Geboren wurde Domenik Thrun in Itzehoe in Schleswig-Holstein. Erst vor acht Jahren zog er nach Stammersfelde bei Krien in Vorp
Geboren wurde Domenik Thrun in Itzehoe in Schleswig-Holstein. Erst vor acht Jahren zog er nach Stammersfelde bei Krien in Vorpommern. Kevin Elias Nehring
Obwohl noch jung an Jahren, hat Domenik Thrun schon einiges für sich und andere erreicht.
Obwohl noch jung an Jahren, hat Domenik Thrun schon einiges für sich und andere erreicht. Kevin Elias Nehring
Neben dem Fußball und dem Anklamer Jugendparlament hat sich in den vergangenen Jahren bei dem 19-Jährigen noch eine
Neben dem Fußball und dem Anklamer Jugendparlament hat sich in den vergangenen Jahren bei dem 19-Jährigen noch eine weitere Leidenschaft herauskristallisiert und zwar die für Politik. Kevin Elias Nehring
Engagement

Domenik Thrun – ein junger Politiker und seine Ansichten

In der Region Anklam kennen ihn viele. Denn ob im Sport, der Politik oder der Jugendarbeit – es gibt kaum einen Bereich, in dem sich Domenik Thrun nicht engagiert.
Anklam

Wenn Domenik Thrun etwas nicht kennt, dann ist das Langeweile. Vielmehr sollten manche seiner Tage doch bitte 48 Stunden haben, damit er auch all das schaffen kann, was auf seiner Agenda steht. Mit seinen 19 Jahren hat er bereits ein ordentliches Pensum an ehrenamtlichen Tätigkeiten zu bewältigen. Doch das tut er gerne und mit sehr viel Leidenschaft. Nun ist noch ein neuer Posten dazugekommen. Er sitzt jetzt für die CDU im Bildungsausschuss des Kreises Vorpommern-Greifswald und ist damit eines der jüngsten Kreisausschuss-Mitglieder in ganz Mecklenburg-Vorpommern.

Neuanfang nach Umzug

Doch von vorn. Geboren wurde Domenik Thrun in Itzehoe in Schleswig-Holstein. Erst vor acht Jahren zog er mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Stammersfelde bei Krien. Doch schon vorher war die Gegend für ihn wie eine zweite Heimat, da er regelmäßig seine Großeltern in Anklam besuchte. „Eigentlich hatte ich nie das große Verlangen von Schleswig-Holstein wegzuziehen. Es war eine schöne Zeit und ich stehe noch immer mit vielen Leuten in Kontakt. Aber es war auch so, dass dort gerade schulisch nicht alles perfekt gelaufen ist“, gibt er offen zu.

Lesen Sie auch: Verwirrter Senior (79) landet in MV statt Schleswig-Holstein

„Also war der Umzug quasi eine Art Neustart – und der lief hervorragend. Das Herziehen tat mir, zumindest rückblickend betrachtet, sehr gut. Ich habe mir hier in den vergangenen Jahren viel aufgebaut und möchte deshalb auch unbedingt hierbleiben.“

Soziales Engagement begann im Fußballverein

Neben der Schule konnte er beim Fußballverein BSV 95 Krusenfelde neue Freundschaften aufbauen. In diesem Verein begann auch sein soziales Engagement. „Vieles von dem, was ich machte oder bis heute mache, war eine Verkettung von glücklichen Umständen“, erzählt Thrun. „So war ich zum Beispiel damals der Mannschaftskapitän, als unser Vorsitzender aus Altersgründen aufhörte und der Verein kurz vor der Auflösung stand. Dann hat sich ein neues, junges Team zusammengetan und ich wurde gefragt, ob ich nicht mitarbeiten möchte. Da war ich 15 Jahre alt. Mir war schnell klar, dass Fußball mehr ist als nur auf dem Platz zu stehen. Ich wurde Jugendwart und bin es noch bis heute.“

Auch interessant: Dieser 18-Jährige lebt den Traum vom Fußballprofi

Zudem ist er aktuell ein Vorstandsmitglied der Sportjugend Vorpommern-Greifswald, der Jugendorganisation im Kreissportbund. Und er ist im Jugendausschuss des Fußballverbandes Vorpommern-Greifswald.

Schon als Schüler für andere eingesetzt

Doch nicht nur im sportlichen Bereich ist er sehr aktiv, auch im Lilienthal-Gymnasium Anklam setzte er sich jahrelang als Klassensprecher und im Schülerrat für die Interessen anderer ein. Bis zu seinem Abitur in diesem Frühjahr war er zudem im Vorstand des Kreis- und des Landesschülerrats.

Auch abseits der Schule wollte er jungen Menschen mehr Gehör verschaffen. Deshalb versuchte er mit zwei Mitschülern das Anklamer Jugendparlament (JuPa) neu zu beleben – mit Erfolg. „Den Versuch hat es in Anklam schon dreimal gegeben, leider war es nie von Dauer“, sagt Domenik Thrun. Im Dezember 2018 gab es die ersten Wahlen. „Damals hieß es noch, die Jugend sei politikverdrossen. Aber ich war schon immer der Meinung, dass junge Leute durchaus in der Lage sind, sich eine politische Meinung zu bilden und auch gerne darüber diskutieren“, ist der 19-Jährige überzeugt, der seit damals auch der JuPa-Vorsitzende ist.

Im vierten Anlauf das Jugendparlament etabliert

Wie recht er damit hat, zeigt das steigende Interesse der Schüler am Jugendparlament. Bei der zweiten Wahl 2020 hatte sich die Wahlbeteiligung bereits verdoppelt. Und es stellten sich auch viel mehr Kandidaten aus insgesamt fünf Schulen zur Wahl.

