WENDEZEIT

Einweihung der Gedenktafel am Anklamer Theater sorgt für Kritik

Viele Anklamer waren an den politischen Umbrüchen 1989 beteiligt. Nicht alle zeigen sich damit zufrieden, wie und vor allem von wem daran in der Stadt erinnert wurde.
Anne-Marie Maaß Anne-Marie Maaß
Die feierliche Enthüllung der Gedenktafel zur Wende im Herbst 1989 am Theater Anklam stößt auf Kritik. Foto: A
Die feierliche Enthüllung der Gedenktafel zur Wende im Herbst 1989 am Theater Anklam stößt auf Kritik. Anne-Marie Maaß
Anklam.

Ihr drehe sich der Magen um, wenn Postkommunisten die friedliche Revolution für sich in Anspruch nehmen. Susanne Jaffke-Witt fand deutliche Worte, als sie beim Kreisparteitag der CDU in Ducherow ans Mikrofon trat. Was die ehemalige Bundestagsabgeordnete so erregte, war die Einweihung einer Gedenktafel am Anklamer Theater zur Erinnerung an die Geschehnisse in der Region während der Wendezeit. FDJ-Funktionäre und Kreisleitungsmitglieder wären dort heute noch mit von der Partie. „Die, die dabei waren, sind nicht gefragt worden“, so Jaffke-Witt, die selbst bei der Sicherstellung der Stasi-Unterlagen half. Dass der ehemalige Theater-Intendant, Wolfgang Bordel, zudem noch heute von einem demokratischen Sozialismus rede, spreche für sich.

Anklams Bürgervorsteher Andreas Brüsch (IfA) überrascht die Kritik. „Ich weiß nicht, wen sie meint“, sagt er. Er sei als Bürgervorsteher wie bei den anderen Gedenktafeln in der Stadt neben dem Bürgermeister Einladender zur Veranstaltung am 8. November gewesen. Zudem sei er in der Wendezeit als Parteisekretär und stellvertretender technischer Leiter am Theater vor Ort gewesen. „Es hätte sich damals jeder selbst versuchen können“, so Brüsch.

Wolfgang Bordel habe sich nicht darum gerissen, Rede zu halten

Auch Wolfgang Bordel, der zur Tafeleinweihungen und bei den beiden Festveranstaltungen seine Gedanken zur Wende äußerte, würde sich lieber einen direkten Dialog wünschen. „Ich habe mich nicht um diese Aufgabe gerissen, es hätte auch gerne jemand anderes tun können“, sagt er. Gleichzeitig wünsche er sich lieber eine Diskussion über das Thema, wenn diese gewollt sei. „Ich bin gerne bereit, darüber zu sprechen. Heute nach 30 Jahre ist viel mehr bekannt. Es ist gut, gemeinsam darüber zu reden und überzeugende Argumente auszutauschen, um ein schlüssiges Bild zu bekommen“, bietet er an.

Rückendeckung für Anklam Alt-Intendant Bordel gibt Friedhelm Schülke. Auch der ehemalige CDU-Stadtvertreter war als Gast zur Einweihung der Tafel gekommen. „Es stand jedem frei, dort hinzugehen und auch seine Gedanken zu äußern“, so sein Empfinden. Er selbst hatte am vergangenen Freitag noch eine alte Matrize dabei, mit der er und Manfred Schukat im November 1989 den Liedtext „Die Gedanken sind frei“ für die Demonstration auf dem Anklamer Marktplatz illegal vervielfältigt hatte. Dass dies bei der offiziellen Einweihung etwas unterging, störe ihn persönlich noch nicht einmal.

Diskussion sei Zeichen für funktionierende Demokratie

„Wir wollten nicht mit leeren Händen hingehen. Auch dies ist ein Dokument der Zeitgeschichte, vielleicht spenden wir es irgendwann an das Wendemuseum“, sagt er. Wolfgang Bordel sieht er durchaus trotz unterschiedlicher Meinungen als richtigen Redner für das Thema Wende an. „Das Theater und die Kirchen waren damals Oasen der Freiheit. Gerade Wolfgang Bordel hat dem Ganzen ein Dach gegeben und war zudem immer sehr liberal und offen für Meinungen“, so Schülke. Er sieht es als großes Glück an, dass die Demokratie es heutzutage ermögliche, auch solche Debatten frei zu führen.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Anklam

Kommende Events in Anklam

zur Homepage