Rechte Netzwerke?

CDU will sich Anklam nicht schlechtreden lassen

Die CDU-Kandidaten für die Anklamer Stadtvertretung haben über Facebook eine lange Stellungnahme veröffentlicht, in der sich die Partei zu dem Artikel im Zeit-Magazin über rechte Strukturen in der Hansestadt, äußert.
Philipp Schulz Philipp Schulz
Die CDU-Kandidaten für die Anklamer Stadtvertretung rufen die Anklamer auf, Leserbriefe zu schreiben und sich über die Berichterstattung von WDR und Zeit-Magazin zu beschweren.
Die CDU-Kandidaten für die Anklamer Stadtvertretung rufen die Anklamer auf, Leserbriefe zu schreiben und sich über die Berichterstattung von WDR und Zeit-Magazin zu beschweren. Anne-Marie Maaß
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Anklam.

Auch wenn die Berichterstattung über rechte Netzwerke in Anklam schon zwei Wochen alt ist, treibt sie viele Menschen immer noch um. Nachdem die Mitglieder des Hauptausschusses der Stadt jedoch auf Anfrage der CDU keine gemeinsame Stellungnahme veröffentlichen wollten, taten die Christdemokraten das jetzt selbst – mittels Facebook.

Neben Kritik an den „sogenannten Journalisten“, besonders der Wochenzeitung „Zeit“, die schon öfter negativ über Anklam geschrieben hätte, und an der Einseitigkeit der Berichterstattung wird auch die Frage aufgeworfen, warum die Journalisten nicht auch über „mafiöse Strukturen in deutschen Großstädten“ oder die Gefahr, die von Linksextremismus ausgeht, schreiben würden. Mit dem Bekenntnis: „Denn wir lieben unsere Heimat, wir alle sind Anklam!“ rufen die CDUler dazu auf, den Machern der Reportagen in Leserbriefen und Internet-Netzwerken die Meinung zu sagen.

Andere Stadtvertreter halten den Vorstoß für falsch

Hannes Campe steht auf Platz Eins der CDU-Liste für die kommende Wahl. Er dementiert, dass es sich bei der Stellungnahme um Populismus und Wahlkampf handele: „Die einseitige Berichterstattung ist nicht zielführend für die Darstellung von Anklam. Das wollten wir klarstellen.“ Die Vergleiche mit Clans in Köln hält er für gerechtfertigt. „Natürlich haben wir relativiert. Um zu zeigen, wie einseitig der Bericht war.“

Andere Anklamer Stadtvertreter halten den Vorstoß der CDU für falsch. Christian Schröder (IfA) erklärte: „Ein merkwürdiges Statement von der CDU. Sicherlich das, was die Anklamer hören wollen, aber bestimmt nicht das, was sie gerade brauchen.“ Er will lieber durch positive Arbeit als durch Online-Statements Ausrufezeichen setzen. Monika Zeretzke (Die Linke), die den Artikel selbst nicht für glücklich hält, sieht auch Vorteile: „Das kleine Positive an dem Artikel ist, dass die Anklamer über das Thema diskutieren und gegebenenfalls entsprechende Unternehmer und Gastrobetriebe schneiden können.“

Dr. Uwe Schultz (SPD) mahnte zur Ruhe. „Es bringt nichts, das jetzt so zu dramatisieren. Aber die CDU darf die Lage nicht verklären, es gibt diese Netzwerke. Wenn wir ihnen nicht entgegentreten, machen sie sich weiter breit.“

"Müssen uns mit den Problemen auseinandersetzen!"

Die deutlichsten Worte fand Christopher Denda, der als Sprecher für das Bündnis „Anklam für alle“ auftritt: „Anstatt nur auf andere zu deuten, wie die CDU-Kandidaten es hier versuchen, müssen wir uns aktiv mit den Problemen in unserer Region auseinandersetzen. Dazu gehören eben auch rechte Firmennetzwerke, die sich unter dem Label „Handwerker Anklam“ zusammengefunden haben. Das ist eine Qualität, die es anderswo so nicht gibt.“ Alle sind sich einig, dass der Weg gegen rechte Strukturen vor allem über die Vereinsarbeit laufen muss – Wahlkampf hin oder her.

Hier finden Sie die komplette Stellungnahme der CDU: