SKURRILES HOBBY

Diese Visitenkarten-Sammlung ist rekordverdächtig

Joachim Henkler hat in seinem Leben mehr als 3000 Visiten- und Zahl-karten gesammelt. Was steckt hinter seinem eigenartigen Hobby? Zu Besuch in der vielleicht größten privaten Kärtchen-Sammlung der Welt – in einer Wohnung in Anklam.
Visitenkarten mit Geschichten aus fünf Jahrzehnten: Joachim Henkler vor seiner einzigartigen Collage. Foto: Dennis Bacher
Visitenkarten mit Geschichten aus fünf Jahrzehnten: Joachim Henkler vor seiner einzigartigen Collage. Dennis Bacher
Anklam.

Ob es jemanden gibt, der mehr Visitenkarten gesammelt hat als Joachim Henkler? „Ich glaube nicht“, sagt der gebürtige Darmstädter, der mit seiner Frau vor fünf Jahren nach Anklam gezogen ist. „Auf so eine blödsinnige Idee ist außer mir wahrscheinlich noch keiner gekommen.“ Um sich mit dem Sammler messen zu können, braucht es wahrlich einiges an Leidenschaft: Der Mann hat in mehr als 50 Jahren tausende Visiten-, Zahl- und Kundenkarten gesammelt und einige davon zu einer Collage zusammengefasst.

Die Installation hängt an der Wand in seinem Schlaf- und Arbeitszimmer. Fast vier Meter ist sie breit und 70 Zentimeter hoch. Insgesamt zeigt sie gut 420 Kärtchen, aufgeklebt auf einem Holzbrett aus dem Baumarkt. Darunter steht geschrieben: „Joachim Henkler, mein Leben mit Karten“. Jede von ihnen erzählt eine eigene Geschichte.

Jede Visitenkarte erzählt Geschichte aus Vergangenheit

„Hier hat sich meine Frau einer Zahnbehandlung unterzogen“, sagt der Sammler und zeigt dabei auf eine braune Karte eines Zahnarztes aus Tschechien. „Mit diesem schottischen Taxifahrer konnte man sich sehr nett unterhalten“, erzählt er, während er eine weitere Visitenkarte antippt. „Und bei diesem Griechen haben wir gut gegessen.“

Joachim Henkler ist inzwischen 74 Jahre alt und in Rente. „Irgendwie muss man sich ja beschäftigen“, erklärt er das außergewöhnliche Hobby. „Viele gehen im Alter zugrunde, wenn sie nichts zu tun haben.“ Seine Frau unterstütze seine Sammelleidenschaft. Vor dem Umzug nach Anklam wollte er die Karten eigentlich entsorgen, sagt er. „Dann habe ich mir aber gedacht: Komm, die behältst du. Schließlich stecken so viele Erinnerungen dahinter. Die Karten sind praktisch wie mein Lebenslauf.“ Früher arbeitete Henkler als Fachberater für eines der größten Warenhäuser in Frankfurt am Main, wie er erzählt. „Ich hatte täglich mit Kunden aus ganz Deutschland zu tun – viele Bänker. Ich habe immer darauf bestanden, mir die Visitenkarte geben zu lassen. Man weiß ja nie, wann man den Kontakt noch einmal gebrauchen könnte.“ Auch auf privaten Reisen steckte er hier und da die Karten ein.

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Mittlerweile hat er die besondere Sammlung ein wenig ausgedünnt – gezwungenermaßen. „Ein Spediteur hat den Karton bei einem Umzug wohl im Regen stehen lassen“, sagt er – Wasserschaden! Doch Joachim Henkler ist ihm nicht böse. „3000 Karten hätten sich wahrscheinlich sowieso nicht allzu gut an der Wand gemacht“, findet er.

Auch wenn die Installation seiner Meinung nach rekordverdächtig ist – ins Guinness-Buch möchte er damit lieber nicht. „Früher hätte ich das gemacht“, sagt er. Um einen Rekord anzumelden, müsse man inzwischen aber ordentlich in die Tasche greifen. „Da bin ich nicht bereit dafür“, sagt Henkler. Zumal er sowieso schon zweimal in den Annalen der Weltrekorde vertreten ist. „Als junger Mann habe ich große Bilder aus Briefmarken angefertigt“, erzählt er und zeigt auf seine Urkunden, die gegenüber der Collage an der Wand hängen. In den Jahren 1991 und 1999 schaffte er es damit ins Buch der Rekorde. Vom Kartensammeln hat der 74-Jährige nun erst einmal genug. Dennoch lautet Joachim Henklers Frage beim Abschied: „Lassen Sie mir Ihre Visitenkarte da?“

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