Interview

Neue Fußballchefin ist nicht wegen der Frauenquote an der Spitze

Diana Räder-Krause (50) ist die erste Frau an der Spitze des Fußballverbandes und erklärt, warum es ihr nicht schwer fällt, das Schiri-Leben aufzugeben.
Führungswechsel im Fußballkreis: Diana Räder-Krause ist die erste Frau an der Spitze.
Führungswechsel im Fußballkreis: Diana Räder-Krause ist die erste Frau an der Spitze. Dennis Bacher
Spantekow

Frau Räder-Krause, nach Ihrer Wahl zur Vorsitzenden im Fußballkreis kündigten Sie an, ihre Tätigkeit als Schiedsrichterin im nächsten Jahr beenden zu wollen. Wie schwer fällt ihnen der geplante Rücktritt vom Schiri-Dasein?

Um ehrlich zu sein, gar nicht so schwer. Das Miteinander, auf und neben dem Platz, ist in den letzten zehn Jahren ein bisschen verloren gegangen. Früher saß man mit Spielern und Vereinsvertretern oft noch nach dem Spiel zusammen, das gibt es heute leider gar nicht mehr. Außerdem ist der Ton auf dem Platz viel aggressiver geworden. Da habe ich auch ein bisschen den Spaß verloren.

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Zuletzt tauchte ein Video aus Loitz auf, auf dem ein Schiri-Kollege aus Görmin offenbar von einem Kreisliga-Spieler körperlich angegangen wird.

Auf diesem Video sieht man ganz deutlich, welchen Situationen sich unsere Schiedsrichter heute zum Teil aussetzen müssen. Da muss man sich dann auch nicht fragen, warum immer weniger Leute Lust haben zu pfeifen.

Sie werden das Kartenset und die Trillerpfeife also gar nicht vermissen?

Sicherlich wird etwas fehlen, ich hänge nach wie vor daran. Ich muss auch sagen, dass ich als Frau immer einen fairen Umgang genossen habe. Der Großteil aller Spieler ist ja in Ordnung. Nach 30 Jahren ist für mich aber jetzt genug.

Durch ihre Wahl zur Vorsitzenden wurde Ihre Position als Chefin des Schiri-Ausschusses frei. Halten Sie Christian Lieckfeldt vom SV Eintracht Ahlbeck für einen geeigneten Nachfolger?

Ich kenne Christian sehr gut und habe ihn in den vergangenen Monaten bereits an die Arbeit herangeführt. Er wollte sein Pädagogik-Studium beenden, bevor er die Aufgabe übernimmt. Im kommenden Frühjahr ist es soweit. Ich habe viel Vertrauen in ihn.

Sie kündigten an, Ihren Mitbewerber Jonas Dietrich „mit ins Boot“ holen zu wollen. Welche Aufgabe könnte er im Vorstand bekommen?

Dabei könnte es sich um eine Position handeln, die unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit beinhalten soll. Jonas kommt aus einer jüngeren Generation und könnte auf jeden Fall frischen Wind in den Vorstand mitbringen. Ich hoffe, er steht dafür bereit.

Zurück zu Ihrer Person: Sie sind die erste Frau an der Spitze des Fußballkreises. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Ich war jetzt 30 Jahre lang als Schiedsrichterin in der Männerdomäne „Fußball“ unterwegs und konnte mich immer gut durchsetzen. Ich gehe davon aus, dass das auch weiterhin funktioniert. Ich bin nicht angetreten, um etwas für die Frauenquote im Verband zu tun – auf dieses Gleis möchte ich nicht abgestellt werden. Ich halte mich aufgrund meiner Erfahrung für die richtige Person und hoffe, den Fußballverband entscheidend voranbringen zu können.

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