Die Unimedizin Greifswald reduziert ab Montag ihre Operationen auf lebensnotwendige Eingriffe. Aktuell würden an der Unim
Die Unimedizin Greifswald reduziert ab Montag ihre Operationen auf lebensnotwendige Eingriffe. Aktuell würden an der Unimedizin 47 Patienten mit COVID-19 behandelt, 15 davon auf der Intensivstation. Stefan Sauer
Viele Corona-Ansteckungen

Chef der Unimedizin sieht dramatische Lage – ab Montag nur noch Notfälle

Dramatisch hohe Corona-Infektionszahlen führen ab Montag zu schwerwiegenden Behandlungs-Einschränkungen an der Unimedizin Greifswald. Der Vorstandschef ruft dringend zu Impfungen auf.
Greifswald

Knapp zwei Jahre nach dem Erstausbruch von Corona-Virus im chinesischen Wuhan hat die Ansteckungsrate im Landkreis Vorpommern-Greifswald mit einer Inzidenz von 630 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche (Stand: 16.12.) den höchsten Stand in Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Die Ärzteschaft ist alarmiert.

Nur noch Notfälle

Die Lage sei dramatisch, sagte der Vorstandschef der Unimedizin Greifswald, Prof. Klaus Hahnenkamp. Ab Montag könnten an der Universitätsmedizin Greifswald nur noch Notfälle behandelt sowie Tumoroperationen und Eingriffe durchgeführt werden, die bei Nichtdurchführung lebensverkürzend wären.

Aktuell würden an der Unimedizin 47 Patienten mit Covid-19 behandelt, 15 davon auf der Intensivstation. Dazu kommen fünf nicht mehr ansteckende COVID-19-Patienten, die weiter intensivmedizinisch behandelt werden müssten. 19 der 73 vorhandenen Intensivbetten für Erwachsene werden aktuell für akut Covid-19-Erkrankte vorgehalten.

„Situation deutlich schlechter als letztes Jahr”

„Wir sind auf der vorletzten Stufe des internen Stufenplans zur Versorgung in der Pandemie angekommen“, sagte der Intensivmediziner. Es würden bereits mögliche Kapazitätserweiterungen und Verlegungen in andere Kliniken geprüft. „Wir brauchen die OP-Teams jetzt dringend zur Verstärkung auf der Intensivstation.Die Situation ist deutlich schlechter als im vergangenen Jahr“, unterstrich der Professor.

An die Bevölkerung, insbesondere an die noch immer Unentschlossenen, appellierte er: „Bitte lassen Sie sich impfen!“ Alle schweren Verläufe und Todesfälle auf der Intensivstation seien derzeit ungeimpfte Frauen und Männer oder hochbetagte und mehrfach vorerkrankte Menschen.

Mit einer Hospitalisierungs-Inzidenz von 7,2 befinde sich der Landkreis derzeit in der Warnstufe Rot (4), sagte Landrat Michael Sack (CDU). Die Intensivstationen im Landkreis seien zu 117 überlastet. Besonders rasant breite sich die Pandemie derzeit in der Stadt Anklam (Inzidenz Stand 16.12.: 1.172) und im Amt Löcknitz-Penkun (1.096) aus.

Landrat Sack: Kostenlosen Corona-Test vor dem Fest oder Silvester machen

Vor einem Jahr noch habe er oft in Gesprächen mit Einwohnern gehört, dass sie keinen an Corona erkrankten Menschen kennen würden. „Das ist jetzt völlig anders“, sagte Sack. Viele Ungeimpfte, die sich jetzt infizierten, seien nach 10 bis 14 Tagen im Krankenhaus. „Und wir rechnen noch mit erheblich höheren Zahlen, vor allem, wenn die neue Variante Omikron den Landkreis erreicht.“

Sack verwies darauf, dass zurzeit 73 Schnelltestzentren im Landkreis verfügbar sind, viele von ihnen auch über die bevorstehenden Feiertage. Und er hat eine Bitte: „Wenn Sie sich zum Fest oder Jahreswechsel mit Verwandten, Freunden und Bekannte treffen, dann lassen Sie vorher zur Sicherheit einen kostenlosen Test machen.

Eine Übersicht der Teststationen in Vorpommern finden Sie unter:
Kostenlose Corona-Schnelltests in Vorpommern

 

Impfung von Kindern läuft an

Impfstoff sei derzeit im Landkreis ausreichend verfügbar, versicherte der Landrat. Die Impfung von Kindern laufe erst ganz langsam an, obwohl derzeit 41 Schulen und 25 Kitas von jeweils drei und mehr Infektionsfällen betroffen seien. Sack empfahl entsprechende Impfungen möglich beim Kinderarzt vornehmen zu lassen. Wer aber trotzdem für seine Kinder das Impfzentrum aufsuchen möchte, sollte vorher über die Hotline einen Termin vereinbaren.

Auf Hochtouren laufen derzeit die sogenannten Booster-Impfungen, die auf aktuelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) etwa sechs Monate nach der Zweitimpfung durchgeführt werden sollten. Nach Nordkurier-Informationen soll diese Zeitraum-Empfehlung in den nächsten Tagen verkürzt werden, sodass dann mit einem weiteren großen Ansturm auf die Impfzentren und Arztpraxen zu rechnen ist.

Mehr lesen: Kostenlose Corona-Schnelltests in Vorpommern

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