WARNREFLEKTOREN FÜR WILD

Blaues Leuchten und der umstrittene Nutzen

Mehr als 2000 Wildunfälle werden pro Jahr in der Region gezählt. Für die Unfallprävention wurden in den vergangenen Jahren mehrere Hundert Wildwarnreflektoren installiert. Eine aktuelle Studie zieht deren Wirkung jetzt allerdings in Zweifel.
Karsten Riemer Karsten Riemer
Ein typisch blauer Wildwarnreflektor wurde an einem Begrenzungspfahl montiert. Hier entlang der B 109 zwischen Diedrichshagen und Hanshagen, übernahmen Jäger die Installation in Eigenleistung.
Ein typisch blauer Wildwarnreflektor wurde an einem Begrenzungspfahl montiert. Hier entlang der B 109 zwischen Diedrichshagen und Hanshagen, übernahmen Jäger die Installation in Eigenleistung. Karsten Riemer
Vorpommern.

Während der Fahrt sind die blauen Zusatzreflektoren an den Begrenzungspfählen für den Autofahrer kaum zu sehen. Im Gegensatz zu den normalen weißen Reflektoren fällt kein Licht zurück auf die Straße. Für die Straße und die Autofahrer sind die Reflektoren schließlich auch gar nicht gedacht. Die Abstrahlwirkung richtet sich auf Feld- oder Waldgebiete. Durch die Reflexion des Scheinwerferlichts herannahender Autos, soll etwaiges Wild davon abgehalten werden die Straße zu überqueren. Die Präventionsmaßnahme gegen Wildunfälle wurde in den vergangenen Jahren in der Region Stück für Stück ausgebaut.

Testgebiet für neue Präventionsmethoden

„Die überwiegende Anzahl der Wildunfälle geschehen auf Bundes- und Landesstraßen“, so Pressesprecherin Ulrike Sennewald vom Verkehrsministerium. Allein im Kreis Vorpommern-Greifswald kam es im Jahr 2017 zu 2395 Unfällen mit Wild. Aufgrund der konstant hohen Zahlen wurde bereits im Jahr 2009 zwischen verschiedenen Behörden und den Jagdverbänden vereinbart, neue Möglichkeiten zu testen, um die Zahl der Wildunfälle zu senken. Vor allem auf Strecken mit einer statistisch hohen Wildunfallgefahr sollten die blauen Reflektoren helfen.

Im gesamten Land Mecklenburg-Vorpommern beträgt die Länge der Teststrecken rund 38 Kilometer. Auf den Kreis Vorpommern-Greifswald entfallen davon rund sieben Kilometer, an denen das Straßenbauamt die Wildwarner seit 2010 installiert hat. Rund fünf Euro kostete jeder der gut 300 Reflektoren. Hinzu kommen die Kosten für die Anbringung. Im Verlauf der B 109 zwischen Rollwitz und der Kreisgrenze zur Uckermark sowie an der Landesstraße 32 zwischen Torgelow und Eggesin finden sich weitere Reflektoren.

Einen genauen Überblick hat niemand

„Hinzu kommen Strecken, die nicht näher erfasst wurden“, so Sennewald. In diesen Bereichen übernahmen die anliegenden Jagdausübungsberechtigten die Installation in Eigenleistung. Genaue Karten liegen dazu allerdings nicht vor. „Im Bereich Diedrichshagen und Hanshagen haben wir solche Reflektoren installiert“, sagte der Vorsitzende des Jagdverbandes Ostvorpommern Ronald Matthäus. „Aber selbst wir als Verband haben keine komplette Übersicht“, fügte er an.

Ob die Wildwarnreflektoren den gewünschten Effekt erzielen, ist umstritten. Die ersten Auswertungen seitens der Behörden sind da eher ernüchternd. „Es konnte bisher nicht nachgewiesen werden, welchen Beitrag die Wildwarnreflektoren bei der Bekämpfung von Wildunfällen zu leisten imstande sind“, erklärt Ulrike Sennewald auf Nachfrage. Eine groß angelegte Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Darin heißt es, dass eine Änderung des Verhaltens der Wildtiere nicht erkennbar sei. Die UDV plädiert daher auf eine bauliche Trennung von Wild und Kraftfahrzeug durch Wildschutzzäune, wie sie beispielsweise auf Autobahnen schon lange üblich sind. Eine Lösung, die natürlich deutlich teurer ist, als die Reflektoren.

Ronald Matthäus vom Jagdverband Ostvorpommern weiß um diese Zweifel an der Wirksamkeit des blauen Lichts. Für ihn zeichnet sich allerdings ein deutlich positiveres Bild. „Wir haben bislang sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die Unfallzahlen sind rückläufig“, gab er an. „Jeder Unfall, der dadurch verhindert werden kann, ist ein Gewinn“, so Matthäus.

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