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Die "Prügelhorde" schlug ganz Anklam ins Gesicht

Wie traurig: Sie suchen Frieden und Schutz in Anklam, und plötzlich müssen diese Menschen wieder Angst haben.
Wie traurig: Sie suchen Frieden und Schutz in Anklam, und plötzlich müssen diese Menschen wieder Angst haben.
Gabriel Kords

Die Gruppe, die da am Montag auf junge Asylbewerber einschlug, verletzte nicht nur drei Menschen, die ihnen nicht das Geringste getan hatten. Sie schlug damit auch einer ganzen Stadt ins Gesicht, die sich für ein menschliches Miteinander einsetzt.

Im Jahr des großen Stadtjubiläums ist Anklam zusammengerückt wie selten. Und viele Menschen in der Peenestadt haben sich dabei dafür eingesetzt, auch die ins Stadtleben einzubeziehen, die nicht freiwillig nach Anklam gekommen sind: Flüchtlinge, die unter größter Not ihr eigenes Heimatland verließen und nun in Anklam leben. Anklam feierte für sie und mit ihnen nicht nur ein internationales Fest. Eine ganze Woche beschäftigten sich Jugendliche und Anklamer mit den Asylbewerbern in ihrer Stadt. Und das zusätzlich zu dem, was ohnehin schon für die Flüchtlinge und das Miteinander in Anklam getan wird. 

Gerade für die vielen Engagierten in Anklam ist der Übergriff auf die drei Asylbewerber durch eine rassistische Prügelhorde deshalb ein Schlag ins Gesicht. Wieder ist ihre Heimatstadt kein Beispiel für ein friedliches Miteinander, sondern als brauner Brennpunkt in Vorpommern stigmatisiert.

Viele Projekte versuchen Flüchtlinge zu integrieren

„Was ich besonders erschreckend fand, der Fall wurde an dem Tag bekannt, als wir beim Martinsfest für die Asylbewerber sammelten“, sagt Pastor Jörn-Peter Spießwinkel. Für ihn macht gerade der Zusammenfall dieser beiden Ereignisse deutlich, wie wichtig es ist, in den sozialen Einrichtungen weiter das Verständnis zwischen Anklamern und ihren „besonderen Gästen“ zu fördern.

Auch Roderich Eichel, Jugendsozialarbeiter im Anklamer Jugendclub „Mühlentreff“, macht dieser Vorfall einfach nur traurig. „Wenn Menschen wie du und ich in Anklam einfach zusammengeschlagen werden, kann ich das nicht akzeptieren“, so Eichel. In seinem Jugendclub trainieren Asylbewerber und Anklamer Jugendliche friedlich miteinander. Gestern startete zudem ein neues Projekt: Eichel will eine gemeinsame Sportgruppe aus Anklamer Jugendlichen und jungen Asylbewerbern ins Leben rufen.

Ulrich Höckner, Leiter der Caritas in Anklam, macht der Vorfall am Anklamer Busbahnhof vor allem wütend. „Es ist erschütternd und ärgerlich, wenn der Ruf und das Engagement der Stadt auf diese Weise zunichte gemacht werden“, sagt er. Seit mehr als sieben Jahren arbeitet die Caritas in Anklam eng mit Flüchtlingen zusammen.

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