Die kleine Figur aus Pfeifenton ist gerade mal so groß wie ein Daumen. Foto: Matthias Diekhoff
Die kleine Figur aus Pfeifenton ist gerade mal so groß wie ein Daumen. Matthias Diekhoff
Der Anklamer „Geldscheißer” ist reich an Details. Nur das Geldstück fehlt. Foto: Landesamt für Kul
Der Anklamer „Geldscheißer” ist reich an Details. Nur das Geldstück fehlt. LAKD M-V, Landesarchäologie, A. Popp.
Kunst gefunden

Der kleine „Geldscheißer” ist zurück

Die kleine Tonfigur, die 2015 bei den Abrissarbeiten am Anklamer Markt gefunden wurde, soll demnächst im Museum im Steintor zu sehen sein. Ihre ursprüngliche Funktion ist allerdings nicht ganz klar.
Anklam

Wer ein bisschen dem Aberglauben zugewandt ist, könnte jetzt berechtigte Hoffnung hegen, dass die Zeit der knappen Kassen in Anklam bald Geschichte ist, denn der „Geldscheißer” ist zurück in der Stadt. Die etwa daumengroße Figur aus weißem Pfeifenton wurde 2015 bei den Abbrucharbeiten an der Ostseite des Anklamer Marktes gefunden und hat seitdem für seine gut fünf Zentimeter Größe eine beachtliche Karriere hingelegt.

Tonfigur war Fund des Monats

Zunächst wurde er vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege zum Fund des Monats gekürt und ausführlich besprochen. Und zuletzt sind dem Männchen mit den Hosen runter einige Seiten im aktuellen Anklamer Heimatkalender gewidmet worden. Und das völlig zu Recht, wie auch Dr. Wilfried Hornburg, Leiter des Museums im Steintor, findet. Daher sei die Freude nun auch groß, den „Geldscheißer” bald in Anklam als Leihgabe des Landesamtes zeigen zu können. Die Idee, das „interessante Relikt”, das vermutlich aus dem 19. Jahrhundert stammt, in die alte Heimat zu holen, sei bei einem Gespräch mit der ehemaligen Stadtarchäologin Andrea Popp entstanden, die der Ansicht war, dass dieses Vorhaben durchaus gute Chancen hätte. Und tatsächlich gab es recht umstandslos grünes Licht vom Landesamt, berichtet Wilfried Hornburg.

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Nun müsse allerdings überlegt werden, wie das Männchen für die Besucher des Museums gut in Szene gesetzt wird. Ganz sicher müsse dafür eine Vitrine her und vermutlich auch eine vergrößerte Abbildung, damit sich dem Betrachter auch sämtliche Details erschließen. Beschrieben wird die Figur so: „Die in der Hocke sitzende Gestalt hat ein sehr angestrengtes Gesicht mit weit aufgerissenem Mund und platt gedrückter Nase. Sie ist mit einer eng anliegenden Jacke mit Reverskragen bekleidet, die am Rücken mit Querstreifen gemustert ist. Dazu trägt sie eine kapuzenartige Mütze, die im Nackenbereich eine Pelzverbrämung besitzt. Die Hose ist bis zu den Oberschenkeln heruntergelassen. Das nackte Gesäß wird durch ein nachträglich, nicht mittig angebrachtes Loch gekennzeichnet.” Was allerdings fehlt, ist das Geldstück am Gesäß, dass vermutlich aus vergänglichem Material wie Holz oder Papier gefertigt wurde.

Zweck der Figur ist etwas unklar

„Geldscheißer”, „Dukatenkacker” oder auch „Heckmännchen” erfreuten sich in vergangenen Zeiten verständlicher Weise großer Beliebtheit. Zumindest taucht der Kobold seit dem Spätmittelalter in der europäischen Sagenliteratur auf und auch als Architekturdetail wie zum Beispiel in Goslar oder Stade. Spätestens ab dem 19. Jahrhundert gab es die Männchen dann auch als Massenware, die sich jeder leisten konnte. Nur zu welchem Zweck man sich so eine etwas anrüchige Figur ins Regal stellte, ist etwas unklar, schreibt Andrea Popp im Heimatkalender. Sie könnte Scherzartikel, Spielzeug oder auch Dekoration gewesen sein. Oder eben tatsächlich ein Glücksbringer, mit dem die Hoffnung verbunden war, dass er Geld ins Haus bringt – auf welche Art und Weise auch immer.

 

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