Ab jetzt hauptsächlich nur noch als Bürgermeister unterwegs: CDU-Urgestein Bernd Schubert.
Ab jetzt hauptsächlich nur noch als Bürgermeister unterwegs: CDU-Urgestein Bernd Schubert. Anne-Marie Maaß
Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) und sein Vertreter Bernd Schubert (CDU) im Büro der Außenste
Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) und sein Vertreter Bernd Schubert (CDU) im Büro der Außenstelle im Anklamer Lilienthal-Center. Beide pflegen ein konstruktives Miteinander und duzen sich. NK-Archiv/Foetzke
Einer der letzten Termine für Bernd Schubert (CDU) als Stellvetreter des Parlamentarischen Staatssekretärs für Vorpommern, Patrick Dahlemann (SPD, 2. v. li.): Mitglieder des Vorpommern-Rates übergaben in Greifswald die fertige Vorpommern-Strategie an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.
Einer der letzten Termine für Bernd Schubert (CDU) als Stellvetreter des Parlamentarischen Staatssekretärs für Vorpommern, Patrick Dahlemann (SPD, 2. v. li.): Mitglieder des Vorpommern-Rates übergaben in Greifswald die fertige Vorpommern-Strategie an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. NK-Archiv/Richter
Politiker-Rente: Schubert und Merkel bei einem Vorpommernbesuch der langjährigen Kanzlerin
Politiker-Rente: Schubert und Merkel bei einem Vorpommernbesuch der langjährigen Kanzlerin NK-Archiv/Malangré
Bernd Schubert und der Traum von der Freiheit auf zwei Rädern. Doch die Honda Shadow stand bis jetzt zumeist in der Garag
Bernd Schubert und der Traum von der Freiheit auf zwei Rädern. Doch die Honda Shadow stand bis jetzt zumeist in der Garage. Das könnte sich bald ändern. NK-Archiv/Foetzke
Aus der Anklamer Zeitung vom 23. September 2002: Bernd Schubert gewann bei der Landtagswahl das Mandat in Ostvorpommern.
Aus der Anklamer Zeitung vom 23. September 2002: Bernd Schubert gewann bei der Landtagswahl das Mandat in Ostvorpommern. NK-Archiv
Abschied von Schwerin

CDU-Urgestein Bernd Schubert geht in die Politik-Rente

Für Bernd Schubert soll mit der großen Politik nach fast zwei Jahrzehnten wirklich Schluss sein. Dafür bleibt in seiner Heimatgemeinde noch einiges zu tun.
Ducherow

Die Schlüsselkarte für die Staatskanzlei ist bereits abgegeben, in der kommenden Woche steht noch einmal eine Fahrt nach Schwerin an, dann soll er die letzte Technik übergeben. Und danach? Dann ist Bernd Schubert einfach nur noch Bürgermeister der Gemeinde Ducherow. Da gibt es durchaus viel zu tun und noch einiges zu bewegen, bis 2024 auch diese Amtszeit endet, erklärt er nicht ohne Enthusiasmus.

Zum Gespräch mit dem Nordkurier für einen Rückblick auf fast zwei Jahrzehnte Politikkarriere in Schwerin kommt er entspannt und gut gelaunt an diesem Vormittag auf dem Anklamer Marktplatz an. Beim Kaffee in der Herbstsonne lässt Bernd Schubert aber dennoch keine Zweifel daran, dass er auch als „Rentner” hier wohl trotzdem nicht so oft zu sehen sein wird, dafür gibt es einfach zu viele Baustellen – im Privaten als auch in seiner Gemeinde.

Ab jetzt hauptsächlich nur noch als Bürgermeister unterwegs: CDU-Urgestein Bernd Schubert.

Ab jetzt hauptsächlich nur noch als Bürgermeister unterwegs: CDU-Urgestein Bernd Schubert. – Foto: Anne-Marie Maaß

Freier, entspannter, gelöster

Dennoch sei er nun durchaus freier, gibt er zu. Allein die Anspannung im Gespräch mit Medienvertretern, die als Landespolitiker immer mitschwang, sei nun gelöster. Zuletzt hatte sein Parteikollege und ebenfalls ein CDU-Urgestein im Schweriner Landtag Egbert Liskow erklärt, sich daran ebenfalls nie so wirklich gewöhnt zu haben.

