Auf dem jüdischen Friedhof in Anklam erinnern Grabsteine an ehemalige Einwohner.
Auf dem jüdischen Friedhof in Anklam erinnern Grabsteine an ehemalige Einwohner. Matthias Diekhoff
Das Buch berichtet über die Schicksale Anklamer Juden.
Das Buch berichtet über die Schicksale Anklamer Juden. Matthias Diekhoff
Zur Erinnerung

Buch setzt jüdischen Bürgern ein Denkmal

Sie kamen erst spät nach Anklam, waren aber bald voll integriert. Im Jahr 1941 gab es keine jüdischen Einwohner mehr in Anklam. Eine neue Publikation berichtet von ihren Schicksalen.
Anklam

In seiner Form und Farbe erinnert das Buch an die Stolpersteine, die auch in Anklam auf das oft tragische Schicksal jüdischer Bürger aufmerksam machen. Auf über hundert Seiten erfährt man darin unter anderem, wer sie waren, wie sie gelebt und welche Rolle sie in Anklam gespielt haben. Darum sei es besonders wichtig, dass „Ich lebe und liebe meine Heimat ... Lebenslinien Anklamer Jüdinnen und Juden” noch in diesem Jahr erschienen ist, sagte Eva Dinse vom Präventionsrat der Stadt Anklam bei der Präsentation des Buches. Schließlich werde das Jahr 2021 als Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland” begangen.

Finanziert von jüdischem Unternehmer aus Berlin

Entstanden ist das Buch in Zusammenarbeit von Präventionsrat, dem Historischen Verein Anklam und Umgebung und dem Leiter des Museums im Steintor, Dr. Wilfried Hornburg, mit dem Projekt „Kriegsgräber” an der Europaschule Rövershagen, deren Teilnehmer Recherchen und Zuarbeiten geleistet haben. Finanziert wurde das Buch unter anderem durch einen jüdischen Unternehmer aus Berlin, den Historischen Verein, die Stadt Anklam und den Lions-Club Anklam.

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Wie es in dem Buch heißt, das im Museum im Steintor gegen eine Spende erhältlich ist, wurden zwar bereits im 14. Jahrhundert jüdische Einwohner in Anklam erwähnt, wirklich erwünscht waren sie aber nie. Das änderte sich erst, als 1812 ein entsprechendes Aufenthaltsverbot aufgehoben wurde, erklärte Dr. Wilfried Hornburg. Immer mehr jüdische Händler und Kaufleute kamen an die Peene, so dass Anklam im Jahr 1843 mit 200 Juden die drittgrößte jüdische Gemeinde des Regierungsbezirkes Stettin hatte. Bereits 1841 wurde die Synagoge in der Mägdestraße feierlich eingeweiht. Die jüdischen Bürger seien voll im öffentlichen Leben der Stadt integriert gewesen. Auch brachte die jüdische Gemeinde in Anklam bekannte Namen hervor, wie zum Beispiel den Autor Julius Urgiß, der das Drehbuch für den Film „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins” mit Hans Albers schrieb. Nicht zu vergessen auch, dass die Gründer des Kaufhauses Wertheim aus Anklam kamen.

Namen sollen nicht vergessen werden

Aber auch von weniger prominenten Bürgern berichtet das Buch. Von einigen Familien gibt es mehr zu erfahren, von anderen weniger. Zum Teil gibt es noch nicht einmal Fotos der ehemaligen Anklamer. Aber immerhin ihre Namen. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist” lautet ein Zitat aus dem Talmud, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums. Und eben dieses Zitat habe die Stadt Anklam als Aufforderung verstanden, dafür zu sorgen, heißt es im Vorwort von Bürgermeister Michael Galander, dass die „jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die während der nationalsozialistischen Herrschaft unermessliches Leid erfuhren und Opfer dieses Regimes wurden, unvergessen bleiben.”

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