Die Miller-Family in ihrem Salon: Neben Maria, Jorinde, Maya, Bella und Noah sowie den Eltern Monka und Tom gehört auch L
Die Miller-Family in ihrem Salon: Neben Maria, Jorinde, Maya, Bella und Noah sowie den Eltern Monka und Tom gehört auch Leonie zur Familie, war aber gerade in der Schule. Silke Voß
Die Weihnachts-CD versammelt selbst komponierte folkige Songs und klassische Weihnachtslieder.
Die Weihnachts-CD versammelt selbst komponierte folkige Songs und klassische Weihnachtslieder. Silke Voß
Kultur trotz Corona

Diese Familie will mehr sein als die Kellys des Nordostens

Die blondköpfige Miller-Family aus Vorpommern tourt mit einem Oldtimerbus und erfreut mit Straßenkonzerten. Doch musikalisch gehe man durchaus andere Wege als die Kellys, betonen Eltern und Kinder.
Vorpommern

Tief in Vorpommern, grenznah zu Mecklenburg. Baumlose breite Straßenadern leiten pausenlos den Verkehr in die Städte, grau geputzte Häuser ducken sich am Rand. Die raue baltische See kann man schon spüren. Abseits dieser geschäftigen Route zwischen Neubrandenburg und Usedom führt eine kleine Piste nach Vargatz. Gerahmt und windgeschützt von alten Parkbäumen findet sich da ein farbenfrohes Gutshaus. Lichtes Ocker fasst hohe Fenster. Ist das etwa Italien? Oder doch hoher Norden, keltisch oder irisch?

Bereits drei CDs und einige prominente Auftritte

Um den langen Holztisch versammeln sich alle Millers: Maria, Jorinde, Maya, Bella sowie die Eltern Monka und Tom. Leoni ist noch in der Schule. Eine ist schöner als die andere – nicht nur äußerlich – mit blonden Engelshaare und strahlenden Augen. Diese Grazie rührt von Harmonie. Man fühlt: Das ist eine Familie, das ist Musik. Das ist die Miller-Family. Die acht, zu denen noch Sohn Noah gehört, verbinden nicht nur Familienbande. 2016 haben sie eine Band gegründet. Und gleich einen Wahnsinns-Auftakt erspielt. Die von Vater Tom komponierten Songs kamen gut an, sowohl als Straßenmusik als auch bei Konzerten. Prompt folgten Auftritte im Moskauer Staatsfernsehen sowie mit Stefanie Hertel und der Angelo-Kelly-Family. Georgi Gogow, der „Teufels“-Geiger der Rockband City, begleitete sie als Freund und Musiker auf Weihnachtstournee 2019. Drei CDs sind inzwischen produziert mit eigenem Label, Musikvideos gedreht, die Songs laufen auf einschlägigen Internetkanälen.

Mehr lesen: Kultur-Lockdown ist "Ausdruck einer tiefen Ignoranz"

Vergleiche mit der Kelly-Family blieben nicht aus. Schließlich touren die Millers ebenfalls im Oldtimer-Bus durch die Lande. Bei Straßenkonzerten von Deutschland über Holland bis Frankreich rührt es die Leute an, wenn eine Familie mit vielen Kindern musiziert. „Es ist so cool, vor Leuten zu singen und auch direkt mit ihnen zu kommunizieren“, schätzt Bella das Lebendige, Flexible daran. Die oft gemeinsam am Küchentisch diskutierten Texte, menschliche Werte thematisierend und in lebensfrohe, tanzbare Folkrock-Melodien gefasst, begeistern ein Publikum ähnlich der Kelly-Fans. „Dabei gehen wir musikalisch durchaus andere Wege“, betont Mutter Monka. Die zweitälteste Tochter Jorinde findet noch eine Erklärung: „Die deutsche Musiklandschaft ist ziemlich eingleisig, es gibt ja fast nur Schlagerformate.

Mehr lesen: Emotionales Video - Angelo Kelly verlässt die Familie

Und sobald da eine ganze Familie auftritt, sind es momentan eben die Kellys! In Amerika ist das anders, da gibt es Familienbands wie Sand am Meer.“ Mittlerweile verbindet die Millers und die Familie von Angelo Kelly übrigens eine Freundschaft. Die Millers verstehen sich eher in der früher deutschlandweit verbreiteten Tradition der Hausmusik, zu der auch getanzt wurde. „Außerdem war es damals üblich, dass viele Familien als fahrende Händler umherzogen und sangen“, weiß Maya. Als die fotogene und festlich gekleidete Familie sich im Saal um den Flügel versammelt, mit Violinen, Kontrabass, Gitarre und Akkordeon, gibt sie ein überzeugendes Bild aus Hausmusikzeiten ab. Ihr Domizil, das Gutshaus in Vargatz, fanden Tom und Monka Miller schon vor 25 Jahren als Ruine vor und haben es saniert.

Noch andere gemeinsame Interessen als nur Musik

Maria, Jorinde und Maya studieren bereits, doch in den Ferien kommen sie zu gern zurück in ihr Elternhaus. Dann tourt der Bus durch Deutschland und Europa. „Unterwegs besichtigen wir immer auch Museen, Burgen und Schlösser“, erzählt Monka Miller. „Schon als Kinder sind wir alle mit dem damals noch viel kleineren Bus durch Italien gereist“, berichtet Leoni mit leuchtendem Antlitz. „Wir sind einfach gerne miteinander. Uns verbinden ja so viele Interessen. Wir malen zum Beispiel auch alle.“ So wie Mutter Monka, die eigentlich bildende Künstlerin ist und ihr Atelier in der sonnigen Orangerie hat. Alle haben eine musikalische Ausbildung genossen. Tom Miller spielte zudem in diversen Bands, darunter bei den Lousy Lovers und in der Putensen Soiree Session Band. „Musik ist so heilsam. Beim Singen geht eine Schwingung durch den Körper“, sagt Bella, die bei Auftritten mit kesser Pippi-Langstrumpf-Attitüde punktet. „Und jeder kann singen, wenn er einen Mund hat, jeder kann tanzen, wenn er zwei Beine hat.“

 

Mehr Informationen zur Familie finden Sie unter www.millerfamily.band.

Corona-Update per Mail

Der regelmäßige Überblick über die Fallzahlen, aktuellen Regelungen und neuen Entwicklungen rund um das Corona-Virus in Mecklenburg, Vorpommern und der Uckermark. Jetzt kostenfrei anmelden!

zur Homepage