Nachwuchs statt Abschuss

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Das A20-Schaf ist Mutter

Im Schafsgalopp: Momentan dürfen das Kamerunschaf "Heidrun" und sein Junges über den Vorhof von ihrer Pflegefamilie toben.
Im Schafsgalopp: Momentan dürfen das Kamerunschaf „Heidrun” und sein Junges über den Vorhof von ihrer Pflegefamilie toben.
Stefan Hoeft

Einst hielt es mit seiner Präsenz an der Autobahn Scharen von Zweibeinern in Atem, jetzt gilt sein ganzes Interesse einer kleinen Vierbeinerin: Das bei Völschow gefangene Kamerunschaf hat ein Junges zur Welt gebracht.

Einen Verdacht hegte David Wode recht früh, jetzt tollt die Bestätigung auf dem Hof seiner Eltern in Völschow herum: Das von der Familie vor rund drei Monaten aufgenommene und „Heidrun“ getaufte Kamerunschaf hat Nachwuchs auf die Welt gebracht – ein Mädchen, vom Fell her fast haargenau wie die Mutter gezeichnet. Die Kleine stellt damit so etwas wie die Krönung einer glücklichen Geschichte dar.

Die Zibbe sorgte seit dem Herbst 2017 für Schlagzeilen und Radiomeldungen, weil sie in der Gegend zwischen Jarmen und Jagetzow an der A 20 herumstromerte und sich dabei oft der L 35 näherte. Immer wieder zog es sie in das Terrain um die dortige Windkraftanlage. Um eine Verkehrsgefährdung zu verhindern, einigten sich die Behörden auf einen Abschuss, eine Art Weihnachtsamnestie eröffnete allerdings eine Gnadenfrist für Fangaktionen.

Der Wildfang lebte sich problemlos ein

Doch erst nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen gelang es einem von Gemeinde und Feuerwehr ins Leben gerufenen Völschower SEK (Schaf-Einfang-Kommando), kurz vor Silvester die blökende Dame zu fangen und sie auf den Hof der Familie Wode zu bringen. Die hatte schon früher Kameruner gepflegt und beherbergt derzeit eine Herde Schwarzkopfschafe, die ihrem Sohn David gehören.

Jener wunderte nicht nur, wie problemlos sich der Wildfang von der Autobahn dort einlebte. Er staunte auch über den robusten Gesundheitszustand von „Heidrun“ und vermutete, dass hinter ihrer runden Erscheinung mehr als nur gutes Futter stecken könnte – eine Schwangerschaft.

Der Nachwuchs hätte keinen Tag überlebt

Anfang März fand seine Mutter Jutta Wode beim Fütter-Rundgang dann die Überraschung im Stroh: ein Schafbaby. Nicht auszudenken, wenn das Kleine um diese Zeit in der freien Natur das Licht der Welt erblickt hätte! „Das wäre da draußen auf jeden Fall nichts geworden“, meint David Wode mit Verweis auf Schnee und Dauerfrost. Wahrscheinlich hätte der Nachwuchs keinen Tag überlebt.

Damit er keinen Schaden nimmt und sich gut entwickeln kann, wurden Mutter und Tochter gleich von den Artgenossen getrennt, die anders als Kameruner echte Wolle tragen und deutlich größer sind. Das Kleine ist mobil, knabbert an Grashalmen und beschnuppert sich gegenseitig mit dem Katzen-Nachwuchs.

Übrigens: Die Tragzeit von Schafen beträgt rund 150 Tage. "Heidrun" muss zum Zeitpunkt ihrer Flucht also bereits trächtig gewesen sein.