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Carmen aus Jarmen hat jetzt ein Bett in Anklam

Von Jarmen nach Anklam: Carmen und ihre besonderen Dienstleistungen.
Von Jarmen nach Anklam: Carmen und ihre besonderen Dienstleistungen.
Gabriel Kords

Neuigkeiten aus dem Anklamer Rotlicht: Da will jetzt eine Carmen aus Jarmen einen neuen Glanzpunkt setzen. Aber Moment mal, die kennen wir doch: Richtig, im Juni hatten wir über sie berichtet. Da gab‘s Stress wegen ihres Massagestudios neben einer Kita bei Jarmen. Und einige Kunden waren – Liebe macht blind – aus Versehen in die Kita gestolpert.

Das mit der Kita, das kann an der neuen Adresse in Anklam schon einmal nicht passieren. In dem Eckhaus an der Pasewalker Straße gibt es noch ein paar Privatwohnungen, nebenan ist eine Pizzeria und gegenüber residiert die CDU. Aber mit diesen Nachbarn soll es dieses Mal keinen Ärger geben, hofft Carmen und geht auf Kuschelkurs. Die 45-Jährige hatte im Juni für Aufregung in Zarrenthin bei Jarmen gesorgt, denn im dortigen Gutshaus versprach sie „erotische Treffen“, Haus an Haus mit einer Kindertagesstätte. Und dorthin lief mancher ihrer Kunden auch erst mal, was Eltern und Erziehern in der Kita natürlich gar nicht passte.

Damals machte Carmen übrigens offiziell noch in Fußpflege, in Anklam ist die Sache jetzt etwas eindeutiger: Nicht nur, dass an dem Haus auf Reklame-Tafeln von „Erotik-Kino“ und „Massage-Studio“ die Rede ist – hier sind auch gleich mehrere Damen am Werk. Das zumindest verspricht ein einschlägiges Internet-Portal, das für die neue Anklamer Adresse aktuell sechs Frauen auflistet, die hier ihre Dienste anbieten. Wobei es dann doch nicht so viele sind, wie die Angaben im Netz vermuten lassen: „Aktuell ist es außer mir noch eine weitere Frau“, sagt Carmen. Man habe da noch technische Probleme mit der Internet-Seite...

„die normalste Sache der Welt“

Sie findet: Das Ganze ist völlig legal und eigentlich „die normalste Sache der Welt“. Nur dass es inAnklam besonders schwierig sei: Mit dem Ordnungsamt wurde hart verhandelt und noch ist man unterschiedlicher Auffassung, ob Carmen das darf, was sie tut. Aber was ist das überhaupt? „Ich vermiete wochenweise Zimmer hier im Haus an freischaffende Frauen“, sagt sie. Und dann? Im Angebot sind Massagen und mehr, „von zart bis hart“, heißt es im Internet. Aber legal sei das alles, sagt Carmen: „Auch käuflicher Sex ist nicht verboten. Und wer bei mir arbeitet, hat sein Gewerbe angemeldet und ist natürlich auch volljährig.“ Zoll und Finanzamt kämen regelmäßig zur Prüfung vorbei: „Wir zahlen auch unsere Steuern“, gelobt Carmen.

Vom Rotlicht-Brennpunkt Hannover nach Anklam

Sie gibt sich demonstrativ gesprächig, wenn’s um ihre Dienstleistungen geht – auch wenn sie lieber nicht möchte, dass ihr voller Name in der Zeitung steht. Und das hat einen simplen Grund: „Ich wohne selbst ganz in der Nähe von Anklam und habe dort auch Familie.“ Wenngleich in ihrem Dorf sowieso fast jeder weiß, was sie macht: „Manche achten es und manche verachten es, aber für die habe ich nur ein Lächeln übrig“, sagt sie.

Bevor sie aus familiären Gründen in ihre Heimat zurückkehrte, hat sie lange in Hannover gearbeitet, einem der großen Rotlicht-Brennpunkte Deutschlands. Aber genau diesen Trubel will Carmen jetzt nicht mehr und zündet deshalb in Anklam nur ein kleines Lämpchen an.