Weniger Papier, schnellere Hilfe

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"Digitale Patientenakte" in Vorpommern gestartet

In Vorpommern ist ein bundesweites Modellprojekt zur besseren medizinischen Versorgung von Patienten in ländlichen Regionen angelaufen.
In Vorpommern ist ein bundesweites Modellprojekt zur besseren medizinischen Versorgung von Patienten in ländlichen Regionen angelaufen.
Marijan Murat/Symbolbild

Patienten müssen bei Operationen bisher ihre Unterlagen in die Klinik mitbringen. Das soll nun anders werden. Alle Seiten versprechen sich Vorteile davon.

Für Tausende Patienten in Vorpommern gibt es bei ihren Akten künftig keine Schranke zwischen ambulanter und stationärer medizinischer Versorgung mehr. Mit Hilfe der „digitalen Patientenakte” können mehr als 50 Haus- und Fachärzte und zwei Ameos-Kliniken in Ueckermünde und Anklam jetzt die Gesundheitsdaten per Computer sicher austauschen, wie Landesgesundheitsminister Harry Glawe (CDU) am Montag sagte.

Das sei ein bundesweites Pilotprojekt und vor allem bei Operationen sehr wichtig. So könnten doppelte Untersuchungen vermieden und ärztlicher Aufwand verringert werden, hieß es. Beteiligt sind das regionale Ärztenetz „HaffNet”, die Kassenärztliche Vereinigung und die für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zuständige AOK Nordost.

Hilfsmittel für Ältere und Labordaten werden eingetragen

Als Beispiel für die „digitale Patientenakte” nannte Hausarzt Christian Bauer in Torgelow den Fall eines Patienten. Der 34-Jährige litt an starkem Sodbrennen und musste sich aufgrund einer Entzündung im Bauchraum einer Operation unterziehen. Nach der Operation in Berlin traten wieder Beschwerden auf, wie er sagte. In einem solchen Fall kann Bauer noch im Gespräch mit dem Patienten am Bildschirm einen Aufnahmebogen der Klinik in Ueckermünde ausfüllen und abschicken. Auch Hilfsmittel für Ältere und Labordaten würden eingetragen.

„Das nutzt uns sehr viel”, erläutert der Chefarzt der Inneren Medizin Christian Hönnscheidt. Sonst sehe man den Patienten erst, wenn er mit gepackter Tasche und den ausgedruckten Befunden in der Tür stehe. „So können wir schon die ersten Befunde einsehen, planen, welche Untersuchungen noch nötig sind und – wenn nötig – alte Bauch- oder Magenspiegelungen einsehen.”

Ärzte-Zusammenschluss Haffnet betreut 40.000 Menschen

„Wir beobachten diese Praxis jetzt ein Jahr und wollen dann prüfen, ob es sich trägt”, sagte Glawe. Sei das der Fall, soll das Pilotprojekt auch auf andere ländliche Regionen ausgedehnt und beim Bund zur „Regelversorgung” angemeldet werden. Ein Sprecher des Klinikbetreibers Ameos erklärte, dass die „digitale Akte” mit dem bestehenden Personal eingerichtet wurde.

Wichtige Voraussetzung für dieses Projekt sei der Ärzte-Zusammenschluss Haffnet, erklärte ein Sprecher der AOK. Dabei haben sich mehr als 50 Mediziner aus den Regionen Anklam, Ueckermünde, Torgelow und Pasewalk zusammengetan. Sie betreuen rund 40.000 Frauen, Männer und Kinder

Die „digitale Akte” selbst besteht aus einem gemeinsamen Portal, über das die Kliniken und Ärzte kommunizieren. Für die Datensicherheit stehe die Kassenärztliche Vereinigung ein. Ein AOK-Sprecher erklärte, die Anwendung stehe auch anderen Patienten anderer Kassen zur Verfügung. Ein ähnliches Pilotprojekt für eine Stadtregion ist mit rund 140.000 Patienten der Krankenkasse in Berlin geplant.