift- und Menschenhandel sowie Bandenkriminalität bekämpfen wolle. Doch das träfe auf die in Anklam ansässigen Etablissements nicht zu. „Außerdem haben wir in Sachen Ordnung und Sicherheit ernsthaftere Probleme“, schätzt Galander ein und weiß sich da auf einer Linie mit Vertretern der Polizei. So drückt sich der Anklamer Bürgermeister zwar um eine klare Antwort. Doch widerspricht er nicht der These, dass man in Anklam doch eigentlich alle Hühneraugen zudrücken könnte, wenn es um käuflichen Sex geht.

Über den Eifer seines Fachbereichsleiters zeigt sich Galander belustigt: Er wisse, dass sich die Ermittlungsbehörden bei dem Thema sehr schwer täten. Und auch Herr Bierwerth werde nur sehr schwer beweisen können, dass es in den Anklamer Massagesalons letztendlich zum „finalen Akt“ kommen würde.

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