Lesen Sie außerdem: Anklamer Jugendparlament hat viele Pläne

Aber wie sieht es nach drei Jahren mit der Akzeptanz vonseiten der Politik aus? „Ich glaube schon, dass man uns ernst nimmt. Aber es könnte immer noch besser werden“, so Thrun. „Es wäre zum Beispiel gut, wenn es endlich zum Jugendmitwirkungsgesetz kommen würde, dann ist die Jugendbeteiligung auch in der Kommunalverfassung verbindlich geregelt und die politische Teilhabe junger Menschen würde automatisch steigen. Stand jetzt ist es so, dass wir zwar bei den Stadtvertretersitzungen ein Rederecht haben, aber das muss jedes Mal neu beantragt werden.“ Zukünftig wollen er und seine jungen Mitstreiter sich in politischen Fragen noch stärker einbringen, bekräftigt Thrun. „Spannend wird zum Beispiel, ob es in Anklam irgendwann ein Badeschiff geben wird oder nicht doch lieber eine Badestelle, was wir eher favorisieren.“

Schritt für Schritt auch in der Politik Fuß gefasst

Neben dem Fußball und dem Jugendparlament hat sich in den vergangenen Jahren noch eine weitere Leidenschaft herauskristallisiert und zwar die für Politik. Dabei gab es keinen konkreten Auslöser, es war ein stetig wachsendes Interesse an Wahlen und politischen Zusammenhängen. „2014 kam dann mit der Zuwanderungswelle ein Thema auf, bei dem ich merkte, dass man sich auch als Jugendlicher damit auseinandersetzen muss, unabhängig vom Standpunkt, den man vertritt.“ Zudem hat die ZDF-„heute-show“ sein Interesse weiter befeuert. „Politische Satire fand ich schon damals sehr unterhaltsam. Ich habe mich dann auch mehr mit dem Thema beschäftigt, um Anspielungen noch besser verstehen zu können.“

Domenik Thrun sagt von sich selbst, dass er schon immer Verantwortung für andere übernehmen wollte, egal in welchem Bereich. „Wenn einen etwas stört, muss man versuchen, es besser zu machen. Und das geht nicht mit Meckern, sondern man muss selbst aktiv werden“, ist er überzeugt. „Dabei ist der erste Schritt, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Und das ist vielleicht gerade bei jungen Menschen gar nicht so leicht. Aber wenn das geschafft ist, dann ist man auch bereit Verantwortung, für andere zu übernehmen.“ Auch bei ihm war dieser Punkt irgendwann erreicht. Und so trat Thrun 2019 in die Junge Union und 2020 in die CDU ein. Mittlerweile unterstützt er die Kreistagsfraktion bei ihrer Arbeit. „Und dieses Einbringen wird zukünftig definitiv nicht weniger werden“, verspricht er.

Nach dem Sozialen Jahr ist die Zukunft noch offen

Deshalb ist er auch glücklich, dass er nun als Mitglied des Bildungsausschusses im Kreistag die Chance bekommen hat, für die richtigen Inhalte zu streiten. Ganz oben steht dabei die aus seiner Sicht zu langsam vorankommende Digitalisierung, was in den Schulen der Region noch immer ein riesiges Problem sei, wie er aus eigener Erfahrung weiß. „Ich möchte zudem ein Bildungsausschuss-Mitglied sein, das sehr viel mit dem Kreisschülerrat zusammenarbeitet. Ich will für ihn eine Stimme sein“, sagt Thrun.

Wie ging es beruflich nach dem Abitur bei ihm weiter? „Ich mache momentan ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Greifswalder FC und habe dort verschiedene Aufgaben, sowohl im Büro als auch auf dem Platz. Und ich bin viel an Schulen unterwegs und darf dort Fußball-AGs betreuen“, berichtet Thrun. „Der Verein ist auf mich zugekommen, was für mich eine große Wertschätzung war. Sie fragten mich auch, ob ich dort als Trainer für den Nachwuchs aktiv sein möchte. Darüber musste ich lange nachdenken, weil das zwangsläufig bedeutet, dass ich weniger Zeit für meinen Heimatverein habe, wo ich weiter engagiert bleibe.“

Berufspolitiker? Das schließt er aus

Schließlich sagte er zu und will nun auch noch versuchen, im Rahmen des FSJ die nächste Lizenzstufe als Trainer zu erreichen. „Damit möchte ich mir mehr Perspektiven verschaffen und langfristig auch mal Ältere trainieren“, erklärt der Nachwuchscoach. Nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr kann er sich gut vorstellen, ein Lehramtsstudium aufzunehmen, zum Beispiel für Fächer wie Geschichte, Sozialkunde oder auch Politische Bildung. „Aber das FSJ ist auch dazu da, um über den Tellerrand zu gucken, was beruflich sonst noch möglich wäre.“ Was er allerdings bis jetzt ausschließt, ist eine Politiker-Laufbahn auf Landes- oder Bundesebene.

Auch interessant: Wer hat Anspruch auf die Ehrenamtskarte in MV?

Domenik Thrun hat also alle Hände voll zu tun. Für sein vielfältiges soziales Engagement in den unterschiedlichsten Bereichen wurde er vor einem Jahr bereits mit dem Ehrenamtspreis des Landkreises Vorpommern-Greifswald geehrt. Und auch wenn diese Auszeichnung ihn sehr stolz macht, sagte er schon damals: „Die Dinge, für die ich mich engagiere, tue ich von Herzen und nicht für Auszeichnungen.“

zur Homepage