Der große Aufschlag und das Rampenlicht seien ohnehin nie Schuberts Ziele gewesen. „Am schönsten war es immer, wenn ich Menschen helfen konnte. Im Großen wie mit kleinen, aber dennoch für die einzelnen Personen sehr wichtigen Dingen oder wenn ich ihnen zumindest gut erklären konnte, warum manches nicht geht – auch das ist in der Politik eben so”, sagt er.

Im Dienste der Bürger unterwegs

Der 66-Jährige hat ohnehin die Rolle des Kümmerers im positiven Sinn für sich gefunden. So war er von 2007 bis 2011 Bürgerbeauftragter des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er vertrat in dieser Funktion die Mecklenburger und Vorpommern bei Problemen mit Verwaltung und Behörden, versuchte an vielen Stellen zu vermitteln und Lösungen zu finden. Eine intensive Zeit, die viele Begegnungen und Kontakte brachte, die damit auch den eigenen Horizont noch einmal ganz klar erweitert habe, sagt Schubert rückblickend. Aus dieser Zeit stamme auch sein Bemühen, Bürgern möglichst verständliche und klare Antworten zu liefern, selbst wenn diese nicht das gewünschte Ergebnis bringen.

„Ich bin ja kein studierter Jurist. Als ich als Bürgerbeauftragter die ersten Antwortschreiben abzeichnen sollte, hatte ich selbst zu tun, diese zu verstehen. Die Gesetzestexte waren sicherlich fundiert und richtig, aber für den normalen Menschen kaum nachzuvollziehen. Daran haben wir dann gemeinsam mit den Mitarbeitern gearbeitet, da hat ein Umdenken stattgefunden”, berichtet er.

Bürgermeisteramt hat gefehlt

So wichtig die Aufgabe als Bürgerbeauftragter war, war sie aus politischer Sicht dennoch ein schwerer Schritt für Bernd Schubert. Für diese Aufgabe musste er zuvor alle Ämter aufgegeben – das im Landtag ebenso wie das des Bürgermeisters. Rückblickend habe er den Posten in der eigenen Gemeinde am meisten vermisst. „Für die Leute war ich trotzdem noch irgendwie der Bürgermeister”, sagt er. Leicht sei die Entscheidung für ihn persönlich dennoch nicht gewesen. Deshalb folgte dann auch das vorzeitige Ende als Bürgerbeauftragter zur Wahl 2011.

Ebenfalls kein Schritt ohne Risiko. „Es blieb die Frage, wie würden die Menschen darauf reagieren, wenn ich mich wieder aufstellen lasse? Vor allem, nachdem ich das Mandat nach der Wahl 2006 schon einmal zurückgegeben hatte”, erklärt er die damaligen Bedenken, die am Ende grundlos blieben. Die Vorpommern wählten ihn wieder, als Landtagsabgeordneten – und später auch als Bürgermeister.

Beide Seiten der Politik miterlebt

Im Landtag hat Schubert seit seiner Erstwahl 2002 alle Phasen miterlebt, so etwa die Oppositionsrolle unter der rot-roten Landesregierung. „Klar tritt man in dieser Funktion anders auf”, sagt der Polit-Haudegen. Als die Bereitschaftspolizei in dieser Zeit aus Anklam abgezogen wurde, handelte er sich einst sogar ein umstrittenes Hausverbot vom damaligen Innenminister ein. Das bleibt im Gedächtnis.

Aus der Anklamer Zeitung vom 23. September 2002: Bernd Schubert gewann bei der Landtagswahl das Mandat in Ostvorpommern.

Aus der Anklamer Zeitung vom 23. September 2002: Bernd Schubert gewann bei der Landtagswahl das Mandat in Ostvorpommern.

 

Aber auch die Regierungsverantwortung seiner Partei unter Rot-Schwarz hatte seine Herausforderungen. Dazu zählt das lange Ringen um den Erhalt des Anklamer Krankenhaus. Als dort die Fördermillionen kamen, hatte Schubert bereits seine bittere Wahlniederlage 2016 erlitten und war abgewählt. Froh über das Erreichte war er dennoch: „Mir war sofort klar, wenn hier zig Millionen Euro Förderung für das neue Bettenhaus fließen, ist der Klinikstandort Anklam über Jahrzehnte gesichert”, sagt er. Das sei die wichtigste Nachricht gewesen, alles weitere zweitrangig.

