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Die Nilgans: So süß und so fies!

VonAnja RauSie duldet keine anderen Vögel neben sich, hat keine Angst vorm Menschen und benimmt sich auch sonst nicht wie ein gern gesehener Gast. Die ...

VonAnja Rau

Sie duldet keine anderen Vögel neben sich, hat keine Angst vorm Menschen und benimmt sich auch sonst nicht wie ein gern gesehener Gast. Die Nilgans erobert langsam aber sicher Vorpommern – und es scheint ihr hier zu gefallen.

Bugewitz.Die Nilgans sieht harmlos, ja sogar niedlich aus, droht aber, heimische Tierarten zu vertreiben. „Andere Vögel wie Gänse und Schwäne werden von ihr nicht geduldet“, sagt Naturfreund Günther Hoffmann, der in Bugewitz regelmäßig zur Erholung unterwegs ist und die Tiere inzwischen regelmäßig sichtet. Im schlimmsten Fall seien die Populationen anderer Vögel in Gefahr.
Hoffmann hat dieses Jahr bereits acht Nilgänse am Schöpfwerk Bugewitz gesichtet. „Die haben kein Fluchtverhalten, bis auf 20 Meter konnte ich problemlos an sie herangehen und auch fotografieren.“ Doch nicht nur in Bugewitz, auch am Polder Kamp stieß er auf Nilgänse. Hoffmann sagt, dass die Vögel bereits seit zwei Jahren immer wieder an der Peene unterwegs sind.
Die Tiere haben dabei aber keineswegs den Weg aus dem heimischen Afrika, genauer dem Gebiet südlich der Sahara, zu uns gefunden. Vielmehr wurden sie bereits im 17. Jahrhundert von Zoologen als Ziervögel nach Europa gebracht. In Tierparks wurde ihnen das Leben aber offensichtlich zu eintönig, weswegen sie sich auch außerhalb von Parks ansiedelten. Seitdem werden es immer mehr. Schätzungen gehen mittlerweile von 30000 Nilgänsen in Deutschland aus.
In Nordrhein-Westfalen hat sich der aggressive Vogel seit einigen Jahren so drastisch vermehrt, dass dort mittlerweile von einer Plage gesprochen wird.Und in Rheinland-Pfalz sind die ersten Störche wegen des afrikanischen Vogels sogar schon ausgeblieben. Auf dem Gelände des dortigen Landesjagdverbandes befindet sich zwar seit Jahren ein Storchennest – doch die Nilgänse haben es mittlerweile erobert. Selbst Graureiher vertreiben sie.
Wie viele Nilgänse nun in Vorpommern unterwegs sind, kann Hoffmann nicht einschätzen. Das Gebiet um das Schöpfwerk ist sehr unübersichtlich. Bislang konnte er jedoch keinen Hinweis auf Nester oder Brutplätze finden. Der Tierfreund sieht derzeit auch keinen wirklichen Grund zur Panik: „Die Natur regelt sich selber“, glaubt er. Auch bei den Marderhunden, die ebenfalls eingewandert sind, sei es so gewesen. Außerdem könne man wenig gegen die Vögel tun. Eine Jagd oder andere Versuche, die Vögel zu verscheuchen, seien nicht sinnvoll.
Bleibt also das Hoffen auf den Herbst: Denn die Nilgans ist ein Zugvogel, zieht also nach dem Sommer wieder aus unseren Gefilden ab. Bei nur acht gezählten Vögeln bräuchten sich auch Landwirte noch keine Gedanken machen. „Die Zugvögel, die bei uns rasten, sind deutlich schlimmer. Sie fallen massenweise über Äcker her“, sagt Hoffmann. Doch ob die Nilgans in einigen Jahren nicht auch in einer solchen Masse zurückkehrt, vermag noch niemand zu sagen.

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a.rau@nordkurier.de