Schweinezuchtanlage Alt Tellin
Der Protest geht weiter, aber anders

Anfangs fanden die Montagsinspektionen an Europas größter Schweinezuchtanlage immer unter Aufsicht der Polizei statt. Doch pünktlich zum zweiten Geburtstag dieser Protestaktion stellten die Ordnungshüter diese Dauerpräsenz ein. Und nun endet auch die Serie dieser Demonstrationen. Foto: Stefan Hoeft
Anfangs fanden die Montagsinspektionen an Europas größter Schweinezuchtanlage immer unter Aufsicht der Polizei statt. Doch pünktlich zum zweiten Geburtstag dieser Protestaktion stellten die Ordnungshüter diese Dauerpräsenz ein. Und nun endet auch die Serie dieser Demonstrationen.
Stefan Hoeft

Nach mehr als drei Jahren Dauerprotest ist Schluss: Die Gegner der Schweinezuchtanlage Alt Tellin beenden ihre wöchentliche Montagsinspektion. Den Kampf gegen Ferkelfabriken will die Bürgerinitiative aber intensiv weiter führen.

Wohl kaum einer hätte bei der Premiere am 22. Dezember 2010 gedacht, dass die BI „Rettet das Landleben am Tollensetal“ ihre Montagsinspektion vor der Baustelle für Europas größte Ferkelfabrik länger als ein paar Monate durchhält. Doch deren Mitstreiter bewiesen Biss und Widerstandskraft nicht nur gegen Investor und Behörden, sondern auch gegen das Wetter: Ob Dunkelheit, knallende Sonne, Dauerregen, heftiger Wind oder beißender Frost – stets fand sich einmal pro Woche von 17 Uhr bis 17.30 Uhr ein Häuflein von mindestens einem Dutzend Leuten, die die Fahnen gegen Agrarindustrialisierung hochhielten, oft viel mehr und manchmal sogar zwischen 50 und 80.

Das änderte sich auch nicht, als trotz aller Proteste die Bauarbeiten begannen und der Stallkomplex später tatsächlich in Betrieb ging. Doch nun ist trotzdem Schluss mit dem festen montäglichen Termin. Gestern gab es die letzte derartige Demo, die Nummer 164 am 3. Februar bedeutet Zapfenstreich.

„In diesen drei Jahren haben wir die Möglichkeiten dieser Aktionsform weitgehend ausgeschöpft“, begründete BI-Sprecher Jörg Kröger aus Wietzow die Entscheidung. „Wir werden unsere Aktivitäten deshalb zukünftig vermehrt auf andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit verlagern.“ So sollen vermehrt Flugblätter und Informationsveranstaltungen über die von der Anlage ausgehenden Gefahren aufklären und für eine andere Agrarpolitik werben. Denn ihren Kampf gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft und die Scheinheiligkeit der Politik in dieser Frage werde die BI wie bisher weiterführen. Sprich, das Ende der Montagsinspektionen sollte niemand als Kapitulation verstehen, im Gegenteil.

Neue Aktionen an der Anlage sind geplant

„Dass wir diesen Kraftakt so lange durchgehalten haben, lag an der großen Unterstützung, die diese Aktion aus der Umgebung bekommen hat“, unterstreicht Kröger, der fast bei jeder Zusammenkunft anwesend war und häufig die neuesten Nachrichten zum Thema Ferkelfabik und Agrarindustrie überbrachte. Gerade in der Anfangszeit nahmen er und seine Mitstreiter das Wort Inspektion aus gutem Grund sehr wörtlich: In der Bauphase stellten sie immer wieder Verstöße des Investors gegen Gesetze und Auflagen fest und zeigten sie an, mehrfach waren behördliche Überprüfungen und auch Bußgelder die Folge. Mitunter entstand der Eindruck, dass der Bauherr ohne die BI freie Hand gehabt hätte.

Überdies gelang es den Aktivisten, immer wieder die mediale Aufmerksamkeit auf Alt Tellin zu richten – bundesweit und sogar über die deutschen Grenzen hinaus. Hinzu kamen zahlreiche Besuche von prominenten Politikern oder Verbandsvertretern, zuletzt vom Vorsitzenden des Deutschen Tierschutzbundes sowie des Geschäftsführers des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Sie alle zeigten sich beeindruckt vom Durchhaltewillen und den Erfolgen der Vorpommern bei ihrem Widerstand gegen die Ferkelfabrik und ihre Auswirkungen. „Aber natürlich werden wir auch in Zukunft immer wieder mit dann größeren Aktionen an der Anlage auftauchen“, kündigt JörgKröger an.