Problem-Tier
Biber viel zu clever für den Biber-Täuscher

Ein sogenannter Bibertäuscher sorgt dafür, dass das Wasser nicht mehr von Biberburgen gestaut wird, sondern über ein Rohrsystem aus Kunststoff ablaufen kann.
Ein sogenannter Bibertäuscher sorgt dafür, dass das Wasser nicht mehr von Biberburgen gestaut wird, sondern über ein Rohrsystem aus Kunststoff ablaufen kann.
Philipp Schulz

Biber werden in der Region durch ihre intensive Verbreitung zu einem Problem. Landwirte und Gewässerwarte klagen den starken Bau von Biberdämmen und dadurch entstehende Verluste durch Überflutungen an.

Das Greifswalder Ostseeviertel liegt zum Teil direkt am Ryck. Hier wurden in den vergangenen Jahren neben den Neubaublocks vor allem Reihenhäuser für junge Familien gebaut, fast bis runter an den Treidelpfad, der als Damm das Wohngebiet vom Fluss trennt. Damit im Ernstfall, falls der Ryck über die Ufer treten sollte, niemand nasse Füße bekommt, gibt es hier auch Rückhaltebecken und ein Grabensystem, um das zusätzliche Wasser abzufangen. In diesem System aus drei Teichen und Gräben hat sich nun auch der Biber eingerichtet. Von den Bewohnern wird der seltene Gast, so nahe an besiedeltem Gebiet, freundlich aufgenommen. Der Eigenbetrieb Abwasser der Stadtwerke Greifswald beobachtete den Biber jedoch mit Sorge. Immerhin schaffte er es, das Rückhaltebecken so weit aufzustauen, dass es fast zu 80 bis 90 Prozent ausgelastet ist. Im Ernstfall würde also der Sinn des Beckens nicht mehr greifen.

Deswegen hat man sich für eine besondere Lösung entschieden, wie der Projektingenieur des Abwasserwerkes, Peter Franke, erklärte: „Wir haben Ende März einen Bibertäuscher installiert, damit der Biber am Ort bleiben kann, aber der Wasserstand nicht über einen bestimmten Stand steigt.“ Der Bibertäuscher funktioniert denkbar einfach. Über ein Rohrsystem aus Kunststoff, dass durch den Damm geführt wird, kann das Wasser ablaufen und wird nicht mehr gestaut. Im Fall von Greifswald wurde der Wasserstand um 40 Zentimeter gesenkt. „Jetzt liegt der Eingang zur Biberburg leider teilweise über dem Wasserspiegel, wir müssen schauen, wie sich das Tier verhält.“ Das Ziel ist, die Biber am Standort zu halten und trotzdem einen Schaden durch seinen Dammbau zu vermeiden.

Bibertäuscher ist keine Allzwecklösung

Die Planung und Konzeption für eine solche Bibertäuschung übernimmt die UmweltPlan GmbH in Stralsund, die auch durch das Land mit dem Bibermanagement betraut ist. Kai Schmidt stellt klar heraus; Eine Allzwecklösung ist der Täuscher nicht. „In Vorpommern haben wir bis jetzt nur wenige Bibertäuscher eingesetzt, was vor allem formale Gründe hat. Es entstünden Montage- und Unterhaltungskosten, zudem sei der Einbau unter Wasser ein gewisser Aufwand. „Die Untere Naturschutzbehörde nimmt jeden Bibertäuscher ab. Unter anderem muss auch eine bestimmte Wassertiefe an der Biberburg vorgehalten werden, um die Lebensweise der Tiere zu schützen.“ Das ginge nicht überall, wie Schmidt erklärt.

Diese Ansicht unterstreicht auch Jens Uhthoff, der als Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes (WBV) „Untere-Peene“ viel Zeit mit den Bibern verbringen muss: „Wir haben einen Bibertäuscher im Oldenburger Holz und überlegen derzeit einen weiteren im Quilower Forst einzusetzen, wirklich attraktiv ist die Option für uns jedoch nicht.“ Denn der WBV müsste die Unterhaltungskosten nach aktuellem Stand zu 100 Prozent selbst tragen, eine Förderung durch das Land gebe es nicht. „Der Biber ist schlau, die finden relativ schnell heraus, wo das Loch ist und machen es wieder zu oder bauen woanders“, nennt Uhthoff die Bedenken. Diese haben sich auch in Greifswald bereits bewahrheitet. Schon 2016 hat der Eigenbetrieb Abwasser einen Bibertäuscher im Greifswalder Elisenhain installiert. Das Tier hat den Bau schon nach wenigen Wochen einige Meter weiter neu aufgebaut.

Alternative nur für Einzelfälle

Hinzu komme, wie Uhthoff erklärt, dass ein großer Teil des WBV-Gebietes zu flach sei für die Bibertäuscher. „Wir müssen einen Wasserstand von rund einem Meter vorhalten, damit das Tier trotzdem seine Burg betreiben kann, dass würde aber an einigen Stellen einen Rückstau des Wassers von fast einem Kilometer und mehr bedeuten.“ Zu viel für das Pommersche Flachland mit den vielen landwirtschaftlichen genutzten Flächen. So bleibt der Bibertäuscher wohl auch nur eine gute Alternative für spezielle Einzelfälle und keine Allzweckwaffe gegen die Sorgen der Landwirte und Gewässerwerte.

Kommentare (1)

greift hier ein Korrektiv? Schön, dass man den Biber wieder beobachten kann, nun sollte er, wie andere Wildtiere auch, bejagt werden. Er liefert schmackhaftes gesundes Fleisch.