Leise Töne und die richtigen Kontakte

Ohnehin war Bernd Schubert nie der Lautsprecher für eigene Erfolge. Er versuchte, eher über viele Kontakte innerhalb und außerhalb der eigenen Fraktion für Sachthemen zu kämpfen. Eine unglückliche Formulierung zur langen Suche nach den richtigen Türen im Landtag brachte ihm einst den Spott seiner politischen Konkurrenz ein. Zum Inhalt seiner Aussage steht Schubert bis heute – es geht nicht ohne Verbündete. Da seien das feine Schwert und die richtigen Allianzen oftmals effektiver, als sich mit der Brechstange durchsetzten zu wollen – auch das ist Politik.

Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) und sein Vertreter Bernd Schubert (CDU) im Büro der Außenste

Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) und sein Vertreter Bernd Schubert (CDU) im Büro der Außenstelle im Anklamer Lilienthal-Center. Beide pflegen ein konstruktives Miteinander und duzen sich. – Foto: NK-Archiv/Foetzke

Zuletzt nicht mehr im Landtag vertreten, blieb Bernd Schubert im Dienste der Landespolitik und reiste als Stellvertreter des Vorpommern-Staatssekretärs durch die Region. Er begleitete viele Projekte von großen Fördersummen wie etwa in Bröllin oder am Kamp, bis hin zu Förderungen von neuen Musikinstrumenten für eine Blaskapelle. Auch die deutsch-polnische Zusammenarbeit hat er in dieser Position unterstützt. „Es hat mir viel Spaß gemacht und ich habe noch einmal die eigene Heimat viel intensiver kennengelernt”, sagt er.

Rückblick: Erstes Arbeitstreffen von Dahlemann und Schubert

Die Heimat neu kennengelernt

Rückschauend habe die Außenstelle der Staatskanzlei in Anklam viele Ideen und Projekte vorangebracht, die es sonst wohl schwer gehabt hätten, in Schwerin Gehör zu finden. Gerade die Verbindung zwischen dem Strategie- und Vorpommernfonds sei oft der Schlüssel für Investitionen gewesen. „Für die Menschen sind es eben oftmals die vergleichsweise kleinen Projekte direkt vor Ort, die den Unterschied ausmachen”, zieht er Fazit. Das sollte die Landespolitik auch zukünftig beherzigen und das Erreichte nicht abreißen lassen. Um die Umsetzung müssen sich nun andere kümmern.

 

Bernd Schubert will die kommenden Jahre in Ducherow nutzen. Auch dort stehen noch Millionen-Projekte an oder werden gerade umgesetzt. „Wenn die Bauphase losgeht, mache ich innerlich immer einen Haken und weiß, jetzt wird das Projekt auch zu Ende gebracht”, gibt der lang erfahrene Lokalpolitiker vor. Bis 2024 will er noch möglichst viele Haken machen können – dann soll auch als Bürgermeister und im Kreistag der Ruhestand folgen. „Irgendwann muss man einen Schlussstrich ziehen und Jüngere ranlassen. Ich bin da ganz optimistisch und kann nur dazu animieren, sich auch in der Lokalpolitik einzubringen”, sagt Schubert.

Noch steht das Motorrad in der Garage

Privat ist er derzeit nach dem Schicksalsschlag im Sommer – als ein Blitz sein Haus in Ducherow in Brand setzte – mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Im kommenden Jahr wollen die Schuberts wieder in die eigenen vier Wände einziehen können. In ihrer jetzigen Wohnung seien sie in der Not gut untergekommen, das eigene Zuhause vermissen sie trotzdem.

Bernd Schubert und der Traum von der Freiheit auf zwei Rädern. Doch die Honda Shadow stand bis jetzt zumeist in der Garag

Bernd Schubert und der Traum von der Freiheit auf zwei Rädern. Doch die Honda Shadow stand bis jetzt zumeist in der Garage. Das könnte sich bald ändern. – Foto: NK-Archiv/Foetzke

Und dann gibt es für Bernd Schubert zuguterletzt auch noch das eigene Motorrad, das viel zu lange schon in der Garage steht. Es ist eine Leidenschaft, der er als Hobby in den vergangenen Jahren bei allen Fahrten nach Schwerin kaum nachgehen konnte. Einen Verkauf der Maschine brachte er dennoch nicht übers Herz. Gerade einmal rund 1.000 Kilometer stehen derzeit auf dem Tacho – mal sehen, wann sich das ändern wird.

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