Kirchenbibliothek
Bücherschatz: Forscher kehrt zurück

Pastor Bernd-Ulrich Gienke (rechts) und Christoph Krasemann ließen die Besucher dem Loitzer Bücherschatz ziemlich nahe kommen.
Pastor Bernd-Ulrich Gienke (rechts) und Christoph Krasemann ließen die Besucher dem Loitzer Bücherschatz ziemlich nahe kommen.
Ulrike Rosenstädt

Wenn Mitarbeiter der Greifswalder Universität auch mal in der Provinz vorbeischauen, kommt das gut an. Vor allem, wenn es dann die Gelegenheit gibt, in die wertvolle Kirchenbibliothek schauen.

Weil er nicht wollte, dass seine Forschungsergebnisse in der Wissenschaft verschwinden, machte sich der Theologe Dr. Christoph Krasemann jetzt auf den Weg nach Loitz. Damit kehrte der Absolvent der Greifswalder Universität genau an den Ort zurück, der ihm für seine wissenschaftliche Arbeit 2017 zu einem erstaunlichen Quellenfundus verhalf – der Loitzer Kirchenbibliothek. In der befindet sich nämlich ein Exemplar einer hebräischen Bibel, deren Erscheinen auf das Jahr 1584 datiert wird.

Die Loitzer Bibel hat viele beeinflusst

Im Zuge eines Ankaufs soll das Buch um 1700 nach Loitz gekommen sein. Dieses Werk hat offenbar schon früh Sprachforscher und Autoren beeinflusst, denn es diente auch dem sächsischen Hebraisten Elias Hutter, der Mitte des 16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts lebte, als Grundlage beim Verfassen seiner Schriften auf Hebräisch.

Das Wirken und die Werke von Hutter waren Gegenstand der Forschung von Krasemann. Sein Interesse an diesem Thema und sicher auch die Lust, einmal der wertvollen Loitzer Kirchenbibliothek ganz nahe zu kommen, teilen offenbar mehr Menschen als vermutet: „Es waren an die 35 Gäste zum Vortrag nach Loitz gekommen. Das an einem frühen Donnerstagabend, das ist sehr gut“, zollte der Loitzer Pastor Bernd-Ulrich Gienke sowohl dem jungen Theologen als auch den Greifswalder Uni-Mitarbeitern seinen Respekt. Diese hatten den Vortrag am 21. März 2019 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Universität in der Region“ nach Loitz gebracht.

Rund 600 Bände umfasst der Schatz

Nachdem der 28-jährige Krasemann, der gerade ein Vikariat in Hagenow absolviert, im geheizten Gemeinderaum darüber sprach, wie einst Hebräisch gelernt wurde, nämlich auch mithilfe dieser Bibel, die sich heute im Besitz der Loitzer Kirchenbibliothek befindet, öffnete sich für die Besucher am Donnerstagabend eine weitere Tür – die zum Bücherschatz. In dem Raum war es zwar empfindlich kalt, aber sehr spannend! Denn der Schatz umfasst rund 600 Bände, die bis zu 400 Jahre alt sind.

Dass diese Sammlung in den vergangenen zwei Jahren von sich reden gemacht hatte, ist auch der Bucharchäologin Dr. Britta Kruse zu verdanken. Sie hatte den Bestand gesichtet und geholfen, die erste Notsicherung der zum Teil sehr stark beschädigten Bände anzuschieben. Ihr hat auch der junge Theologe Krasemann den Hinweis auf Hutter-Schriften in Loitz zu verdanken.

Mehr als 400 Jahre alte Bibel

Besonders spannend wurde es für die historisch interessierten Besucher, als Dr. Christoph Krasemann einige der handschriftlichen Einträge von Hutter präsentierte. Allein das Buch, eine mehr als 400 Jahre alte, auf Hebräisch verfasste Bibel, zu öffnen, die zu den wertvollsten der 600 Bände zählt, hatte etwas Magisches. Um das Papier zu schonen, hatte Krasemann während seiner Forschungszeit Fotos von zahlreichen Textpassagen gemacht und sie in Greifswald an der Uni genau ausgewertet.

Wer bei seinem Vortrag in Loitz nicht dabei sein konnte, sich aber für das Thema „Wie man einst Hebräisch lernte“ interessiert, der sei auf das Erscheinen einer Broschüre vertröstet, die – begleitend zum Vortrag – demnächst erscheinen soll. Vorausgesetzt, dieses Vorhaben wird umgesetzt, kommt ganz sicher auch die Loitzer Kirchenbibliothek als wichtige Quelle für Wissenschaft und historische Forschungen darin vor.