Nachruf

„Die Stadt Anklam hat ihm viel zu verdanken“

Zucker-Chef und Rübenkönig. Ingo Kuchenbrandt wurden immer wieder solche Titel verliehen. Dass Anklam noch eine Zuckerfabrik hat, das war vor allem sein Verdienst. Ihm gelang es, in den 20 Jahren an der Spitze für sich und den Betrieb immer wieder neue Wege zu finden. Vergangene Woche ist Ingo Kuchenbrandt nach langer Krankheit verstorben.
Carsten Schönebeck Carsten Schönebeck
Der ehemalige Geschäftsführer der Anklamer Zuckerfabrik Ingo Kuchenbrandt ist im Alter von 71 Jahren verstorben.
Der ehemalige Geschäftsführer der Anklamer Zuckerfabrik Ingo Kuchenbrandt ist im Alter von 71 Jahren verstorben. NK-Archiv/Heiko Brosin
Der alte und der neue Zuckerfabrik-Chef mit dem Bürgermeister: Ex-Chef Ingo Kuchenbrandt mit Nachfolger Matthias Sauer und Anklams Bürgermeister Michael Galander im Jahr 2013.
Der alte und der neue Zuckerfabrik-Chef mit dem Bürgermeister: Ex-Chef Ingo Kuchenbrandt mit Nachfolger Matthias Sauer und Anklams Bürgermeister Michael Galander im Jahr 2013. NK-Archiv/Gabriel Kords
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Anklam.

Was macht ein Mann, der zwei Jahrzehnte lang Anklams wichtigsten Betrieb geleitet hat, im Ruhestand. „Jeden Tag Schnee fegen und den Hund spazieren führen“, antwortet Ingo Kuchenbrandt, wenige Wochen nach dem er 2010 den Staffelstab übergeben hatte. Klare Worte, klare Ansagen, das haben ihm viele bescheinigt. Am 26. Juni ist Ingo Kuchenbrandt, langjähriger Chef der Anklamer Zuckerfabrik, im Alter von 71 Jahren gestorben. Nach langer Krankheit, die er mit großer Geduld getragen habe, sei sein Tod dennoch überraschen gekommen, heißt es im Nachruf des Unternehmens.

Kuchenbrandt und die Zuckerfabrik – das gehört über Jahrzehnte zusammen

Den Umbruch der Wende, den Neuanfang, die Umstrukturierung des Unternehmens und der ganzen Branche hat Kuchenbrandt an führender Stelle mitgestaltet. „Er war sicher einer von ganz wenigen Leitern eines Industrieunternehmens, die nach der Wende im Amt geblieben sind und es geschafft haben erfolgreich weiter zu machen“, sagt Anklams Bürgermeister Michael Galander (IfA). Klar, als Kuchenbrandt noch im Amt war, gab es viel Gesprächsbedarf zwischen den beiden Männern. „Das war meine erste Amtszeit und es waren schwierige Zeiten für die Zuckerfabrik“, sagt Galander.

Fast 40 Jahre arbeitete er dort, gut 20 Jahre als Chef des Betriebs.

Kuchenbrandt hatte in den zwanzig Jahren an der Spitze des Unternehmens auch menschlich schwierige Entscheidungen treffen müssen. Das dänische Unternehmen „Danisco Sugar“ hatte acht Betriebe in der ehemaligen DDR übernommen. Sieben von ihnen wurden nach und nach abgewickelt, in Anklam wurden mehr als 400 Arbeitsplätze abgebaut. Immerhin, es gab ordentliche Abfindungen und er selbst habe damals fest daran geglaubt, dass die Arbeitslosigkeit in der Region nur von kurzer Dauer sei. „Wir dachten doch alle, kein Problem, das ist nur vorübergehend, bald gibt es mehr Firmen als Arbeitskräfte, sodass alle in kürzester Zeit wieder einen Job finden“, sagte Kuchenbrandt Jahre später.

„Dass zumindest die Anklamer Zuckerfabrik als einzige im ganzen Land erhalten blieb, war vor allem sein Verdienst. Wenn er nach der Wende nicht schnell und klug gehandelt hätte, wäre sie nicht konkurrenzfähig gewesen“, sagt Galander.

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