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Mädchen-Entführer ins Bützower Gefängnis gebracht

Beamte bringen den Entführer in Anklam zum Gefangentransporter.
Beamte bringen den Entführer in Anklam zum Gefangentransporter.
Kai Horstmann

Das ist er, der Mann, den die Polizei beschuldigt, die kleine Maja (10) über die Grenze verschleppt zu haben. Er wurde bei einem großen Polizeieinsatz gefasst, bevor dem Kind etwas geschah.

„So einen Tag vergisst man nicht“, sagt Polizeisprecher Axel Falkenberg. Für einen Nachmittag ist Anklam das Zentrum von Polen. Tv Sczecin, TVN 24 – ein Kamerateam neben dem nächsten. ZDF und Norddeutscher Rundfunk gehen da beinahe unter. In der Polizeiinspektion Anklam ist Polnisch zweite Amtssprache – zumindest für einen Tag. Schon am frühen Morgen hatten sich Journalisten Nase und Linse platt gedrückt, um an Informationen zu dem spektakulären Entführungsfall eines polnischen Mädchens zu bekommen.
Am Mittwoch hatte die Anklamer Inspektion die Fahndung übernommen. „Der Onkel des entführten Mädchens hatte im Örtchen Bismark, nahe der Grenze, einen Schuh seiner Nichte gefunden. Dann musste alles ganz schnell gehen. Innerhalb weniger Minuten hatte die Inspektion ein Team zusammengestellt, um die Suche zu koordinieren. „Wir mussten vom schlimmsten Fall ausgehen“, so Polizeidirektor Gunnar Mächler. Es gab Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Täters – und darauf, dass er eine Waffe bei sich führt. Dass am Ende auch der Zufall half, als der Täter seinen Fluchtwagen mitsamt des entführten Mädchens in einen Graben lenkte – egal. Für die polnischen Sender ist das Nebensache.
Den Tag nach seiner Verhaftung verbrachte der Täter zunächst in Anklam hinter Schloss und Riegel. Am Nachmittag wurde er nach Neubrandenburg gebracht.  Riesen-Medienrummel, Blitzlicht, Mikrofone. Selbst das Autokennzeichen des Polizeiwagens wird per Handy an die Senderzentrale weitergegeben. Das Amtsgericht Neubrandenburg erließ am Nachmittag Haftbefehl gegen den 31-Jährigen. Er wurde laut Polizei nach der Verkündung in die Justizvollzugsanstalt Bützow gebracht.

Der Antrag wurde durch die Generalstaatsanwaltschaft Rostock gestellt, wo zuvor aus Polen von der Bundesstaatsanwaltschaft das Festnahmeersuchen eingegangen ist.

Irgendwann in den nächsten Wochen wird der Mann wohl den polnischen Behörden übergeben. „Aber erst mal wird er in Deutschland angeklagt. Als er das Mädchen über die Grenze gebracht hat, hat er sich auch hier strafbar gemacht“, erklärt Polizeisprecher Axel Falkenberg.

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Foto: Polnische Polizei