Schulgeschichte

:

Damals galt noch ein Diener für die Jungs“

Edelgard Schubert aus Alt Plestlin hat Klassentreffen zu ihrem Hobby gemacht – Jetzt Jahrgänge 1938 bis 1943 eingeladen.

Mächtig in der Schulgeschichte gekramt wurde jetzt in Alt Plestlin. Denn in dem Bentziner Ortsteil trafen sich jüngst Männer und Frauen der Geburtsjahrgänge 1938 bis 1943, die dort einst zur Schule gegangen waren. „Und da waren welche bei, die sich 45 Jahre nicht mehr gesehen haben“, berichtet Edelgard Schubert, die anders als die meisten Ehemaligen heute noch in Alt Plestlin wohnt und das Ganze organisiert hatte. Sie selbst war erst nach den Kriegswirren dorthin gekommen, weil sie mit ihrer Familie aus dem hinterpommerschen Deutsch Krone (heute Walcz) flüchten musste.

Wo sich heute der Alt Plestliner Jugendclub befindet, stand früher der Schulsportplatz, das Lehrgebäude selber war gegenüber neben dem Kirchhof. „Es wurden in den Klassen dann immer umschichtig zwei, drei Leute eingeteilt, die die Kirchenglocken läuten mussten“, erinnert sich Edelgard Schubert. Der Unterricht selbst sei mit dem heute gar nicht mehr zu vergleichen. Schließlich gab es damals nur zwei Klassenräume – einen für die 1. bis 4. Klassen, der andere für die 5. bis 8. Klassen. Und darauf teilten sich über 50 Jungen und Mädchen aus Alt und Neu Plestlin auf, die meisten aus Flüchtlingsfamilien.Trotz dieser großen Schülerzahl und der verschiedenen Klassenstufen hatten die beiden Lehrer Erhardt Trunk und Ursula Schulze ihre Schützlinge aber weitgehend im Griff. „Damals galt noch ein Diener für die Jungs und ein Knicks für die Mädchen.“

Zumal es ja noch solche Dinge gab wie den schmerzhaften Rohrstock. Streiche und Neckereien gehörten aber natürlich schon damals zum Schulleben. „Die Jungs haben den Mädchen die Zöpfe zusammengeknotet oder in die Tintenfässer gesteckt“, weiß Edelgard Schubert noch. „Ich bin zeitweise fast jeden Tag mit blauen Zöpfen nach Hause gekommen.“‹‹

Nur drei im Ort geblieben

››Solche Geschichten wurden auch beim Klassentreffen wieder aufgewärmt, zu dem sie immerhin noch 28 Leute zusammen bekam. Sechs ihrer ehemaligen Mitschüler seien leider schon verstorben, andere krank oder der Termin passte nicht, erzählt sie. Und drei habe sie gar nicht mehr gefunden. Schließlich sind die einstigen Plestliner Schüler heute weit verstreut in Deutschland.

Nur sie und ihr Mann Günter sowie Karl-Heinz Reschke seien in dem Dorf geblieben. Ein Teil wohne in Orten der Umgebung, viele aber verschlug es auch in die alten Bundesländer. Nicht wenige erlernten den Beruf eines Lehrers, zudem waren unter anderem eine Professorin und ein Doktor mit von der Partie beim Klassentreffen.Schnell hätten sich da alte Kumpels wieder zusammengefunden, erklärt Edelgard Schubert, die schon mehrere Treffen für andere Jahrgangsstufen organisiert hat. „Das macht mir irgendwie Spaß, ist schon ein Hobby von mir.“ Getroffen hätten sie sich im Jugendclub.

Und natürlich gab es einen kleinen Rundgang durchs Dorf, einige besichtigten zudem den Wasserwanderrastplatz. Und da kamen auch wieder Erinnerungen an die Kindheit. Schließlich hieß Schule damals nicht nur Lernen im Klassenzimmer. „Wir haben viel Unterricht draußen gemacht und es gab auch Sachen wie eine Schnitzeljagd. Wir haben viel gemeinsam unternommen, hatten ja den Silberberg und die Peene gleich in der Nähe.“ Und es sei viel gefeiert worden, es gab beispielsweise Theaterproben auf dem Kornboden.Der Erfolg des Treffens sorgt nun für eine Fortsetzung, verkündet die Alt Plestliner Organisatorin. „In zwei Jahren sehen wir uns wieder.“